Straton I. (auch Straton von Sidon; phönizisch Abdastart; † 358 v. Chr.) war von 376 bis 370 v. Chr. und von 361 bis 358 v. Chr. König der phönizischen Stadt Sidon.

Regentschaft

Ehrendekret zugunsten von Straton

Straton war zunächst Vasall unter dem persischen Großkönig Artaxerxes II. Für das Offenhalten der griechischen Handelswege nach Persien wurde er von Athen mit einem Dekret geehrt. Eine Datierung der Abfassung ist nicht möglich; das Dekret kann sowohl in der ersten als auch zu Beginn der zweiten Amtsperiode verfasst worden sein.

„Er (Straton) unterstützte sehr erfolgreich die athenischen Gesandten, die im Auftrag des athenischen Volkes zum persischen Großkönig reisten. In Antwort auf das, was Straton, der König von Sidon, an guten Dingen den Athenern zukommen lassen wird, erhält der König von Sidon für sich und seine Nachkommen den Status eines athenischen Proxenos. Dieser Erlass wird innerhalb der nächsten zehn Tage auf einer Marmorstele eingeschrieben werden und ist auf der Akropolis von Sidon anzubringen. Aufgrund dieser Inschrift erhält er (Straton) zukünftig 30 Drachmen von zehn Talenten.[1] Außerdem erhalten alle Bürger, die mit einer Erlaubnis des Königs nach Athen kommen, zur Ausübung des Handels ein Gastrecht. Alle die, die unter dieses Gastrecht fallen, dürfen nicht mit Steuern am Ort ihres Gastaufenthaltes belastet werden.“

Dekret zu Ehren von Straton[2]

Bündnisbruch

Im Verlauf der Satrapenaufstände brach Straton sein Bündnis und schloss sich im Jahr 359 v. Chr. Pharao Tachos an, der in einer Allianz mit Chabrias und Agesilaos gegen Artaxerxes II. vorging. Tachos, der während des Feldzuges von Nektanebos II. entmachtet wurde, soll nach seiner Flucht von Straton Asyl erhalten haben.[3] Im weiteren Verlauf der Satrapenaufstände starb Straton kurze Zeit später 358 v. Chr. etwa zeitgleich mit Nikokles, der ebenfalls gegen die persische Herrschaft revoltierte.

Der Sarkophag der weinenden Frauen. (Archäologisches Museum Istanbul)

Auf Straton I. folgte Tennes (Tabnit) als König von Sidon nach.

Sarkophag

Der sogenannte Sarkophag der weinenden Frauen, den 1887 Osman Hamdi Bey in der Königsnekropole von Sidon entdeckte, wurde vermutlich für den Leichnam König Stratons I. in Auftrag gegeben. Die Reliefs an den Seiten dieses im hellenistischen Stil gefertigten Werkes zeigen Frauen, die um den Tod des Königs trauern, woher auch der Name des Sarges rührt. Er ist heute im archäologischen Museum von Istanbul neben anderen Särgen sidonischer Könige zu sehen.

Literatur

  • Pierre Briant: From Cyrus to Alexander: A History of the Persian Empire. Eisenbrauns, Winona Lake 2002, ISBN 1-575-06031-0.
  • Phillip Harding: From the end of the Peloponnesian War to the battle of Ipsus. Cambridge University Press, Cambridge 1998, ISBN 0-521-29949-7
  • Amélie Kuhrt: The Persian Empire: A corpus of sources from the Achaemenid period, Bd. 1. Routledge, London 2007, ISBN 978-0-415-40910-0.
  • Robert Fleischer: Der Klagefrauensarkophag aus Sidon aus Istanbuler Forschungen, 34. (Tübingen, Ernst Wasmuth, 1983)

Einzelnachweise

  1. Dies entspricht 0,5 % der (Steuer)einnahmen.
  2. Phillip Harding: From the end of the Peloponnesian War to the battle of Ipsus. S. 56–57.
  3. Briant, From Cyrus to Alexander. S. 665.


Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Personenleiste“ ist nicht vorhanden.

Die News der letzten Tage

17.06.2022
Archäologie | Kultur
Neue Zeugnisse aus der Tempelstadt Heliopolis
Ein ägyptisch-deutsches Grabungsteam hat bei gerade abgeschlossenen Ausgrabungen im Nordosten Kairos bedeutende Zeugnisse aus der Geschichte der Tempelstadt Heliopolis gefunden.
14.06.2022
Wanderungen | Archäologie | Kultur
Die Römer brachten das Maultier mit
Erst die Römer brachten auch Maultiere im ersten Jahrhundert über die Alpen nach Norden, davor wurden in Mitteleuropa ausschließlich Pferde als Reittiere genutzt.
10.06.2022
Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Hirse in der Bronzezeit: Ein Superfood erobert die Welt
Bereits vor 3500 Jahren lebten die Menschen in einer globalisierten Welt.
09.06.2022
Genetik | Wanderungen | Homo sapiens
Das prähistorische Wallacea – ein genetischer Schmelztiegel menschlicher Abstammungslinien
Die Inseln Wallaceas im heutigen Ostindonesien wurden bereits vor langer Zeit von modernen Menschen besiedelt.
18.05.2022
Sprache | Primaten
Tierisch flexibel: Wie Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht.
17.05.2022
Paläoökologie | Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Zündeln vor 9.500 Jahren
Schon vor 9500 Jahren setzten die Menschen in Europa Brandrodung ein, um Land für sich nutzbar zu machen.
17.05.2022
Nach_der_Eiszeit | Archäologie | Kunst
Spektakuläre Deckengemälde im Tempel von Esna entdeckt
Deutsche und ägyptische Forscher haben im Tempel von Esna in Oberägypten eine Serie farbenprächtiger Deckenbilder freigelegt.