Runenstein von Istaby, Seite A

Der Runenstein von Istaby (DR 359; KJ 98) ist einer der vier Blekinger Runensteine mit einer Inschrift im älteren Futhark, der in Istaby in Blekinge in Schweden während der Vendelzeit (550–800 n. Chr.) aufgestellt worden ist. Der Runenstein wurde 1748 bei der namengebenden Ortschaft bei Sölvesborg erstmals beurkundet (ursprünglicher Standort). Der 1,8 m hohe Stein aus Granit ist auf zwei Seiten beschrieben und befindet sich heute in der Ausstellung des Staatlichen historischen Museums in Stockholm.

Runenstein Istaby, Seite B

Beschreibung

Der Istaby-Stein wird ins 7. Jahrhundert datiert. Er gehört zu den bedeutenden (idealtypischen) Runeninschriften der Übergangszeit von der älteren 24-typigen gemeingermanischen Runenreihe hin zur 16-typigen Reihe der Wikingerzeit. Eine Sonderheit in den Runen zeigt Istaby gegenüber den Inschriften von Gummarp, Stentoften und Björketorp darin, dass das orale, nicht-nasalierte /a/ mit und nicht mit vom Runenmeister geritzt wurde.

(A) (I) AfatzhAriwulafa (II) hAþuwulafzhAeruwuIaflz
(B) warAitrunAzþAiAz
  • Transliteration:
Afatz hAriwulafa hAþuwulafz hAeruwulafiz warAit runAz þAiAz
  • Übertragung:
„Haþuwulafz [PN Kampf-Wolf], Sohn des Hjǫruwulafz [PN Schwert-Wolf], ritzte diese Runen in Erinnerung an Haeriwulafz [PN Heer-Wolf]“[1]

Mit den Steinen von Stentoften und Gummarp ist der Istaby-Stein ein Zeugnis für die Setzung von Gedenksteinen einer regionalen Häuptlingsfamilie (Hövdingadöme). Die prägnanten zweigliedrigen Vornamen variieren im ersten Glied mit Bezügen zum Kampf- und Kriegswesen und zeigen im zweiten Glied einen lykophoren Bezug, das heißt die Bildung mit dem Gattungsnamen des Wolfs. Erst- oder Zweitgliedvariatonen innerhalb eines Geschlechts bzw. Sippe stellen in der Germania ein Stilmittel aristokratischer Namensgebung dar. Von den Blekinger Runensteine kann der Istabystein aus stilistischen Gründen als der älteste angesehen werden.

Siehe auch

Literatur

  • Thomas Birkmann: Von Ågedal bis Malt. Die skandinavischen Runeninschriften vom Ende des 5. bis Ende des 9. Jahrhunderts. (= Reallexikon der Germanischen Altertumskunde – Ergänzungsbände. Band 12). Walter de Gruyter, Berlin/ New York 1995, ISBN 3-11-014510-3, S. 114–120, 138–142.
  • Klaus Düwel: Runenkunde. 4., überarb. u. akt. Auflage. Metzler, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-476-14072-2, S. 42–44.
  • Wolfgang Krause, Herbert Jankuhn: Die Runeninschriften im älteren Futhark. (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Philosophisch-Historische Klasse. Folge 3, Nr. 65,1 (Text), Nr. 65,2 (Tafeln)). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1966.
  • Lena Peterson: Lexikon över urnordiska personnamn. Institut för språk och folkminnen, Uppsala 2004.
  • Olof Sundqvist, Anders Hultgård: The Lycophoric Names of the 6 to 7 Century Blekinge Rune Stones and the Problem of their Ideological Background. In: Astrid van Nahl, Lennart Elmevik, Stefan Brink (Hrsg.): Namenwelten. (= Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Band 44). Walter de Gruyter, Berlin/ New York 2004, ISBN 3-11-018108-8, S. 583–602.
  • Henrik WilliamsLister.§ 2. Runological. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 18, Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 3-11-016950-9, S. 509–512.

Weblinks

Commons: Runenstein von Istaby – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Elmer H. Antonsen: A Concise Grammar of the Older Runic Inscriptions. Niemeyer, Tübingen 1975, S. 84.