Die Travnjane waren ein Teilstamm[1] des westslawischen Stammesverbandes der Abodriten und lebten bis 1000 an der mittleren Trave und im Lübecker Becken.

Die Travnjane werden ausschließlich in einer verfälschten Fassung der Großpolnischen Chronik (Chronica Poloniae Maioris) aus dem 14. Jahrhundert erwähnt.[2] Der Name des Stammes ist vom Siedlungsgebiet an der Trave abgeleitet. Hauptburg war der Ringwall von Pöppendorf, der vor dem Jahr 1000 aufgelassen wurde. Daneben befanden sich Ringwälle in Pansdorf, Feldhusen, Lockwisch, Bucu, Liubice und Klempau, die ebenfalls den Travnjane zugeordnet werden.[3] Der Teilstamm verlor ähnlich wie andere abodritische Teilstämme[4] vermutlich mit dem Verlust der Hauptburg seine Identität und ging in einem anderen Teilstamm, naheliegend hier in den Wagriern, auf. Das Stammesgebiet zählte in der Folge zu Wagrien.

Anmerkungen

  1. Wolfgang H. Fritze: Probleme der abodritischen Stammes- und Reichsverfassung und ihrer Entwicklung vom Stammesstaat zum Herrschaftsstaat in: Herbert Ludat (Hrsg.): Siedlung und Verfassung der Slawen zwischen Elbe, Saale und Oder, Gießen 1960, Seiten 141–219, hier S. 153 hält eine Selbstbezeichnung, eine Teilgruppe oder einem alten Teilstamm der Wagrier für möglich.
  2. Nominantur etiam a quodam fluvio, qui Trawna dicitur, unde Trawnanye sunt appellati, zitiert nach Friedrich Wigger: Des Bischofs Boguphal von Posen Nachrichten über Meklenburg In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Band 27 (1862), S. 124–130, hier S. 126.
  3. Burgenlandschaft der Travnjane nach Fred Ruchhöft: Vom slawischen Stammesgebiet zur deutschen Vogtei; die Entwicklung der Territorien in Ostholstein, Lauenburg, Mecklenburg und Vorpommern im Mittelalter. (Archäologie und Geschichte im Ostseeraum, Band 4), Rahden/Westf. 2008 ISBN 978-3-89646-464-4, Seite 86
  4. Vergleiche hierzu das Verschwinden der Bethenzer oder der Smeldinger

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