Keku-semau in Hieroglyphen
N3F36N35A

Keku-semau
Kkw-sm3w
Geballte Finsternis
Darkness.png
Keku-semau als „geballte Finsternis“

Keku-semau bezeichnet in der altägyptischen Mythologie und Astronomie die Region der Finsterniszonen außerhalb der geschaffenen Welt. Insbesondere ist damit der Bereich vom Ort der „ewigen Finsternis“ bis hinein in die „Ur-Finsternis“ gemeint.

Hintergrund

Die Keku-semau wird als „oberer Himmel“ verstanden, in welchem die Gottheit Nun beheimatet ist. Der obere Himmelsbereich beginnt nach dem Verlassen der Randzone Reteh-qabet. In dieser Ur-Finsternis befinden sich weder Sterne noch andere Himmelskörper, sondern nur die Dunkelheit, in welcher nur „die Urgewässer des Nun“ existieren.

Im Nutbuch wird die Keku-semau als Region beschrieben, in der die vier Himmelsrichtungen ihre Bedeutung verlieren, da es „der Ort ohne Richtungen ist“:[1]

„Grenzen nach Süden, Norden, Westen und Osten sind (in Keku-semau) unbekannt. Diese sind im Nun festgemacht. Der Ba erhebt sich dort nicht. Jenes Land ist den Göttern und Verklärten unbekannt. Es ist überhaupt kein Licht dort. Jeder Ort ist leer von Himmel und leer von Erde. Das ist die gesamte Duat.“

Nutbuch, Sethos-Schrift

Die mythologischen Vorstellungen der Ägypter kommen der modernen Auffassung des Weltalls sehr nahe, die besagen, dass dort die altbekannten Dimensionen der Erde, mit der Eingrenzung auf die drei Dimensionen Länge, Breite und Höhe, ihre alleinige Gültigkeitsdefinition verloren haben.[2]

Literatur

  • Alexandra von Lieven: Grundriss des Laufes der Sterne – Das sogenannte Nutbuch. The Carsten Niebuhr Institute of Ancient Eastern Studies (u. a.), Kopenhagen 2007, ISBN 978-87-635-0406-5

Einzelnachweise

  1. Vgl. Hellmut Brunner In: Wolfgang Röllig: Das hörende Herz – Kleine Schriften zur Religions- und Geistesgeschichte Ägyptens -, Universitäts-Verlag, Freiburg 1988, ISBN 3-7278-0567-6, S. 356–358.
  2. Vgl. Alexandra von Lieven: Grundriss des Laufes der Sterne – Das sogenannte Nutbuch. The Carsten Niebuhr Institute of Ancient Eastern Studies (u. a.), Kopenhagen 2007, ISBN 978-87-635-0406-5, S. 141.

Die News der letzten Tage

17.06.2022
Archäologie | Kultur
Neue Zeugnisse aus der Tempelstadt Heliopolis
Ein ägyptisch-deutsches Grabungsteam hat bei gerade abgeschlossenen Ausgrabungen im Nordosten Kairos bedeutende Zeugnisse aus der Geschichte der Tempelstadt Heliopolis gefunden.
14.06.2022
Wanderungen | Archäologie | Kultur
Die Römer brachten das Maultier mit
Erst die Römer brachten auch Maultiere im ersten Jahrhundert über die Alpen nach Norden, davor wurden in Mitteleuropa ausschließlich Pferde als Reittiere genutzt.
10.06.2022
Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Hirse in der Bronzezeit: Ein Superfood erobert die Welt
Bereits vor 3500 Jahren lebten die Menschen in einer globalisierten Welt.
09.06.2022
Genetik | Wanderungen | Homo sapiens
Das prähistorische Wallacea – ein genetischer Schmelztiegel menschlicher Abstammungslinien
Die Inseln Wallaceas im heutigen Ostindonesien wurden bereits vor langer Zeit von modernen Menschen besiedelt.
18.05.2022
Sprache | Primaten
Tierisch flexibel: Wie Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht.
17.05.2022
Paläoökologie | Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Zündeln vor 9.500 Jahren
Schon vor 9500 Jahren setzten die Menschen in Europa Brandrodung ein, um Land für sich nutzbar zu machen.
17.05.2022
Nach_der_Eiszeit | Archäologie | Kunst
Spektakuläre Deckengemälde im Tempel von Esna entdeckt
Deutsche und ägyptische Forscher haben im Tempel von Esna in Oberägypten eine Serie farbenprächtiger Deckenbilder freigelegt.