Longtandong Höhle, China

Letzte Meldung:   Neandertaler Gene geben Aufschluss über Gehirnevolution   –  Ein typisches Merkmal des modernen Menschen ist die ungewöhnlich runde Kopfform, die uns von länglichen Schädeln anderer Menschenarten unterscheidet. Mit Hilfe von Neandertaler DNA in heute lebenden Europäern haben Wissenschaftler Gene entdeckt, die Einfluss auf die runde Schädelform haben. Ein Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Psycholinguistik und MPI für evolutionäre Anthropolog....

Fundort: Longtandong Höhle, Hexian, Hebei, China
Spezies: Homo erectus
Fossil: PA 830, Schädeldach
Geschätztes Alter: 410.000 Jahre, Datierung basierend auf Elektronenspinresonanz-Verfahren (ESR), Uranreihen-Untersuchung

Der Kreis He (chin. 和县; Pinyin: Hé Xiàn) gehört zum Verwaltungsgebiet der bezirksfreien Stadt Ma'anshan in der chinesischen Provinz Anhui. Die Höhle von Longtandong befindet sich am nördlichen Abhang des Berges Wanjiashan, in der man zwischen 1980 und 1981 zahlreiche Überreste von Menschen fand.

Zu den wichtigsten Exemplaren gehören ein Schädel, ein Teil eines linken Unterkiefers, Fragmente von Stirn- und Scheitelbein und eine Anzahl von Zähnen. Die Fossilien stammen vermutlich von drei verschiedenen Individuen und werden Homo erectus zugeordnet. Die Morphologie des Schädels, vermutlich von einem jungen Mann, ähnelt den Funden aus Zhoukoudian (Peking-Mensch), erscheint aber allgemein etwas fortschrittlicher. Das geschätzte Gehirnvolumen wird mit 1.025 cm³ angegeben.

Außerhalb Chinas sind die Funde relativ unbekannt, wohl deshalb, weil Wu und Poirier (1995) die bislang einzige, umfangreiche Beschreibung in Englisch abfassten. Das Alter der Funde wurde 1987 mittels Uran/Thorium-Methode auf 150.000 bis 190.000 Jahre bestimmt, mit einem möglichen Maximalalter von 270.000 Jahren (Chen et al., 1987). Im Jahr 1998 berichten Grün et al. über Datierungen von Zähnen, die das Alter der Fundstelle auf 410.000 Jahre erhöhen könnten.

Die Artefakte von Longtandong, zu der auch absichtlich abgeschlagene Backenzähne eines Nashorns gehören, konnten direkt mit den menschlichen Fossilien in Zusammenhang gebracht werden.

Neben den menschlichen Überresten stieß man während der Grabungsarbeiten auch auf zahlreiche Tierfossilien, die nach einer ersten Studie aus über 50 Arten bestehen und aus dem Pleistozän stammen. Sie sind deshalb wichtig, weil sie offensichtlich eine Mischung aus kälteangepassten nördlichen Säugetieren und eher tropischen Formen repräsentieren.


Literatur

  • Chen T, Yuan S, Guo S, and Hu Y (1987) Uranium series dating of fossil bones from the Hexian and Chaoxian human fossil sites. Acta Anthropologica Sinica 6:249-254.
  • Wu X, and Poirier FE (1995) Human evolution in China. Oxford: Oxford University Press.
  • Grün R., Huang P.-H., Huang W., McDermott E. Thorne A., Stringer C. B., Ge Y. 1998. ESR and U-series analyses of teeth from the palaeontological site of Hexian, Anhui Province, China. J. Hum. Evol. 34:555-564

Koordinaten

  • 26.993999° N, 102.208771° E von Henry Gilbert,
     

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