Visogliano, Italien

Fundort: Visogliano, nähe Sistiana, Italien
Spezies: Homo heidelbergensis
Geschätztes Alter: 400000 Jahre, Datierung basierend auf Elektronenspinresonanz-Verfahren (ESR) und Uran/Thorium-Methode
Kultur: Acheuleen

Letzte Meldung:   Papua haben mehrere Denisovaner-Vorfahren   –  Als der moderne Mensch Afrika verließ, vermischte er sich mit dem Neandertaler und dem Denisova-Menschen. Ein Forschungsteam hat nun DNA-Fragmente untersucht, die diese ausgestorbenen Homininen an moderne Menschen weitergegeben haben, deren Nachfahren heute auf den Inseln Südostasiens und in Papua-Neuguinea leben. Dabei stellten sie fest, dass nicht nur eine, sondern zwei verschiedene Denisovaner-Linien – die sich schon vor Hundertausenden von Jahren voneinander getrennt hatten – Erbgut an die Vorfahren der Papua weitergegeben haben. Eine der beiden Denisova-Linien unterscheidet sich von der anderen so sehr, dass es sich bei ihr sogar um eine völlig neue Urmenschen-Gruppe handeln könnte.....

Der Felsüberhang von Visogliano im Nordosten Italiens ist ein wichtiger Fundort des mittleren Pleistozäns. Zusammen mit menschlichen Überresten fand man Elemente einer archaischen Steinindustrie, darunter Faustkeile und "Proto-Bifaces".

Die Dokumentation dieser Zeit, als eine zweite Welle von Einwanderern Westeuropa kolonisierte, ist von großer archäologischer Bedeutung, da mit dieser Welle neue Abschlagtechniken in Europa Einzug hielten.

Die Dolina di Visogliano ist eine typische, eingebrochene Doline, an deren Rand es einen Felsüberhang und einige Aufschlüsse aus Brekzie gibt. Die Geologie deutet darauf hin, dass dies die Reste einer einstmals großen Höhle sind, in der sich die Doline befand. Als Doline (von slawisch dolina, ‚Tal‘) oder Karsttrichter bezeichnet man eine schlot-, trichter- oder schüsselförmige Senke von meist rundem oder elliptischem Grundriss in Karstgebieten.

Kombinierte ESR und Uran-Thorium-Analysen definieren zusammen mit der Biostratigraphie und Daten der Umwelt einen chronologischen Rahmen für die Schichten, aus denen die Artefakte stammen. Die unteren Ebenen mit den menschlichen Überresten können auf einen Zeitraum zwischen 350.000 und 500.000 Jahre datiert werden, gestützt wird dieses Alter auch durch stratigraphischen Studien und Analysen der Kleintier-Fauna.

Diese Altersbestimmung macht Visogliano zu einem der ältesten archäologischen und paläoanthropologischen Fundorte Italiens. Darüber hinaus konnten die menschlichen Fossilien direkt mit den Steinwerkzeugen in Verbindung gebracht werden, die größtenteils aus Choppern und Hackwerkzeugen bestehen. In Westeuropa ist Visogliano zeitgleich mit der Arago-Höhle in Frankreich einzuordnen. Visogliano und Arago teilen eine ähnliche Tierwelt und die radiometrischen Daten deuten auf das gleiche Alter. An beiden Fundorten wurden menschliche Überreste entdeckt. Visogliano gehört zu den ältesten Fundorten in Europa, an denen man die Kultur des Acheuléen nachweisen kann.




Literatur

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