Wadjak, Indonesien

Letzte Meldung:   Urmenschen mit Fingerspitzengefühl   –  Senckenberg-Wissenschaftlerin Katerina Harvati widerlegt gemeinsam mit ihrem Team der Universität Tübingen und in enger Zusammenarbeit mit dem Naturhistorischen Museum Basel die bisherige Annahme, dass sich Neandertaler bei dem Einsatz ihrer Hände hauptsächlich auf ihre Kraft verlassen hätten. In einer heute im Fachjournal „Science Advances“ veröffentlichten Studie zeigen sie....

Fundort: Wadjak, Tulungagung, 30 km südlich von Kediri, Ost-Java, Indonesien
Spezies: Homo sapiens
Fossil: Wadjak 1, Wadjak 2
Geschätztes Alter: 45.000 Jahre, Datierung basierend auf Uranreihen-Untersuchung, Radiokarbon-Methode (C-14)
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Der Schädel aus Wadjak, gefunden 1888

Am 24. Oktober 1888 machte der Bergbauingenieur B.D. van Rietschoten eine außergewöhnliche Entdeckung. Auf der Suche nach Marmorvorkommen entdeckte er in einer Felshöhle in der Nähe des Dorfes Wadjak in Ost-Java einen fossilen menschlichen Schädel. Er schickte den Fund an C. P Sluiter, Kurator der Royal east Indies Society of Natural Science (Koninklijke Natuurkundige Vereeniging) in Batavia, zur weiteren Untersuchung.

Eugene Dubois und die Funde von Wadjak

Sluiter jedoch hielt sich nicht für qualifiziert genug, um eine Stellungnahme zu dem Schädel abzugeben und leitete ihn an Eugene Dubois weiter, der über die Entdeckung hocherfreut war. An Sluiter schrieb er:

"Der Schädel unterscheidet sich in jeder Hinsicht so stark von den heutigen Bewohnern der westmalayischen Inseln, dass es absolut keinen Zweifel darüber gibt, dass der Fund nichts mit dem heutigen Menschen zu tun hat.... Obwohl ich es nicht wage, eine definitive Aussage zu machen, bevor ich nicht die Gelegenheit hatte, den Fund zu studieren und zu vergleichen, scheint der Schädel mir die größten Ähnlichkeiten mit dem Papua Typus zu haben, und ich bin mir fast sicher, dass der erste Vertreter der primordialen Menschen von Java nun entdeckt worden ist".

Dubois und seine Familie kamen im Dezember 1887 auf der Insel Sumatra an. Frühe Grabungsergebnisse dort waren zwar verheissungsvoll, doch die Fossilien schienen nicht das gewesen zu sein, was sich Dubois erhoffte. Der Fund des Wadjak-Schädels bestärkte ihn in seiner Entscheidung, die Ausgrabungen nach Java zu verlegen. Die Suche dort wurde im Juni 1890 aufgenommen und Dubois` erste Reise führte ihn an jenen Kalksteinfelsen wo Van Rietshoten den Wadjak Schädel gefunden hatte. In den folgenden Monaten wurden verschiedene Höhlen gründlich umgegraben, jedoch ohne nennenswerte Ergebnisse, außer in Van Rietschotens Felshöhle. Eine erste Erkundung brachte nur wenige Säugetierknochen zum Vorschein, die noch dazu schwer einzuordnen waren. Aber gegen Ende September entdeckte man bei einer erneuten Überprüfung der Höhle einen weiteren Schädel, nicht so vollständig wie die erste, aber unverkennbar von einem Mitglied der gleichen Menschenart. Später wurden auch mehrere Fragmente eines Skeletts in der Höhle gefunden. In einem der Forschungsberichte, die Dubois in festgelegten Abständen für seine Geldgeber verfasste, stellte er fest, dass:

"...eine weitere Untersuchung der menschlichen Überreste zeigt, dass diese wahrscheinlich von Vertretern der australischen Rassen stammen, und daher eine signifikant höhere Entwicklungsstufe aufweisen als La Naulette, Schipka oder Spy. Diese australischen Einwohner von Java lebten zweifellos in einer Zeit, die man, geologisch gesehen, als 'erst kürzlich' bezeichnen könnte."

