Ochtendung, Deutschland

Fundort: Ochtendung, Mayen-Koblenz, Deutschland
Spezies: Homo neanderthalensis
Fossil: Schädelkalotte
Geschätztes Alter: 165000 Jahre

Letzte Meldung:   Mutter-Kind-Bindung vor 2 Millionen Jahren   –  Senckenberg-Wissenschaftler Ottmar Kullmer hat mit einem internationalen Team Zähne der ausgestorbenen Vormenschen-Art Australopithecus africanus in Hinblick auf die Nahrungsaufnahme im Kindesalter untersucht. Analysen der Zahnchemie zeigen, dass die Mütter der afrikanischen Homininen-Art ihre Kinder in den ersten 12 Lebensmonaten stillten und auch später – in Zeiten von Nahrungsknappheit – auf die Ernährung mit Muttermilch zurückgriffen. Die intensive, jahrelange Mutter-Kind-Bindung wird als eine der Ursachen für die geringe Nachkommen-Anzahl bei den Vormenschen gedeutet. Die Studie erscheint heute im renommierten Fachjournal „Nature“. ....

Ochtendung ist eine Ortsgemeinde in der Osteifel im Landkreis Mayen-Koblenz in Rheinland-Pfalz. Etwas nördlich von Ochtendung wurde in den Deckschichten einer Kratermulde der Wannenköpfe-Vulkangruppe die Schädelkalotte eines prähistorischen Menschen im Zusammenhang mit drei Steinartefakten gefunden.

Aufgrund der anatomischen Merkmale werden die Überreste als "spät-prä-neanderthalzeitlich" interpretiert. Die Geologie des Fundortes, die archäologischen Befunde und die Anatomie der Schädelkalotte deuten auf die frühe Sauerstoff-Isotopenstufe (OIS) 6 hin, also auf das Frühglazial der vorletzten Eiszeit vor etwa 200.000 Jahren.

Die Schädelkalotte stellt den bisher ältesten Fund von menschlichen Überresten im Rheinland dar. Sie stammt aus den mittleren Schichten der Kratermulde und unmittelbar daneben lagen drei Steinartefakte - ein Abschlag aus Quarz, ein flacher Kern aus Geröllquarzit und ein Breitschaber aus Feuerstein.

Die Schädelkalotte zeigt an ihren Rändern deutliche sekundäre Bearbeitungsspuren, was auf eine Nutzung des Knochens als Artefakt hindeutet. Die Knochendicke ist mit durchschnittlich 8 mm am Bregma enorm. Im quer verlaufenden Riss durch das Bregma zeigt der Fund aus Ochtendung große Übereinstimmungen mit La Chapelle 1 und Monte Circeo auf.

Der Ochtendunger Fund fällt in eine Zeit, aus der in Europa bisher nur sehr wenige menschliche Fossilien bekannt sind. Die morphologischen Merkmale am Schädel interpretiert man als Beleg für den Übergang vom Homo heidelbergensis zum klassischen Neandertaler.


Ochtendung-neanderthalensis.jpg



Literatur

Koordinaten