Muckleshoot


Die Muckleshoot sind ein im US-Bundesstaat Washington lebender indianischer Stamm, der sich als Muckleshoot Indian Tribe bezeichnet. Dessen Angehörige sprechen einen Dialekt der südwestlichen Küsten-Salish und leben am Puget Sound und den angrenzenden Flüssen der Kaskadenkette. Dieses Gebiet wird die Muckleshoot Usual & Accustomed Area genannt. Sie sprachen traditionell Whulshootseed (xwəlšucid), eine lokale Ausprägung des Lushootseed, wobei Revitalisierungsprogramme begonnen wurden. Die Muckleshoot, deren Name auf eine als Buklshuhls bezeichnete Gruppe zurückgeht, lebten ursprünglich am White River, ihr Wohngebiet erstreckte sich von Kent ostwärts bis zu den Bergen und wohl auch bis zum Green River. Ihnen gehörten vermutlich die Sekamish und Smulkamish am White River und die Skopamish am oberen Green River an.

Die meisten der über 3.000 Muckleshoot leben heute in der 15,871 km² großen Muckleshoot Reservation zwischen White und Green River am Highway 164 und zwischen den Städten Auburn und Enumclaw. Enumclaw erstreckt sich weit in das Reservat, in dem im Jahr 2000 genau 3.606 Bewohner gezählt wurden.

Geschichte

Wie bei allen Küsten-Salish, so gliederte sich die Gesellschaft in drei Gruppen, in den erblichen Adel, die Hauptgruppe der einfachen Stammesangehörigen und in Sklaven - im Allgemeinen Kriegsgefangene.

Der Lachs stand im Zentrum der Fischerei, dazu kamen Jagd und Sammeln. Die Western Red Cedar (Riesen-Lebensbaum) versorgte sie mit Holz für Kanus, Fasern für Kleidung, Planken für Häuser und vieles mehr. Getrockneter Lachs war ein wichtiges Handelsgut und wurde weit ins Hinterland verfrachtet.

Im Gegensatz zu den meisten Küsten-Salish-Gruppen lebten sie nicht am Puget Sound sondern im Hinterland des riesigen Fjords. Von dort jagten sie Bergziegen, aus deren Haar sie Decken und Kleidung herstellten. Diese Jagdgebiete teilten sie sich mit den Klickitat, mit denen sie genauso verwandt waren, wie mit den Puyallup.

Erste Kontakte mit Weißen

Wie viele Angehörige der pazifischen Völker, so wurden auch die Muckleshoot um 1800 von schweren Epidemien dezimiert.

Die Verträge von 1854 und 1856

Im Puget-Sound-Krieg (1855-1856) schlossen sich die späteren Muckleshoot unter ihren Häuptlingen Kitsap und Nelson mit anderen Stämmen zusammen, und waren in das White-River-Massaker vom 28. Oktober 1855 verwickelt, bei dem acht Weiße umgebracht wurden. Sie mussten jedoch nach der Niederlage gegen US-amerikanische Truppen in eine kleine Reservation ziehen, die ihnen nach den Verträgen von Point Elliott und Medicine Creek (26. Dezember 1854) zugesprochen wurde. Zunächst lebten sie im Nisqually-Reservat, wurden jedoch 1857 in einer Gegend namens Muckleshoot Prairie angesiedelt. Entsprechend diesem Reservatsnamen nahmen die nun dort lebenden Angehörigen der Stakamish (Ihre Zahl wurde 1854 auf 30 geschätzt, der Völkerkundler George Gibbs kam zu dem gleichen Ergebnis), Yilalkoamish, Skopahamish (beide 50), Smulkamish (50 bzw. 8) und Tkwakwamish nach und nach den Namen Muckleshoot an. Eine katholische Kirche wurde, wie in vielen Reservaten, errichtet.

Im Laufe der Zeit wurde auch eine Anzahl Mitglieder anderer Stämme, wie Duwamish und Snoqualmie, in den Muckleshoot-Stamm aufgenommen; das gilt auch für einige Tulalip und Suquamish. Die Bezeichnung Muckleshoot tauchte erst 1868 in einem offiziellen Dokument zur Bezeichnung der Bewohner des gleichnamigen Reservats auf.[1] Eine der Gruppen, aus denen der Muckleshoot-Stamm hervorging, waren die Skopamish oder Green River Indians, die vor Einrichtung des Reservats am mittleren Green River gelebt hatten. Eine weitere Gruppe waren die Smulkamish, die um das heutige Enumclaw gelebt hatten. Dazu kamen die Skekomish oder Stakamish bzw. White River Indians, die in die Port Madison Reservation zogen.

