Reste des eisenzeitlichen Ringwalls um die Milseburg
Rekonstruktion des eisenzeitlichen Ringwalls am Fuße der Milseburg
Reste der eisenzeitlichen Siedlung an der Milseburg
Das vermutliche Torhaus an der Milseburg
Digitales Reliefbild des Geländes um die Milseburg

Das Oppidum Milseburg ist eine stadtähnliche Siedlungsanlage (Oppidum) aus der Eisenzeit auf dem Berg Milseburg auf der Gemarkung westlich des Ortsteiles Danzwiesen der Gemeinde Hofbieber in Richtung des benachbarten Ortsteiles Kleinsassen, im Landkreis Fulda in der Rhön.

Geschichte und Anlage des Oppidums Milseburg

Die Ringwallanlage auf der Milseburg war in der Eisenzeit besiedelt. Sie entstand wohl gegen Ende der Hallstattzeit und war bis zur späten Latènezeit, also bis ins 1. Jahrhundert v. Chr. bewohnt.[1] Die Anlage umschließt eine Fläche von über 35 ha. Sie war mit einer an der Nord-, Ost- und Südseite errichteten, ca. 1300 m langen und bis zu 12 m breiten Mauer, einer Art Holzkastenkonstruktion, befestigt. Die nordöstlichen Abschnitte des Walls wurden beim Bau der Rhönbahn in den Jahren 1886–1889 weitgehend zerstört, weil sie als Steinbruch dienten. Die Westseite blieb zum Teil unbefestigt, da die zum Biebertal abfallenden Steilwände hier eine natürliche Befestigung darstellen. Des Weiteren existieren zwei Annexwälle von ca. 65 bzw. 85 m Länge, die eine Quelle schützen.

Das Oppidum war durch drei Tore zugänglich, von denen nur eines auch für Fuhrwerke geeignet war, da die anderen einen zu steil angelegten Zugang darstellen.

Die Milseburg liegt im Randbereich der keltischen Welt.

Reste und Grabungsgeschichte des Oppidums

Ende des 19. Jahrhunderts wurden erste Reste des eisenzeitlichen Oppidums entdeckt. Der Heimatforscher Joseph Vonderau (1863–1951), der Kasseler Museumsdirektor Johannes Boehlau und sein Assistent, der Bibliothekar W. Lange haben zwischen 1899 und 1906 zahlreiche Siedlungsspuren ausgegraben. Sie entdeckten neben Werkzeugen und (wenigen) Waffen aus Eisen große Mengen von Keramik. Die Funde seiner Ausgrabungen befinden sich heute im Vonderau Museum in Fulda und vor allem im Hessischen Landesmuseum in Kassel.

Heute ist von der einst bedeutenden Siedlung außer dem verfallenen keltischen Ringwall an der Ost- und Südost-Seite des Bergfußes der Milseburg und zahlreichen Terrassierungen (ehemalige Wohnpodien) für den Laien wenig erkennbar. 2003 und 2004 haben nach knapp 100 Jahren wieder Ausgrabungen auf der Milseburg stattgefunden. Leiter der archäologischen Arbeitsgruppe war bis zu seinem Tod zu Beginn des Jahres 2004 der Fuldaer Kreis- und Stadtarchäologe Matthias Müller. Jüngste Grabungen unter Fuldas Stadt- und Kreisarchäologen Frank Verse und Grabungsleiterin Ulrike Söder vom vorgeschichtlichen Seminar der Philipps-Universität Marburg förderten unter anderem Schmuck und eine Tonscherbe mit Granitbeschichtung zu Tage. Vergleichbare Keramiken sind aus Süddeutschland und Böhmen bekannt. Die Funde sind als Importgut infolge von weitreichenden Austauschbeziehungen zu sehen.[2][3]

Literatur

  • Fritz-Rudolf Herrmann, Matthias Müller: Die Milseburg in der Rhön. Führungsblatt zu dem keltischen Oppidum bei Hofbieber-Danzwiesen, Kreis Fulda. (= Archäologische Denkmäler in Hessen. Heft 50). Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden 1985, Nachdruck 1994, ISBN 3-89822-050-8.
  • Ulrike Söder, Manuel Zeiler: Oppida Celtica I – Die Milseburg. Vorgeschichtliches Seminar der Philipps-Universität Marburg, Marburg 2012, ISBN 978-3-8185-0503-5.
  • A. Thiedmann, U. Söder: Die Milseburg bei Hofbieber-Danzwiesen. Neue Forschungen zur vorgeschichtlichen Höhensiedlung in der Rhön, Landkreis Fulda, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-89822-168-9. 20 Seiten

Weblinks

Commons: Oppidum Milseburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Norman Zellmer: Neue Puzzleteile der Geschichte: Tag der offenen Grabung an der Milseburg. In: Fuldaer Zeitung, 16. August 2014, abgerufen am 9. Februar 2017.
  2. Ausgrabungen auf der Milseburg bringen Relikte aus der Zeit der Kelten ans Licht. In: FuldaerZeitung.de. 5. August 2015, abgerufen am 6. September 2019.
  3. Norman Zellmer: Milseburg-Siedlung ist älter als bisher angenommen. In: Fuldaer Zeitung. 29. August 2014, abgerufen am 9. Februar 2017.

Koordinaten: 50° 32′ 48,1″ N, 9° 53′ 46,7″ O

Die News der letzten Tage

17.05.2022
Sprache | Primaten
Schimpansen kombinieren Rufe zu einer Vielzahl von Lautsequenzen
Verglichen mit dem menschlichen Sprachgebrauch erscheint Tierkommunikation einfach, doch unklar blieb bisher, wie sich unsere Sprache aus einem so einfachen System entwickelt haben könnte.
12.05.2022
Genetik | Nach_der_Eiszeit | Wanderungen
Genetische Herkunft der ersten Bauern der Welt geklärt
Der genetische Ursprung der ersten Ackerbauern im Neolithikum schien lange Zeit im Nahen Osten zu liegen.
12.05.2022
Gehirn
Das bewusstlose Gehirn ist alles andere als stumm
Die Grosshirnrinde gilt als zentrale Hirnregion für bewusste Verarbeitung: Während einer Vollnarkose wird dieser Bereich jedoch nicht lahmgelegt.
12.05.2022
Genetik | Erdgeschichte
Der Ursprung des Lebens: Eine neue Weltsicht
Chemiker schlagen ein neues Konzept vor, eine Mischung aus RNA-Molekülen und Peptiden brachten die Evolution hin zu komplexeren Lebensformen in Gang.
10.05.2022
Aufrechter Gang | Gehirn | Australopithecus
Schwierige Geburt und kognitive Fähigkeiten des Menschen sind Folge des aufrechten Ganges
Beim Menschen ist die Geburt schwieriger und schmerzhafter als bei Menschenaffen: Lange nahm man an, dass dies auf das grosse Gehirn und die engen Verhältnisse im mütterlichen Becken zurückgeht.
05.05.2022
Sprache | Gehirn | Kultur
Wie unser Gehirn die Veränderung von Sprache beeinflusst
Unsere Sprache verändert sich ständig: Wissenschafter*innen haben herausgefunden, dass jene Lautmuster, die häufig in unserer Sprache vorkommen, über Jahrhunderte hinweg noch häufiger wurden.