Es scheint klar zu sein, dass Dubois die Menschen von Wadjak auf einer Augenhöhe mit modernen Menschen sah, folglich hatten die Funde für ihn keine direkte Relevanz für die Frage der menschlichen Abstammung. Trotzdem überrascht es, dass Dubois eine umfassende Beschreibung der Wadjak-Menschen erst dreißig Jahre nach der Entdeckung veröffentlichte. Diese Verzögerung kann man heute zumindest teilweise erklären. Wadjak hatte für Dubois als eine menschliche Übergangsform ursprünglich keine Bedeutung, und eine Beschreibung des Fundes stand folglich nicht ganz oben auf seiner Prioritätenliste. Er wartete bis 1910, bevor er die harten Sedimente entfernte, die den Fossilien noch teilweise anhafteten, und die Knochen einer genaueren Analyse unterzog. Etwa zu dieser Zeit erfuhren seine Ansichten über den Status der Neandertaler und vergleichbarer fossiler Formen einen radikalen Wandel. Nun sah er auch die Fossilien aus Wadjak in einem neuen Licht.

In seiner Beschreibung der Wadjak-Funde, die im Jahr 1921 veröffentlicht wurde, schrieb Dubois die Fossilien einem proto-Australier zu, einer uralten Form der Tasmanier und australischen Aboriginals. Wadjak hatte anders als heutige modernen Menschen eine fliehende Stirn, einen relativ schweren Schädel und einen massiven Kiefer. Die Schädelkapazität übertraf wahrscheinlich die der Aboriginals. Die Fossilien konnten nicht mit Sicherheit datiert werden, aber in Anbetracht ihrer hohen Fossilisation glaubte Dubois, dass das Pleistozän die wahrscheinlichste Entstehungszeit sei.

Das Alter der Wadjak-Fossilien

Das Alter von Wadjak ist bis heute Gegenstand langwieriger Debatten. Dubois sagte nichts genaueres über das Alter des Schädels, da er aber versteinert war, konnte er sicher sein, dass er nicht aus der jüngeren Vergangenheit stammte. Andere Forscher nannten das ausgehende Pleistozän oder das frühe Holozän als wahrscheinlichstes Alter. Leider ist die genaue stratigraphische Fundlage von Wadjak 1 und 2 nicht bekannt und so kann man nur vermuten, ob die Menschen hinter den Fundstücken auch Zeitgenossen waren.

Zuletzt haben Storm et al. (2013) an cranialen und postcranialen Fragmenten von Wadjak 2 Uranreihen-Datierungen durchgeführt, außerdem versuchten sie eine neue Radiokarbondatierung von Knochencarbonat. Die AMS-Datierungen (Accelerator Mass Spectrometry/Beschleuniger-Massenspektrometrie, eine Weiterentwicklung der konventionellen C14-Datierungsmethode) sind älter sind als die Ergebnisse anderer Forscher und ihre Uranreihen-Datierung deutet auf ein Mindestalter zwischen 37.400 und 28.500 Jahren. Die Autoren weisen aber darauf hin, dass eine Uranreihen-Datierung von Knochen keine perfekte Datierungsmethode ist, da bei der Interpretation der analytischen Daten sehr viele Faktoren berücksichtigt werden müssen. Als Ganzes genommen unterstützen die Beweise jedoch ein Alter für die menschlichen Überreste aus Wadjak nicht jünger als die Mitte des Holozäns, mit einem möglichen Maximum im späten Pleistozän.


Literatur

  • E. Dubois. 1921 The proto-Australian fossil man of Wadjak, Java. Proc. K. ned. Akad. Wet., 23: 1013-1051.
  • G. H. R. von Koenigswald. 1956. The geological age of Wadjak man from Java Proc. K. ned. Akad. Wet.(B) 59: 455-457.
  • Storm P, Wood R, Stringer C, Bartsiokas A, de Vos J, Aubert M, Kinsley L, Grün R. 2013. U-series and radiocarbon analyses of human and faunal remains from Wajak, Indonesia. Journal of Human Evolution. DOI: 10.1016/j.jhevol.2012.11.002

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