Ehringsdorf, Deutschland

Fundort: Ehringsdorf, Weimar, Thüringen, Deutschland
Spezies: Homo neanderthalensis, Homo heidelbergensis
Geschätztes Alter: 275000 Jahre, Datierung basierend auf Uran/Thorium-Methode
Kultur: Mousterien

Letzte Meldung:   Mutter-Kind-Bindung vor 2 Millionen Jahren   –  Senckenberg-Wissenschaftler Ottmar Kullmer hat mit einem internationalen Team Zähne der ausgestorbenen Vormenschen-Art Australopithecus africanus in Hinblick auf die Nahrungsaufnahme im Kindesalter untersucht. Analysen der Zahnchemie zeigen, dass die Mütter der afrikanischen Homininen-Art ihre Kinder in den ersten 12 Lebensmonaten stillten und auch später – in Zeiten von Nahrungsknappheit – auf die Ernährung mit Muttermilch zurückgriffen. Die intensive, jahrelange Mutter-Kind-Bindung wird als eine der Ursachen für die geringe Nachkommen-Anzahl bei den Vormenschen gedeutet. Die Studie erscheint heute im renommierten Fachjournal „Nature“. ....

Ehringsdorf ist ein Ortsteil von Weimar in Thüringen. Gräber aus der Jungsteinzeit zeigen, dass Ehringsdorf zu den ältesten Siedlungsgebieten Thüringens gehört.

Die eigentliche Sensation - die Ehringsdorf weltberühmt machte - ist eine im Jahr 1925 gefundene Schädelkalotte eines jungen Erwachsenen, wahrscheinlich einer Frau.

Schon Ende 1907 stieß man beim Niederbringen eines Schachtes im Steinbruch Fischer auf eine Travertinschicht, die Holzkohle, Knochenfragmente und einige Geräte aus Feuerstein ans Licht brachte. Bald darauf wurde klar, dass man hier auf einen urzeitlichen Lagerplatz gestoßen war. In den Jahren 1908 bis 1913 fand man schließlich auch menschliche Überreste.



Im benachbarten Steinbruch Kämpfe fand man 1914 einen Unterkiefer, zwei Jahre später einen weiteren Unterkiefer und postcraniale Elemente sowie zwei obere Schneidezähne eines Kindes.

Der Fund der Schädelkalotte im Steinbruch Fischer zog 1927 und Anfang der 1950er Jahre Sprengungen im Dienste der Forschung nach sich. Im Verlauf des Abbaus konnten bislang aus dem Unteren Travertin tausende von Werkzeugen und Abschlägen aus Feuerstein geborgen werden, ebenso wie eine große Zahl an Tierknochen. Die Abdrücke von Pflanzen im Travertin sowie Überreste von Weichtieren und geologische Untersuchungen erlauben eine recht gute Rekonstruktion der Umgebung des Lagerplatzes.

Moderne Forschungs- und Datierungsmethoden ergaben für die Fundschicht ein Alter von 230.000 Jahren, somit wäre Ehringsdorf nur geringfügig jünger als der Schädel aus Steinheim, den man in der Regel als Homo heidelbergensis klassifiziert.

Fundstücke Nachfolgende Fotos © Human Evolution Research Center, (US-Lizenz Fair Use)

Homo neanderthalensis
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EHRINGSDORF 5

R. FEM

Homo neanderthalensis
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EHRINGSDORF 6

MAN (R. C-M3, L. I1-M3)

Homo neanderthalensis
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EHRINGSDORF 7-8

MAN (R. I1-P3, L. I1-I2, M2)

Homo neanderthalensis
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EHRINGSDORF H

CRA (calvarium)


Literatur

Koordinaten