Ruinen des Klosters

Das Kloster Lindisfarne ist ein ehemaliges Kloster auf der Insel Lindisfarne vor der Nordost-Küste Englands in der Grafschaft Northumberland.

Das angelsächsische Kloster

Im Jahr 635 gründeten schottische Mönche unter Führung von St. Aidan auf der auch Holy Island genannten Insel Lindisfarne eine Abtei. Fortgeführt wurde sie vom Heiligen Cuthbert, der auch der erste Bischof von Lindisfarne wurde. Nach dessen Tod wurden die Lindisfarne Gospels, ein Evangelienbuch, angefertigt (bis ungefähr 715–721), und das Kloster wurde zu einem Wallfahrtsort. Bald war Lindisfarne ein Zentrum der keltischen Klosterkultur, eine Stätte des Glaubens, der Kunst und der Gelehrsamkeit, berühmt durch seine Schreibschule. Von der Insel aus trieben die Mönche die Christianisierung Englands voran, gerieten dabei jedoch bald in Konflikt mit unmittelbar vom Papst beauftragten römischen Missionaren. Der iroschottische Konvent verließ nach der Synode von Whitby das Kloster.[1]

Am 8. Juni 793 wurde Lindisfarne von Wikingern überfallen. Dieser Überfall markiert den Beginn der Wikingerzeit, obwohl es bereits 742 den Angriff auf das piktische Burghead Fort und 787 auf Dorset in Südengland gegeben hatte. 793 war Bischof Higbald im Kloster Lindisfarne im Amt (781–803).

Im Jahr 875 verließ Bischof Eardulf mit den Mönchen aus Furcht vor weiteren Wikingerüberfällen das Kloster auf Lindisfarne. Sie nahmen die sterblichen Überreste der Heiligen Cuthbert, Aidan, Eadberht, Eadfrith, Æthelwald und das Book of Lindisfarne mit.

Das zweite Kloster

Kirchenruine und Pfarrkirche
Das Innere der Klosterkirche im Jahr 1797. Gemälde von Thomas Girtin

Erst 1069–1090 kehrten für kurze Zeit Benediktinermönche zurück. Im 12. Jahrhundert wurde auf der Insel neben den Resten des alten ein neues Kloster gegründet. Am Ort des ursprünglichen Klosters steht heute die Pfarrkirche St. Mary, die im 12. Jahrhundert etwa gleichzeitig mit der neuen Abteikirche errichtet wurde.[2]

Zunächst vor allem mit dem Königreich Schottland verbunden, wurde Lindisfarne 1296 von Eduard I. erobert und in der Folge zu einer englischen Grenzfestung ausgebaut. 1385 baten die Mönche Richard II. um Schleifung der Befestigungsanlagen, da sie bisher für die Kosten der königlichen Garnison aufkommen mussten. Das Kloster selber genoss trotz der Grenzlage einigen Wohlstand und wurde weiter ausgebaut.

Verfall

1536 wurde das Kloster aufgelöst, aber nicht abgerissen. Die Insel wurde 1542–1545 mit Erdwerken erneut zur Festung ausgebaut.

Im 18. Jahrhundert entstand touristisches Interesse an dem Kloster. Die Gebäude waren wohl äußerlich noch intakt, bis 1820 der Vierungsturm einstürzte. Trotz beginnender Anstrengungen des privaten Besitzers der Liegenschaft, das Gebäude zu erhalten, stürzte in den 1850er Jahren auch die Westfassade ein. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Ausgrabungen und Sicherungsarbeiten durchgeführt.[3]

Der Lindisfarne Stone

Der Lindisfarne Stone (auch Viking Domesday stone genannt) wurde wahrscheinlich errichtet, um an die Opfer des Wikingerüberfalls auf das Kloster im Jahr 793 zu erinnern. Das erhaltene Fragment ist nur das Oberteil des ursprünglichen Steins und zeigt auf der Rückseite sieben Waffen schwingende Gestalten, die die Wikinger darstellen sollen, die das Kloster angriffen. Die andere Seite wird als „Tag des jüngsten Gerichts“ verstanden.

Siehe auch

  • Liste der Bischöfe von Durham

Dokumentarfilme

  • Raubzug gegen Kloster Lindisfarne. (= Die Wikinger – Fakten und Legenden. Folge 3). 44 Min. Ein Film von Jeremy Freeston. Vereinigtes Königreich 2018.[4][5]

Weblinks

Commons: Lindisfarne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Jennifer Wenner: Die frühchristliche Mission auf den britischen Inseln und ihr Einfluss auf den Kontinent. In: Erbe und Auftrag, Jg. 94 (2018), S. 248–259, hier S. 256.
  2. Saint Mary’s Parish Church, Holy Island (Memento vom 23. Juli 2013 im Internet Archive)
  3. http://www.english-heritage.org.uk/visit/places/lindisfarne-priory/history/
  4. Raubzug gegen Kloster Lindisfarne (The First Raid Of The Vikings). In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 11. November 2021.
  5. Die Wikinger: Raubzug gegen Kloster Lindisfarne. In: ZDF.de. Abgerufen am 11. November 2021.

Koordinaten: 55° 40′ 9″ N, 1° 48′ 3″ W

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