Wichtige Dörfer der Muckleshoot waren das aus 17 Häusern bestehende Yeslaco am Zusammenfluss von Green River und Suice Creek, dann Quiats am Green River und Cublokum am Boise Creek, das aus einem einzigen, sehr langen Haus bestand.

Das Muckleshoot-Reservat bei Auburn hat 32 km lange Grenzen. Seine Ausdehnung wurde erst 1874 genau festgelegt, wobei es eine Fläche von 3.532,72 Acre umfasst. Im Laufe der Zeit wurde sie von Farmen umgeben. Dazu kommt eine wachsende Verstädterung, vor allem von Seattle her, im westlichen Teil der Reservation. Die Stadt versechsfachte ihre Bevölkerungszahl zwischen 1890 und 1910, wobei zunächst die Goldfunde mit ihren Zuwanderungswellen dominierten, Zuwanderer und Durchreisende, die auf die lokalen Verhältnisse wenig Rücksicht nahmen

Die Skopamish zählten 222 im Jahr 1863 und die Smulkamish etwa 183 im Jahr 1870. Für 1907 wurden die Muckleshoot auf 780 Angehörige geschätzt. 1937 meldete das United States Office of Indian Affairs jedoch nur 194 registrierte Indianer dieses Stammes.

Selbstregierung

Der Stamm gab sich eine Verfassung, die am 21. Oktober 1936 ratifiziert wurde. Damit wurde der Stammesrat inauguriert (Muckleshoot Indian Tribal Council), der aus neun gewählten Mitgliedern bestand, und in den jährlich drei neue Mitglieder gewählt werden. Er schuldete dem General Counsel Rechenschaft, der aus allen Erwachsenen des Stammes bestand. Somit verfügte der Muckleshoot Tribal Council über die gesamte Bandbreite der Regierungsdienstleistungen für die Reservation. Für die Enteignung ihres traditionellen Gebiets erhielten die Muckleshoot keine Ausgleichszahlungen, doch 1959 befand ein Gericht, dass dennoch ein Ausgleich von 86.377 Dollar für ihr Gebiet gezahlt werden sollte.

In den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts kämpften die Muckleshoot neben anderen Stämmen in den so genannten „Fish Wars“ um ihre Fischereirechte. Durch die Entscheidung des Richters Boldt (Boldt Decision), die dem Stamm ein gemeinsames Management der Fischressourcen im King County einräumte, und vor allem den gewohnten Zugang gestattete, gewannen sie Mitspracherechte auch außerhalb ihres winzigen Reservats. Ein eigenes Natural Resources Department wurde eingesetzt.

Es befinden sich zwei Kirchen im Reservat, eine katholische und eine der auf John Slocum zurückgehenden Indian Shaker Church.

1989 zählte der Stamm 2.963 Mitglieder.

Aktuelle Situation

Verstädterung und Industrialisierung nahmen wenig Rücksicht auf die Lebensgrundlagen des Stammes, vor allem auf den Lachs. Um ihre ökonomische Situation dennoch zu verbessern, eröffneten die Muckleshoot ein Casino in Auburn, das Muckleshoot Indian Casino. Mit den Einnahmen konnten Teile des Landes zurückgekauft werden.

Die schulische Bildung bis hin zum College führt der Stamm inzwischen auf eigenem Gebiet durch, seit 2008 verfügen die Muckleshoot über eine neue, eigene Bibliothek, die sie für 4 Millionen Dollar erbaut haben.[2] Damit ist sie die nach der in der Suquamish Reservation bei Kingston errichteten Kitsap Regional Library die zweite Bibliothek auf Stammesgebiet im King County. Seit Anfang 2005 verfügt der Stamm über ein eigenes Krankenhaus.

Vom 31. Juli bis zum 5. August 2007 war der Stamm erstmals Gastgeber der InterTribal Canoe Journey, einer Versammlung zahlreicher Indianer aus dem Westen der USA und aus Kanada zwischen Oregon und dem nördlichen British Columbia, die per Kanu anreisten, um an die Handelsfahrten und die engen Beziehungen zwischen den Küstenstämmen zu erinnern und sie aufzufrischen. Diese Einrichtung wurde von Emmett Oliver, einem 89-jährigen Quinault mit dem Paddle to Seattle 1989 initiiert.

