Die Kiewer Kultur (ocker) im 3./4. Jahrhundert. Graulila: baltische Kulturen mit Grenzen des häufigen (Doppelband) und sporadischen (Doppelpunkt-Strich-Band) Auftretens baltischer Hydronyme, grün: finno-ugrische Kulturen, schwarze Schrift: iranische Stämme, graue Schrift: sonstige Kulturen und Stämme mit Expansion der Goten (grauer) und Hunnen (brauner Pfeil). Karte des Linguarium-Projektes der Lomonossow-Universität.[1]

Die Kiewer Kultur war eine archäologische Kultur des 2. bis 5. Jahrhunderts auf dem Gebiet der heutigen Ukraine, Russlands und Weißrussland.

Verbreitungsgebiet

Das Verbreitungsgebiet erstreckte sich über die Oblaste Kiew, Tschernihiw und Sumy in der Ukraine, Homel und Mahiljou in Weißrussland und Kursk, Brjansk, Pskow[2] bis Samara[3] in Russland.

Die Kultur ist benannt nach einem Fundort bei Kiew.

Sie grenzte im Norden an die baltische Strichkeramik- und die Dnjepr-Dwina-Kultur, im Westen an die germanische Przeworsk-Kultur und im Süden an die ebenfalls germanische Tschernjachow-Kultur.

Entstehung

Die Kiewer Kultur entstand aus der Sarubinzy-Kultur unter Einflüssen der Strichkeramikkultur und der Przeworsk-Kultur.

Wirtschaft

Ackerbau (eiserne Sicheln) und Viehzucht waren hauptsächliche Ernährungsgrundlagen. Das Handwerk war entwickelt, die Keramik einfach (weniger differenziert als bei der vorangegangenen Sarubinzy-Kultur).

Es gab Funde aus römischer Herkunft (Schmuck, Bronzepinzetten, Münzen).

Siedlungen

Die Siedlungen lagen in der Nähe von Flüssen, manchmal auf Anhöhen und waren unbefestigt. Sie bestanden auf ca. 0,5 – 2 ha (in Einzelfällen 6 – 8 ha) aus wenigen Häusern. Die Häuser waren in die Erde eingetieft (0,4 – 1,2 m) mit einer Fläche von 8 bis 24 m² und rechteckig oder ebenerdig mit einer Holzpfostenkonstruktion und Fensteröffnungen errichtet.

Bestattungskultur

Leichenbrand wurde in runden oder ovalen Gräbern (in 0,2 – 0,6 m Tiefe) neben den Häusern in Urnen bestattet. Die Beigaben waren spärlich.

Veränderungen

Nach dem Einfall der Hunnen entstehen Mitte des 5. Jahrhunderts die Penkowka-Kultur und die Kolotschin-Kultur, die größere Territorien umfassten.

Sie war wahrscheinlich eine Vorläuferin der frühen ostslawischen Gruppen. Mit ihrer allmählichen Expansion begann die Ausbreitung ostslawischer Sprachen in Osteuropa unter Assimilation der Vorbewohner.

Weblinks

Anmerkungen

  1. In leicht vergrößerter und veränderter Variante hier auf der Website von Linguarium zu finden.
  2. A. G. Furasjew, Über die Rolle der Migration bei der Ethnogenese der frühen Slawen, 2009 online
  3. D. A. Staschenkow, Über ein frühes Datum der Imenkow-Kultur online (Memento des Originals vom 26. August 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.alabin.ru