Salzgitter-Lebenstedt, Deutschland

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Fundort: Salzgitter-Lebenstedt, südöstliches Niedersachsen, Deutschland
Spezies: Homo neanderthalensis
Fossil: Belege für Jagd der Neandertaler auf Rentiere
Geschätztes Alter: 56.000 Jahre, Datierung basierend auf Radiokarbon-Methode (C-14) und Sauerstoff-Isotopenstufe (OIS)
Kultur: Moustérien

Der Fundplatz Salzgitter-Lebenstedt wurde 1952 auf dem Gelände des Klärwerkes von Lebenstedt, Stadt Salzgitter, Niedersachsen bei Bauarbeiten in ca. 5 Meter Tiefe entdeckt.

Die nachfolgenden archäologischen Ausgrabungen haben bisher 400 m2 eines Lagerplatzes von Neandertalern aufgedeckt, der etwa 50.000 Jahre alt ist. Es konnten zahlreiche Feuersteingeräte sowie Tierknochen ihrer Jagdbeute gefunden werden.

Von besonderem Interesse sind die Schädelfragmente eines Neandertalers sowie zahlreiche Knochen- und Geweihgeräte. Nach der Form und Kombination der Steinwerkzeuge zu schließen, fällt die Fundstelle in die Zeit des Micoquien, das nach dem französischen Fundort La Micoque im Département Dordogne benannt ist. Die Gerätschaften erwiesen sich als erstaunlich differenziert: Klingen, Schaber, Faustkeile, davon einige im halbfertigen Zustand, verschiedene Hacken und angespitzte Mammutrippen, deren einstiger Verwendungszweck umstritten ist.

Alter, Umwelt, Klima, Lagerplatztopographie und Ernährungsgrundlagen ließen sich nach Abschluß der wissenschaftlichen Untersuchungen sehr gut rekonstruieren:

Der Lagerplatz war am Rande eines breiten Flußtales während des bereits kühlen Klimas einer ausgehenden Wärmeschwankung der letzten Eiszeit, entweder des Oerel-Interstadials vor 57.000 Jahren oder des Glinde-Interstadials vor 48.000 Jahren angelegt worden. Die Vegetation im Flußtal war von Gras und Kräutern geprägt, auf der anschließenden Hochfläche kamen Sträucher hinzu. Hier war reichlich Jagdwild vorhanden, das auf der Hochfläche lebte und zur Tränke in die Niederung kam.

Als Jagdwild bevorzugten die Neandertaler von Salzgitter-Lebenstedt neben Rentier und Mammut auch Wollnashorn, Steppenwisent, Wildpferd und Riesenhirsch. Hinzu kamen aus den Flussniederungen Ente, Schwan, und Bisamspitzmaus. An Fischen verzehrte man Flussbarsch und Hecht.

Archäologen sehen den Fundplatz als zeitlich sehr eingegrenzt, möglicherweise lebten die Neandertaler hier nur eine Jagdsaison. Die beiden Schädelfragmente wurden erst bei einer späteren Durchmusterung des Fundgutes als Überreste eines Menschen erkannt. Durch weitere Nachbestimmungen sind jetzt sogar zwei Personen identifiziert und können der anthropologischen Gruppe der Neandertaler zugeordnet werden. Der Fundplatz Salzgitter-Lebenstedt besitzt bis heute eine fundamentale Bedeutung für die Neandertaler-Forschung in Deutschland.

Weblink: Städtisches Museum Salzgitter-Salder, Ur- und Frühgeschichte


Literatur

  • Wolfram Forche, Archäologische Forschung und ihre Geschichte in Salzgitter. Ein Beitrag zur Altsteinzeitkunde, in: Heinz Kolbe et al., Aus der Erd- und Siedlungsgeschichte Salzgitters, Hg. katholische Familienbildungsstätte Salzgitter, Salzgitter 1986
  • Bärbel Auffermann und Jörg Orschiedt, Die Neandertaler. Eine Spurensuche, AiD Archäologie in Deutschland, Sonderheft 2002 (Stuttgart)

Koordinaten

  • 52.174904° N, 10.327481° E von Henry Gilbert,
     

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