Siehe auch

Literatur

  • Wayne Suttles (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Bd. 7: Northwest Coast. Smithsonian Institution Press, Washington D.C. 1990, ISBN 0-87474-187-4
  • Robert H. Ruby/John A. Brown: A Guide to the Indian Tribes of the Pacific Northwest, University of Oklahoma Press 1992, S. 139-142.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Robert H. Ruby/John A. Brown: A Guide to the Indian Tribes of the Pacific Northwest, University of Oklahoma Press 1992, S. 140.
  2. Sie befindet sich am Highway 164, westlich der Southeast 400th Street, unweit des Muckleshoot Tribal College. Vgl. [Mike Archbold: It’s a Muckleshoot tribal library – but anyone can use it, in: the news tribune.com http://www.thenewstribune.com/news/local/story/418495.html].

Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages

Elemente:

,

02.03.2021
Wie sind Hunde nach Amerika gekommen?
Forscher analysierten das mitochondriale Genom des Hundes und kamen zu dem Schluss, dass das Tier zu einer Linie von Hunden gehörte, deren Entwicklungsgeschichte bereits vor 16.700 Jahren von der der sibirischen Hunde abwich.
18.02.2021
Neandertaler-Gene und Covid-19 Verläufe
Letztes Jahr entdeckten Forscher, dass wir den wichtigsten genetischen Risikofaktor für einen schweren Verlauf der Krankheit Covid-19 vom Neandertaler geerbt haben.
29.01.2021
Als Flüsse durch eine grüne Sahara flossen
Große Teile der heutigen Sahara-Wüste waren vor Tausenden von Jahren grün.
29.01.2021
Beweglicher Daumen ebnete den Weg zur menschlichen Kultur
Präzise Greifen und grazilere Werkzeuge herstellen: Vor rund zwei Millionen Jahren verschaffte ihre bessere Feinmotorik den ersten Menschen einen evolutionären Vorteil
23.01.2021
Befreundete Schimpansen kämpfen gemeinsam gegen Rivalen
Menschen kooperieren in großen Gruppen miteinander, um Territorien zu verteidigen oder Krieg zu führen.
21.01.2021
Über 18.000 Funde: Forschungsgrabung in Untermaßfeld abgeschlossen
Seit vier Jahrzehnten wird in der thüringischen Wirbeltierfundstelle Untermaßfeld regelmäßig ausgegraben.
21.01.2021
Was das Genom des Lungenfischs über die Landeroberung der Wirbeltiere verrät
Das vollständig sequenzierte Genom des Australischen Lungenfisches ist das größte sequenzierte Tiergenom und hilft, den Landgang der Wirbeltiere besser zu verstehen – Evolutionsbiologen der Universität Konstanz sind maßgeblich beteiligt
21.01.2021
Alte DNA gibt Aufschluss über die Besiedlung der Marianeninseln
Im Vergleich zur Erstbesiedlung Polynesiens hat die Besiedlung der Marianen im Westpazifik vor etwa 3.500 Jahren bisher nur wenig Beachtung gefunden.
21.01.2021
Asiatische Gewürze erreichten den Mittelmeerraum vor mehr als 3000 Jahren
Der LMU-Archäologe Philipp Stockhammer fand Hinweise über asiatische Gewürze wie Kurkuma und Früchte wie die Banane im Mittelmeerraum schon viel früher als bislang gedacht.
10.12.2020
Fossilien zeigen Folgen der Ozeanerwärmung auf
Forschende aus Berlin und Großbritannien haben die ökologischen Auswirkungen einer raschen und ungewöhnlich intensiven Phase der Klimaerwärmung während der Jurazeit vor etwa 182 Millionen Jahren auf die Meeresfauna erforscht.
03.12.2020
Das älteste “Ortsnamenschild” der Welt
Wissenschaftler der Universität Bonn haben zusammen mit dem Ägyptischen Antikenministerium das älteste Ortsnamenschild der Welt entschlüsselt.
30.11.2020
Der Popa-Langur: ein neu entdeckter Affe aus Asien
Erbgutanalysen, unter anderem an hundert Jahre altem Museumsexemplar, erlauben Einblick in die Evolutionsgeschichte der Haubenlanguren.
