Der Kronoshügel in Olympia

Das Orakel von Olympia war ein antikes Orakel in Olympia, das Zeus Olympios, dem höchsten der olympischen Götter, gewidmet war. Es befand sich an einer Erdspalte am Fuß des Kronoshügels. Die Seher des Orakels wurden vor allem in Fragen des Krieges befragt, da Zeus als Lenker der Kriege galt.

Geschichte

In der antiken Literatur wird das Orakel nur beiläufig erwähnt, nur Pindar und Strabon nennen es als wesentlichen Bestandteil des Kults in Olympia. Pindar beschreibt in seinen Olympischen Oden die mythische Herkunft des ersten Orakelpriesters Iamos und die Einrichtung des Orakels am Aschealtar des Zeus auf Geheiß von Iamos' Vater Apollon.[1] Strabon berichtet, dass das Heiligtum Olympia seine Bekanntheit ursprünglich dem Orakel zu verdanken habe und erst später durch die Olympischen Spiele berühmt wurde.[2]

Orakeldienst

Der Orakeldienst wurde nach Pindar vom Geschlecht der Iamidai ausgeführt, die als Abkommen des Iamos galten. Inschriftlich sind als Sehergeschlecht die Nachkommen des Klytios, die Klytiadai, bezeugt, sodass Cicero zu der Annahme gelangen konnte, beide Geschlechter würden den Orakeldienst gemeinsam verrichten.[3] Herodot nennt neben den Iamidai das Geschlecht der Telliadai,[4] während Flavius Philostratos drei Geschlechter annimmt.[5]

Der einzige überlieferte Bericht eines Orakeldienstes in Olympia selbst stammt aus dem frühen 4. Jahrhundert von Xenophon, der eine Befragung des spartanischen Königs Agesilaos schildert. Agesilaos habe sich versichern wollen, ob er einen angebotenen Waffenstillstand der Argiver ablehnen könne und erhielt als Antwort, dass dies statthaft sei. Bevor er seine Truppen angreifen ließ, befragte er zur Absicherung das Orakel von Delphi, wo er die gleiche Antwort bekam.[6]

Als Grund für die seltene Erwähnung in der antiken Literatur wird die Besonderheit des Orakels angenommen, dass der Orakeldienst losgelöst vom Orakelort verrichtet werden konnte.[7] Die olympischen Seher zogen mit den Feldherren auf das Schlachtfeld, wo sie den Zeitpunkt des Angriffs bestimmten oder Ratschläge zu taktischen Manövern erteilten. Nach den historisch nur eingeschränkt zuverlässigen Berichten Herodots waren die olympischen Seher in der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends nahezu überall anwesend, wo Griechen eine Schlacht schlugen, als historisch gesichert gilt ihre Anwesenheit unter anderem auf Seiten der Athener in der Schlacht von Plataiai 479 v. Chr. oder auf Seiten der Spartaner in der Schlacht bei Aigospotamoi 405 v. Chr.[8]

Weihegaben

Zeustempel von Olympia (Rekonstruktion um 1900)

Im Zeustempel fanden sich zahlreiche inschriftlich an Zeus gerichtete Votivgaben aus der Zeit vom 8. bis zum 5. Jhdt. v. Chr., die meist aus erbeuteten Waffen und Rüstungen bestehen und als Tropaia aufgestellt wurden.[9] Daneben wurden zum Dank für den erfolgreichen Kriegsverlauf Statuen des Zeus oder der Nike gestiftet, auch der Tempel selbst sowie die darin befindliche Zeusstatue des Phidias stammten laut den Fremdenführern, denen Pausanias folgte, aus der Beute eines Krieges, den die Eleer gegen Pisa geführt haben sollen.[10] Pausanias berichtet zudem von zahlreichen weiteren Stiftungen abseits des Zeustempels, darunter neben mehreren Statuen von verschiedenen Poleis auch Bauwerke wie das von den Makedonen gestiftete Philippeion oder die Schatzhäuser am Nordrand der Altis.

Literatur

  • Ulrich Sinn: Olympia. Die Stellung des Wettkampfes im Kult des Zeus Olympios. In: Nikephoros 4, 1991, S. 31–54.
  • Ulrich Sinn: Das antike Olympia. Götter, Spiel und Kunst. C. H. Beck, München 2004, ISBN 3406515584, S. 59–61.
  • Nigel Spivey: The Ancient Olympics. Oxford University Press, Oxford 2005, ISBN 0192806041, S. ?.

Einzelnachweise

  1. Pindar Olympische Ode 6, 27–73.
  2. Strabon 8, 3, 30.
  3. Cicero De divinatione 1, 41.
  4. Herodot 9, 38, 1.
  5. Flavius Philostratos Vita Apollonii 5, 25.
  6. Xenophon Hellenika 4, 7, 2.
  7. Ulrich Sinn: Das antike Olympia. S. 59–60.
  8. Ulrich Sinn: Das antike Olympia. S. 60–61.
  9. Holger Baitinger: Waffen und Bewaffnung aus der Perserbeute in Olympia. In: Archäologischer Anzeiger 1999, S. 125–139.
  10. Pausanias 5, 10, 2.

Die News der letzten Tage

17.06.2022
Archäologie | Kultur
Neue Zeugnisse aus der Tempelstadt Heliopolis
Ein ägyptisch-deutsches Grabungsteam hat bei gerade abgeschlossenen Ausgrabungen im Nordosten Kairos bedeutende Zeugnisse aus der Geschichte der Tempelstadt Heliopolis gefunden.
14.06.2022
Wanderungen | Archäologie | Kultur
Die Römer brachten das Maultier mit
Erst die Römer brachten auch Maultiere im ersten Jahrhundert über die Alpen nach Norden, davor wurden in Mitteleuropa ausschließlich Pferde als Reittiere genutzt.
10.06.2022
Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Hirse in der Bronzezeit: Ein Superfood erobert die Welt
Bereits vor 3500 Jahren lebten die Menschen in einer globalisierten Welt.
09.06.2022
Genetik | Wanderungen | Homo sapiens
Das prähistorische Wallacea – ein genetischer Schmelztiegel menschlicher Abstammungslinien
Die Inseln Wallaceas im heutigen Ostindonesien wurden bereits vor langer Zeit von modernen Menschen besiedelt.
18.05.2022
Sprache | Primaten
Tierisch flexibel: Wie Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht.
17.05.2022
Paläoökologie | Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Zündeln vor 9.500 Jahren
Schon vor 9500 Jahren setzten die Menschen in Europa Brandrodung ein, um Land für sich nutzbar zu machen.
17.05.2022
Nach_der_Eiszeit | Archäologie | Kunst
Spektakuläre Deckengemälde im Tempel von Esna entdeckt
Deutsche und ägyptische Forscher haben im Tempel von Esna in Oberägypten eine Serie farbenprächtiger Deckenbilder freigelegt.