Oren Rozen / CC BY-SA 3.0

Nachal Mischmar


Bronzezepter aus dem Schatzfund von Nachal Mischmar, Israel-Museum, Jerusalem

Nachal Mischmar (hebräisch:נחל משמר; arabisch:مَحْرَس) ist ein Tal am Toten Meer. Es liegt ungefähr auf halben Weg zwischen En Gedi und Masada.

Bei einer Expedition der Hebräischen Universität Jerusalem im Jahr 1960 wurden in Höhle Nr. 1 drei Papyri, eines davon in hebräischer/aramäischer, eines in griechischer Schrift, und ein drittes sowohl aramäisch wie griechisch beschriebenes gefunden. Schriftvergleiche legen eine Datierung in die Zeit des Bar-Kochba-Aufstandes nahe. Es dürfte sich dabei, ebenso wie bei den Schriftfunden im Nachal Ze’elim, um Vertragstexte oder Zensus-Listen handeln. Die Höhle wurde als Scouts' Cave bezeichnet.

In einer zweiten Expedition im März 1961 stießen die Archäologen in derselben Höhle zunächst auf Funde aus der Römerzeit, darunter auch Tonscherben, Textilien und Halbedelsteine. Dann in einer geräumigen Grube hinter einem dicken Felsbrocken entdeckten sie einen sensationellen Kupferhortfund, der 6000 Jahre unbeachtet worden war: einen Schatz von 442 Gegenständen, die sorgfältig in Binsenmatten gehüllt waren und der Kultur des Ghassuliens zuzurechnen ist. Es fanden sich 429 Kupferobjekte, sechs bestanden aus Hämatit, eines aus Stein, eines aus Elfenbein und fünf aus Flusspferdelfenbein. Die Kupferobjekte wogen allein 140 Kilogramm, für einen Einzelfund eine sehr große Menge. Die Höhle wurde danach umbenannt in Cave of the Treasure.

Anhand von 14C-Daten von Proben an der Binsenmatten, wird der Schatz auf etwa 3500 v. Chr. und somit in die Kupfersteinzeit datiert.

Viele der Kupferobjekte sind in komplexen Gussformen aus verlorenem Wachs hergestellt worden, was auf ein noch nicht erkanntes Vorstadium technischer Fertigkeiten schließen lässt. Die prachtvollsten Stücke, die Kronen, Standarten, Zepter und Keulenköpfe, sind aus der hellen, silbrig schimmernden Arsenkupfer gegossen. Ein hoher Anteil an Arsen im Kupfer führt einerseits zu besonders gute Gießeigenschaften und lässt andererseits das Metall härter werden. Sie gehören damit zu den ältesten bekannten Objekten in dieser Technik und gelten weltweit als Spitzenleistung des Chalkolithikums. Und der spektakuläre Beweis, wie perfekt die Menschen im Vorderen Orient die Technik der Kupferverarbeitung beherrschten. Die schlichteren Arbeitsgeräte (wie die Flachbeile) sind aus fast reinem Kupfer gefertigt. Möglicherweise stammt ein Teil des Kupfers dieser Funde aus den Bergbauregionen am Wadi Araba (Timna, Fenan).

Es wird vermutet, dass es sich um einen Tempelschatz handelte, der dort versteckt worden war. Bei En Gedi wurde ein Tempel aus dieser Zeit ausgegraben, aus dem die Objekte stammen könnten. Dies ist jedoch nur eine Vermutung.

Literatur

  • Pessaḥ Bar-Adon: Expedition C - The Cave of the Treasure. In: Israel Exploration Journal 12 (1962), S. 215-226, Tafeln 35-42.
  • Pessaḥ Bar-Adon: The Cave of the Treasure: the Finds From the Caves in Naḥal Mishmar. Israel Exploration Society, Jerusalem 1980.
  • Hannah M. Cotton: 1Mish papList of Names and Account gr. In: James Charlesworth u. a. (Hrsg.): Discoveries in the Judaean Desert 38. Miscellaneous Texts from the Judaean Desert. Oxford 2000, S. 201-204, Tafel XXXII.
  • Baruch Lifshitz: The Greek Documents from Naḥal Ṣeelim and Naḥal Mishmar. In: Israel Exploration Journal 11 (1961), S. 53-62, Tafel 23.

Weblinks

31.38093611111135.364347222222Koordinaten: 31° 22′ 51″ N, 35° 21′ 52″ O


Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages

Elemente:

