Elisabeth (Lis) Jacobsen, geborene Rubin, (* 29. Januar 1882 in Kopenhagen; † 18. Juni 1961 in Hellerup) war eine dänische Philologin, Archäologin und Autorin. Sie ist in erster Linie für ihre Forschungen und Veröffentlichungen zur Geschichte der dänischen Sprache bekannt, aber sie war auch eine erfahrene Runologin, die eine umfassende Analyse aller bekannten Runeninschriften in Dänemark veröffentlichte. Ab 1911 spielte Jacobsen eine wichtige Rolle auf allen Gebieten der Forschung über die dänische Sprache.[1][2]

Leben

Jacobsen wuchs als Tochter von Marcus Rubin (1854–1923), Direktor der dänischen Nationalbank, und seiner Frau Kaja Davidsen (1854–1909) in einer wohlhabenden jüdischen Familie auf.[1] Nach dem Abitur an der N. Zahles Skole im Jahr 1900 absolvierte sie 1903 eine Ausbildung zur Lehrerin. Im selben Jahr heiratete sie den Historiker Jacob Peter Jacobsen (* 1869). Ihr Mann starb bereits 1918 an Tuberkulose und hinterließ ihr zwei jugendliche Töchter, von denen eine taub geboren worden war.[2]

1904 begann sie ein Studium der skandinavischen Philologie an der Universität Kopenhagen, wo sie 1907 für ihren Aufsatz Naar og hvorledes har det fællesnordiske Sprog spaltet sig i forskellige Grene („Wann und wie sich die gemeinsame nordische Sprache in verschiedene Zweige aufspaltete“) die Goldmedaille der Universität erhielt. Nach ihrem Magisterabschluss 1908 promovierte sie 1910 als erste Frau Dänemarks in nordischer Philologie mit einer Arbeit mit dem Titel Studier til det danske Rigssprogs Historie fra Eriks Lov til Chr. III.s Bibel („Studien zur Geschichte der dänischen Sprache von Eriks Lov bis zur Bibel von Christian III.“)[1][3] Als sie erkannte, dass die weitere Erforschung der dänischen Sprache aufgrund des Fehlens geeigneter Texte und Wörterbücher an ihre Grenzen stieß, gründete sie 1911 mit Unterstützung von Kristian Erslev und Carl S. Petersen die „Gesellschaft für dänische Sprache und Literatur“ (Det danske sprog- og litteraturselskab, DSL), die sie bis 1931 leitete und bei der sie danach als Geschäftsführerin fungierte. Die DSL gewann durch die Veröffentlichung zahlreicher Werke Jacobsens an Bedeutung.[2][3]

In Zusammenarbeit mit Harald Juul-Jensen (1982–1949) organisierte Jacobsen die Herausgabe eines umfassenden dänischen Wörterbuchs, Ordbog over det danske Sprog, das von 1919 bis 1956 in 28 Bänden erschien. Aufgrund ihres Interesses an Runen veröffentlichte sie 1942 mit Unterstützung der Carlsberg-Stiftung und in Zusammenarbeit mit Erik Moltke Danmarks Runeindskrifter („Dänemarks Runeninschriften“), ein dreibändiges Werk mit Beschreibungen, Fotografien aller erhaltenen Runensteine, Abbildungen zerstörter Runensteine, sofern vorhanden, Karten und einem Index.[3]

Nach dem Zweiten Weltkrieg organisierte und initiierte Jacobsen weitere wichtige Werke, darunter Nordisk Kultur und Kulturhistorisk Leksikon for nordisk Middelalder („Enzyklopädie des mittelalterlichen Skandinavien“), das 1979 fertiggestellt wurde. 1952 begann sie mit der Arbeit an dem populären Nudansk Ordbog („Wörterbuch des modernen Dänisch“) und 1957 an dem Synonymordbogen (Synonymwörterbuch).

Im Jahr 1928 wurde sie mit dem Wissenschafts- und Kulturpreis Tagea Brandts Rejselegat ausgezeichnet.

Lis Jacobsen starb 1961 und ist in Sindbjerg bei Vejle begraben.[3]

Werke

Eine Bibliographie mit ihren Werken befindet sich in einer 1952 ihr zu Ehren herausgegebenen Festschrift.[4]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Inge Lise Pedersen: Lis Jacobsen (1882 - 1961) (dänisch) Kvinfo. Abgerufen am 2. November 2021.
  2. 2,0 2,1 2,2 Magarita Díaz-Andreu und Marie Louise Stig Sorensen: Excavating Women: A History of Women in European Archaeology. Routledge, London 2005, ISBN 978-1-134-72775-9, S. 214 ff. (google.com).
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 Lis Jacobsen (dänisch) Den Store Danske: Dansk Biografisk Leksikon. Abgerufen am 3. November 2021.

Die News der letzten Tage

17.06.2022
Archäologie | Kultur
Neue Zeugnisse aus der Tempelstadt Heliopolis
Ein ägyptisch-deutsches Grabungsteam hat bei gerade abgeschlossenen Ausgrabungen im Nordosten Kairos bedeutende Zeugnisse aus der Geschichte der Tempelstadt Heliopolis gefunden.
14.06.2022
Wanderungen | Archäologie | Kultur
Die Römer brachten das Maultier mit
Erst die Römer brachten auch Maultiere im ersten Jahrhundert über die Alpen nach Norden, davor wurden in Mitteleuropa ausschließlich Pferde als Reittiere genutzt.
10.06.2022
Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Hirse in der Bronzezeit: Ein Superfood erobert die Welt
Bereits vor 3500 Jahren lebten die Menschen in einer globalisierten Welt.
09.06.2022
Genetik | Wanderungen | Homo sapiens
Das prähistorische Wallacea – ein genetischer Schmelztiegel menschlicher Abstammungslinien
Die Inseln Wallaceas im heutigen Ostindonesien wurden bereits vor langer Zeit von modernen Menschen besiedelt.
18.05.2022
Sprache | Primaten
Tierisch flexibel: Wie Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht.
17.05.2022
Paläoökologie | Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Zündeln vor 9.500 Jahren
Schon vor 9500 Jahren setzten die Menschen in Europa Brandrodung ein, um Land für sich nutzbar zu machen.
17.05.2022
Nach_der_Eiszeit | Archäologie | Kunst
Spektakuläre Deckengemälde im Tempel von Esna entdeckt
Deutsche und ägyptische Forscher haben im Tempel von Esna in Oberägypten eine Serie farbenprächtiger Deckenbilder freigelegt.