Bullenwächter / CC BY 3.0

Kragenflasche aus dem Archäologisches Museum Hamburg

Die Kragenflasche (schwed. etwas präziser als Kraghalsflaska bezeichnet) taucht innerhalb eines Fundzusammenhanges oft als Unikat primär in Abhandlungen über die neolithische Trichterbecherkultur (TBK) oder deren parallelen Kulturen auf. Die in der Regel in Megalithanlagen intakte (bei parallel massenweise zerscherbter Keramik) gefundene Flasche, ist beinahe eine Leitform dieser Kulturen. Auf Siedlungsplätzen kommen meist Scherben von Kragenflaschen vor. Einzelne dickwandige, grobe und unverzierte Flaschen wurden in dänischen Mooren gefunden. Die Kragenflasche ist, insbesondere aufgrund ihrer Verbreitung, eine der rätselhaftesten Erscheinungen.

Verbreitung

Das Zentrum der Verbreitung liegt im westlichen Ostseegebiet, auf den dänischen Inseln, und im Weser-Ems-Gebiet. Kragenflaschen haben sich entlang von Elbe, Oder und Weichsel nach Mitteleuropa verbreitet.

Mittel- und Nordeuropa

Frankreich

  • Frankreich; Ausreißer hat es in die Bretagne und die Normandie verschlagen, wo sie, wie in der nordischen Megalitharchitektur (3500-2800 v. Chr.) innerhalb der Megalithanlagen an der Kanalküste erscheinen. Wobei unklar ist wann und wie sie hierher gelangten.

Osteuropa

Merkwürdigerweise verschmäht die Kragenflaschen laut Knöll (1981, 11). die Nordseeküste und das Gezeitenareal der Vlaardingen-Kultur im Rheinmündungsgebiet.

Form

Kleines, kugelig-flaschenartiges, oft dünnwandiges Gefäß mit flachem Boden, schmalem Hals und ringartiger Halskrause. Durchschnittlich etwa 14 cm hoch und 11 cm breit. Der bauchige Körper kann rund oder doppelkonisch geformt sein, eventuell auch durch einen Schulterumbruch gegliedert werden. Der enge Hals wird etwa in der Mitte seiner Länge durch einen Ring unterbrochen, der von außen angesetzt oder von innen aus dem Hals herausgedrückt wurde. Dieser "Kragen" gab dem Gefäß seinen Namen. Vorbild für die Kragenflaschen könnten in Ton umgesetzte bereits zuvor versteifte Tierblasenbehältsnisse sein, wie mitunter Rippen oder Ritzlinien auf dem Rundkörper deutlich machen. Dieser "Bauch" ist häufig auch mit Strichen, Fransen, Punkten, Kreuzen, Leiterbändern oder Schnurabdrücken verziert. Die Auskragung kann ebenfalls bemustert sein, desgleichen kommen Randkerben am Gefäß vor. Im Südosten des Verbreitungsgebietes schmücken sich Randgruppen dieser Spezies auch mit Henkeln oder Füßen.

Nutzung

Da der enge Hals keine Reinigung des Innenraums zuließ, werden die Flaschen kaum mehrfach genutzt worden sein. Der Fund einer mit Schwefel gefüllten Kragenflasche aus der Siedlung Gellenerdeich (Oldenburg, Niedersachsen) weist auf eine Verwendung als Kult- oder Medizinfläschchen hin. Schwefel wurde noch im Altertum als Medizin bei Krankheiten und statt Weihrauch zum Räuchern bei kultischen Handlungen benutzt (vergl. Hinweise der christl. Kirche auf den Geruch von Schwefelverbindungen im Kontext der Verteufelung heidnischer Kulte). Der ehemals flüssige Inhalt anderer Kragenflaschen bestand aus pflanzlichen Ölen. Mit einem Stöpsel verschlossen, konnten die Kragenflaschen zur Aufbewahrung kostbarer Flüssigkeiten dienen.

Dolmen und Erdgräber, die eine Einzelbestattung zum Inhalt hatten, beherbergten meist nur eine Kragenflasche. In Gräbern, die wiederholt zur Niederlegung von Toten errichtet wurden, können mehrere Kragenflaschen auftauchen, z.B. wurden in Dötlingen in Oldenburg gleich die Reste von 27 Kragenflaschen in verschiedenen Verfüllungsschichten entdeckt. Eine Verbindung zum Kult liegt nicht nur in der Nähe zur Medizin, sondern allgemein in der Tatsache, dass Kragenflaschen (wohl stets mit Inhalt) zum Grabinventar gehörten und oft die einzige erhaltene Beigabe darstellten; dies nur als Indiz dafür, welche Bedeutung den Kragenflaschen bzw. ihrem Inhalt beigemessen wurde.

Literatur

  • Knöll, Heinz 1981: Kragenflaschen. Ihre Verbreitung und ihre Zeitstellung im europäischen Neolithikum. In: Offa Bücher 41, Neumünster 1981

Weblinks

  • [1] mit Bild einer Kragenflasche

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