Marcia († 114 v. Chr.) war ein Mitglied des altrömischen Geschlechts der Marcier und eine Vestalin. Vielleicht war sie die Tochter des Stadtprätors von 144 v. Chr., Quintus Marcius Rex. 115 v. Chr. wurde ein Gerichtsverfahren gegen mehrere Vestalinnen, die des crimen incesti angeklagt waren, durchgeführt. Zu den Angeklagten gehörten neben der verurteilten Aemilia auch Licinia und Marcia, doch wurden die letzteren beiden am Ende des Jahres zunächst von den Pontifices freigesprochen. Daraufhin wurde auf Antrag des Volkstribunen Sextus Peducaeus der für seine Rigorosität bekannte Konsul von 127 v. Chr., Lucius Cassius Longinus Ravilla, vom Volk zum außerordentlichen Untersuchungsrichter in einem weiteren, 114 v. Chr. durchgeführten Prozess ernannt. Ravilla dehnte die Schuldzuerkennung nun auf Licinia und Marcia aus, obwohl letztere das Gelöbnis der Keuschheit nur durch das Verhältnis zu einem einzigen Mann verletzt haben sollte. Über beide Vestalinnen wurde das Todesurteil verhängt. Darüber hinaus verurteilte Ravilla die Verführer der Frauen und weitere Personen.[1] Der Althistoriker Friedrich Münzer vermutet hinter dem Prozess politische Motive.[2]

Literatur

  • Friedrich Münzer: Marcius 114). In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XIV,2, Stuttgart 1930, Sp. 1601 f.

Anmerkungen

  1. Einige der über den Vestalinnenprozess von 115/14 v. Chr. berichtenden antiken Autoren (u. a. Cassius Dio, Buch 26, Fragment 87, 1-5; Livius, periochae 63; Asconius Pedianus, Kommentar zu Cicero, Pro T. Annio Milone, p. 39f. ed. Stangl) geben Marcias Namen explizit an, andere Autoren (z. B. Iulius Obsequens 37) erwähnen ihn hingegen nicht.
  2. Friedrich Münzer: Marcius 114). In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XIV,2, Stuttgart 1930, Sp. 1602.

Die News der letzten Tage

17.06.2022
Archäologie | Kultur
Neue Zeugnisse aus der Tempelstadt Heliopolis
Ein ägyptisch-deutsches Grabungsteam hat bei gerade abgeschlossenen Ausgrabungen im Nordosten Kairos bedeutende Zeugnisse aus der Geschichte der Tempelstadt Heliopolis gefunden.
14.06.2022
Wanderungen | Archäologie | Kultur
Die Römer brachten das Maultier mit
Erst die Römer brachten auch Maultiere im ersten Jahrhundert über die Alpen nach Norden, davor wurden in Mitteleuropa ausschließlich Pferde als Reittiere genutzt.
10.06.2022
Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Hirse in der Bronzezeit: Ein Superfood erobert die Welt
Bereits vor 3500 Jahren lebten die Menschen in einer globalisierten Welt.
09.06.2022
Genetik | Wanderungen | Homo sapiens
Das prähistorische Wallacea – ein genetischer Schmelztiegel menschlicher Abstammungslinien
Die Inseln Wallaceas im heutigen Ostindonesien wurden bereits vor langer Zeit von modernen Menschen besiedelt.
18.05.2022
Sprache | Primaten
Tierisch flexibel: Wie Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht.
17.05.2022
Paläoökologie | Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Zündeln vor 9.500 Jahren
Schon vor 9500 Jahren setzten die Menschen in Europa Brandrodung ein, um Land für sich nutzbar zu machen.
17.05.2022
Nach_der_Eiszeit | Archäologie | Kunst
Spektakuläre Deckengemälde im Tempel von Esna entdeckt
Deutsche und ägyptische Forscher haben im Tempel von Esna in Oberägypten eine Serie farbenprächtiger Deckenbilder freigelegt.