Grotte des Pigeons, Marokko

Fundort: Grotte des Pigeons, Taforalt, Region Oujda, Nordafrika, Marokko
Spezies: Homo sapiens
Geschätztes Alter: 82000 Jahre
Kultur: Atérien, Iberomarusien

Letzte Meldung:   Ein Festgelage vor 10.000 Jahren   –  Forschungen des Deutschen Archäologischen Instituts liefern neue Erkenntnisse zur Nahrungsproduktion frühneolithischer Jäger und Sammler am Göbekli Tepe in der Türkei....

Die Grotte des Pigeons ist eine Höhle bei Taforalt in der Region Oujda im Osten Marokkos und ein UNESCO Weltkulturerbe. Sie wurde im Jahr 1908 entdeckt und seitdem mehrmals archäologisch untersucht. Die Grotte des Pigeons gewährt immer wieder Einblicke in das Leben der ersten modernen Menschen in Afrika. Eine Begräbnisstätte wie auch Funde von Schmuck und Knochen erlegter Tiere belegen, dass die Höhle über lange Zeit genutzt wurde.

Die insgesamt etwa 10 m dicken Schichten reichen bis in das Atérien zurück und enthielten die Überreste von mehr als 180 Menschen des Iberomarusien in zwei Begräbniszonen. Bei Ausgrabungen im Jahr 2003 ist der bisher älteste, datierbare Schmuck der Menschheit gefunden worden: fingernagelgroße, perforierte und mit Ocker verzierte Nassarius-Muscheln.

Nur fingernagelgroße, perforierte und teilweise mit rotem Ocker verzierte Muscheln - so muss man sich den Schmuck unserer Vorfahren vorstellen. Die neu entdeckten Muscheln müssen, ausgehend von bereits datierten Muscheln aus höheren Sedimentschichten, die 82 000 Jahre alt sind, noch älter sein. Damit wäre der Schmuck bedeutend älter als die in der Blombos Höhle in Südafrika gefundenen Muscheln derselben Art, deren Alter von 72 000 Jahren belegt ist. Die ältesten Funde solcher Schmuckstücke in Europa sind gerade einmal 40 000 Jahre alt.

Besonders faszinierend an diesen Schmuckstücken ist die Tatsache, dass ähnliche Stücke in einer geographisch so weit entfernten Region gefunden wurden. Die seit 2005 an dem Projekt beteiligte Archäologin Dr. Elaine Turner vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum erklärt, dass das Alter der in Marokko gefundenen Muscheln nahe legt, dass Menschen schon vor mehr als 82 000 Jahren eine fortgeschrittene symbolische Kultur entwickelt hatten: Für sie war mehr von Bedeutung als nur den täglichen Überlebenskampf um Nahrung, Wasser und den Schutz vor Raubtieren.


Nassarius-Muscheln,-idw-online,380.jpg
Durchbohrte Nassarius-Muscheln.



Literatur

Koordinaten