,

21.11.2020
Manche mögen‘s heiß: Globale Erwärmung als Motor für Evolution der Langhalssaurier
Ein internationales Paläontologen-Team, zu dem auch SNSB-Forscher Oliver Rauhut gehört, findet Belege für einen raschen Klimawandel vor 180 Million...
11.11.2020
Der Popa-Langur: ein neu entdeckter Affe aus Asien
Erbgutanalysen, unter anderem an hundert Jahre altem Museumsexemplar, erlauben Einblick in die Evolutionsgeschichte der Haubenlanguren.
03.11.2020
Neanderthaler-Mütter stillten nach fünf bis sechs Monaten ab
Als Grund für das Aussterben der Neanderthaler vermuten einige Forscher, dass die damaligen Mütter ihre Säuglinge lange stillten und die Säuglinge...
31.10.2020
Populationsgeschichte der Hunde deckt sich nur teilweise mit der des Menschen
Wissenschaftler haben die Genome von bis zu 10.900 Jahre alten Hunden untersucht und zeigen, dass die Populationsgeschichte der prähistorischen Hunde...
30.10.2020
Denisovaner-DNA im Erbgut früher Ostasiaten
Forschende des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und der Mongolischen Akademie der Wissenschaften haben das Genom des ältesten me...
24.10.2020
Bissspuren und ausgefallene Zähne bringen Licht ins Fressverhalten von Dinosauriern
Forscherteam der Universität Tübingen untersucht 160 Millionen Jahre alten Fressplatz im Nordwesten Chinas.
22.10.2020
Kognitive Bausteine der Sprache existierten schon vor 40 Millionen Jahren
Nicht nur Menschen, sondern auch Affen und Menschenaffen erkennen Regeln in komplexen sprachlichen Konstruktionen. Dies haben Sprachwissenschaftler du...
21.10.2020
Mehr noch als Fleisch und Milch
Stabile Isotopendaten von Menschen- und Tierknochen zeigen eine sehr effektive Nutzung des vielfältigen Nahrungsangebots im nördlichen Kaukasus und ...
18.10.2020
Madagaskar: Mensch und Klima verursachten Massenaussterben
Die gesamte endemische Megafauna Madagaskars und der östlich davon gelegenen Inselkette der Maskarenen, zu der Mauritius und Rodrigues zählen, wurde...
17.10.2020
Chemische Evolution - Am Anfang war der Zucker
Der Ursprung allen Lebens liegt in organischen Molekülen. Doch wie sind diese aus anorganischen Stoffen entstanden? Der LMU-Chemiker Oliver Trapp ber...
14.10.2020
Der moderne Mensch kam auf Umwegen nach Europa
Klimatische Bedingungen leiteten die geographische Ausbreitung von Homo sapiens in der Levante vor 43.000 Jahren.
12.10.2020
Reiter wetteiferten vor 3000 Jahren um die ältesten Lederbälle Eurasiens
Wissenschaftler haben in Gräbern von Reitern in Nordwest-China die ältesten Bälle Eurasiens untersucht. Gemäss dem internationalen Forscherteam so...
08.10.2020
Forscher rekonstruieren Käfer aus der Kreidezeit
Ein internationales Forscherteam hat vier neu gefundene Exemplare der fossilen Käfer Mysteriomorphidae mithilfe der Computertomographie untersucht un...
01.10.2020
Jagdverhalten säbelzahntragender Raubtiere erforscht
Ein internationales Team von Forschenden aus dem Vereinigten Königreich und Spanien sowie unter Beteiligung vom Museum für Naturkunde in Berlin, unt...
25.09.2020
Vor 120.000 Jahren: Älteste sicher datierte Nachweise von Menschen auf der arabischen Halbinsel
Unter Verwendung hochauflösender paläoökologischer Informationen, die aus versteinerten Fußabdrücken gewonnen wurden, präsentiert eine neue, in ...
25.09.2020
Neandertaler haben männliches Geschlechtschromosom vom modernen Menschen übernommen
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Martin Petr und Janet Kelso vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipz...
21.09.2020
Versteinerte Bäume im Thüringer Wald: Forscherteam entschlüsselt fossile Mikrowelten
Paläontologen des Museums für Naturkunde Chemnitz und der TU Bergakademie Freiberg führen aktuell in Manebach bei Ilmenau wissenschaftliche Grabung...
21.09.2020
Auch Schimpansen leiden ein Leben lang, wenn sie im Kindesalter die Mutter verlieren
Der Tod eines Elternteils ist für ein Kind traumatisch und Waisenkinder leiden häufig für den Rest ihres Lebens unter diesem Verlust – ein verzö...
21.09.2020
Älteste Spermien der Welt
In einem Bernstein entdeckte ein internationales Team von Paläontologen im Inneren eines weiblichen Muschelkrebses 100 Millionen Jahre alte Riesenspe...
17.09.2020
Schimpansenverhalten und -kultur sind in variabler Umwelt am vielfältigsten
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und dem Deutschen Zentrum für integrat...
15.09.2020
Weinpresse aus der Eisenzeit gibt Aufschluss über Bautechnik der Phönizier
Forschungsteam der Universität Tübingen entdeckt seltenen Nachweis der frühen Weinherstellung an der Ausgrabungsstätte Tell el-Burak im Libanon.
09.09.2020
Die älteste Neandertaler-DNA Mittelosteuropas
Ein internationales Team berichtet in einer neuen Studie über das älteste mitochondriale Genom eines Neandertalers aus Mittelosteuropa. Das aus eine...
09.09.2020
Das letzte Zucken der Eiszeit
Ein internationales Team von Forschenden blickt präzise wie nie in das Ende der letzten Eiszeit. Wann und wo genau die Jüngere Dryaszeit begann und ...
03.09.2020
Milchverträglichkeit hat sich in wenigen Tausend Jahren in Mitteleuropa verbreitet
Paläogenetiker der Johannes Gutenberg-Universität Mainz finden nur in wenigen Knochen vom bronzezeitlichen Schlachfeld an der Tollense Hinweise auf ...
03.09.2020
Himmelsscheibe von Nebra wird neu datiert
Bisher galt die Himmelsscheibe von Nebra als frühbronzezeitlich und damit als älteste Himmelsdarstellung der Welt. Archäologen der Goethe-Universit...