25.11.2020
Treue Paare im Regenwald
Rote Springaffen verzichten auf Seitensprünge.
24.11.2020
Manche mögen‘s heiß: Globale Erwärmung als Motor für Evolution der Langhalssaurier
Ein internationales Paläontologen-Team, zu dem auch SNSB-Forscher Oliver Rauhut gehört, findet Belege für einen raschen Klimawandel vor 180 Millionen Jahren als Ursache für die Ausbreitung der weithin bekannten Langhalssaurier (Sauropoden).
03.11.2020
Neanderthaler-Mütter stillten nach fünf bis sechs Monaten ab
Als Grund für das Aussterben der Neanderthaler vermuten einige Forscher, dass die damaligen Mütter ihre Säuglinge lange stillten und die Säuglinge so nicht früh genug vielfältige Nährstoffe für eine Höherentwicklung des Gehirns erhielten.
31.10.2020
Populationsgeschichte der Hunde deckt sich nur teilweise mit der des Menschen
Wissenschaftler haben die Genome von bis zu 10.900 Jahre alten Hunden untersucht und zeigen, dass die Populationsgeschichte der prähistorischen Hunde sich nur teilweise mit der des Menschen deckt.
30.10.2020
Denisovaner-DNA im Erbgut früher Ostasiaten
Forschende des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und der Mongolischen Akademie der Wissenschaften haben das Genom des ältesten menschlichen Fossils, das bis jetzt in der Mongolei gefunden wurde, analysiert: Die 34.000 Jahre alte Frau hatte rund 25 Prozent ihrer DNA von Westeurasiern geerbt.
24.10.2020
Bissspuren und ausgefallene Zähne bringen Licht ins Fressverhalten von Dinosauriern
Forscherteam der Universität Tübingen untersucht 160 Millionen Jahre alten Fressplatz im Nordwesten Chinas.
22.10.2020
Kognitive Bausteine der Sprache existierten schon vor 40 Millionen Jahren
Nicht nur Menschen, sondern auch Affen und Menschenaffen erkennen Regeln in komplexen sprachlichen Konstruktionen. Dies haben Sprachwissenschaftler durch Experimente mit einer künstlichen Grammatik herausgefunden. Daraus lässt sich schliessen, dass diese Fähigkeit auf gemeinsame Vorfahren zurückgeht.
21.10.2020
Mehr noch als Fleisch und Milch
Stabile Isotopendaten von Menschen- und Tierknochen zeigen eine sehr effektive Nutzung des vielfältigen Nahrungsangebots im nördlichen Kaukasus und den vorgelagerten Steppen durch bronzezeitliche Viehhalter im heutigen Süden Russlands.
18.10.2020
Madagaskar: Mensch und Klima verursachten Massenaussterben
Die gesamte endemische Megafauna Madagaskars und der östlich davon gelegenen Inselkette der Maskarenen, zu der Mauritius und Rodrigues zählen, wurde im vergangenen Jahrtausend ausgerottet.
17.10.2020
Chemische Evolution - Am Anfang war der Zucker
Der Ursprung allen Lebens liegt in organischen Molekülen. Doch wie sind diese aus anorganischen Stoffen entstanden? Der LMU-Chemiker Oliver Trapp berichtet über einen Reaktionsweg, bei dem sich Zucker an Mineralien ohne Wasser bilden.
14.10.2020
Der moderne Mensch kam auf Umwegen nach Europa
Klimatische Bedingungen leiteten die geographische Ausbreitung von Homo sapiens in der Levante vor 43.000 Jahren.
12.10.2020
Reiter wetteiferten vor 3000 Jahren um die ältesten Lederbälle Eurasiens
Wissenschaftler haben in Gräbern von Reitern in Nordwest-China die ältesten Bälle Eurasiens untersucht.
08.10.2020
Forscher rekonstruieren Käfer aus der Kreidezeit
Ein internationales Forscherteam hat vier neu gefundene Exemplare der fossilen Käfer Mysteriomorphidae mithilfe der Computertomographie untersucht und weitestgehend rekonstruieren können. Die Ergebnisse lassen Rückschlüsse auf die Evolution der Arten während der Kreidezeit zu.