Themistokleia (griech. Θεμιστόκλεια, auch Aristokleia (Ἀριστοκλεία) oder Theokleia (Θεοκλεία); bl. 6. Jahrhundert v. Chr.) war eine Pythia am Tempel des Orakels in Delphi und eine Philosophin. In den antiken Quellen wird angegeben, dass sie eine Lehrerin der Philosophie des Pythagoras war. Diese Verbindung kann aber auch konstruiert sein, um in den Darstellungen zu Pythagoras eine Verbindung zur Philosophie am Delphischen Orakel und dem göttlichen Apollon zu konstruieren.[1] Wenn sie historisch war, wäre sie als eine der ersten Philosophinnen überliefert; ein Werk ist von ihr aber nicht erhalten geblieben.[2][3]

Leben

In der Biographie des Pythagoras in seinem Werk Über Leben und Lehren berühmter Philosophen zitiert Diogenes Laertios (3. Jahrhundert) eine Aussage des Aristoxenos (4. Jahrhundert v. Chr.), dass Themistokleia Pythagoras seine Morallehre gelehrt habe:

„φησὶ δὲ καὶ Ἀριστόξενος τὰ πλεῖστα τῶν ἠθικῶν δογμάτων λαβεῖν τὸν Πυθαγόραν παρὰ Θεμιστοκλείας τῆς ἐν Δελφοῖς.“

„Aristoxenus sagt, dass Pythagoras die meisten seiner moralischen Lehren von der delphischen Priesterin Themistokleia erhielt.“

Diogenes Laertios: Über Leben ...[4]

Porphyrios (233–305) nennt sie in seinem Leben des Pythagoras Aristokleia, obwohl es wenig Zweifel gibt, dass er sich auf dieselbe Person bezieht.[5] Porphyrios wiederholt die Angabe, dass sie die Lehrerin von Pythagoras war:

„He taught much else, which he claimed to have learned from Aristoclea at Delphi.“

Porphyrios, Kenneth Sylvan Guthrie (engl. Übersetzung): Life of Pythagoras[6]

Die Suda-Enzyklopädie aus dem 10. Jahrhundert nennt sie Theokleia und gibt an, dass sie die Schwester von Pythagoras war, aber diese Information entspringt wahrscheinlich einer Verfälschung und einem Missverständnis der Passage bei Diogenes Laertios.[7]

Nachleben

Judy Chicago widmete ihr eine Inschrift auf den dreieckigen Bodenfliesen des Heritage Floor ihrer 1974 bis 1979 entstandenen Installation The Dinner Party. Aufgrund des Fehlers in der Suda taucht sie sogar zweimal auf: Die mit dem Namen Aristoclea[8] und Theoclea[9] beschrifteten Porzellanfliesen sind dem Platz mit dem Gedeck für Aspasia zugeordnet.

Einzelnachweise

  1. Mary Ellen Waithe: Ancient Women Philosophers: 600 B.C.-500 A. D. Hrsg.: Mary Ellen Waithe (= History of Women Philosophers. Band 1). Springer Science & Business Media, Hamburg 1987, ISBN 978-90-247-3368-2, S. 11 (google.de).
  2. Kate Lindemann date=2014-12-18: Themistoclea of Delphi fl. 600 BCE Moral Philosophy. Society for the Study of Women Philosophers, Inc.. Abgerufen am 2. März 2021.
  3. Διογένης Λαέρτιος (Diogenes Laertios): ΠΥΘΑΓΟΡΑΣ (PYTHAGORAS). In: H. S. Long (Hrsg.): Βίοι καὶ γνῶμαι τῶν ἐν φιλοσοφίᾳ εὐδοκιμησάντων (Über Leben und Lehren berühmter Philosophen). 8. Buch. Oxford 1964, S. [8] (mikrosapoplous.gr).
  4. Gilles Ménage: The history of women philosophers. University Press of America, 1984, S. 48. (Originalausgabe 1690).
  5. Porphyrios und Kenneth Sylvan Guthrie (Übersetzung): Life of Pythagoras. 1920, S. [41] (tertullian.org).
  6. siehe Pythagoras, π3124, FN 25. Suda On Line. Abgerufen am 2. März 2021.: „This information suffers from a corruption in the text, arising from a misunderstanding of a source. Diogenes Laertius' passage actually reads, as the Suda does, Θεοκλείας ἀδελφῆς, but the whole remark is related to the legend of Pythagoras receiving his doctrine from a priestess in Delphi, whose name is Θεμιστόκλεια. Diogenes himself gives the correct information in a previous passage of the Life: cf. 8 παρὰ τῆς Θεμιστοκλείας τῆς ἐν Δελφοῖς.“
  7. Brooklyn Museum: Aristoclea. In: brooklynmuseum.org. Abgerufen am 2. März 2021.
  8. Brooklyn Museum: Theoclea. In: brooklynmuseum.org. Abgerufen am 2. März 2021.