Lienzo de Tlaxcala, 1773 Reproduktion der Originalversion von 1584

Historia de Tlaxcala (Geschichte von Tlaxcala)[1] ist ein illustrierter Codex mit einem unvollendeten historischen Werk von Diego Muñoz Camargo (1529–1599), das ca. in den Jahren zwischen 1562 und 1592 entstand[2] und erstmals 1892 veröffentlicht wurde. Dieses auch als Lienzo de Tlaxcala bekannte Manuskript erzählt die religiöse, kulturelle und militärische Geschichte des Volkes der Tlaxcalteken im heutigen Mexiko, wobei der Schwerpunkt auf den Aspekten nach der spanischen Eroberung liegt.

Inhalt

Die Historia de Tlaxcala ist in drei Abschnitte unterteilt:

1. Relaciones Geográficas (Geographische Berichte) oder Descripción de la ciudad y provincia de Tlaxcala (Beschreibung der Stadt und der Provinz Tlaxcala): ein Text in spanischer Sprache, der von Camargo zwischen 1581 und 1584 als Antwort auf den von Philipp II. von Spanien herausgegebenen Fragebogen Relaciones Geográfica geschrieben wurde.
2. Tlaxcala-Kalender: ein großer illustrierter Abschnitt mit Beschriftungen in Spanisch und Nahuatl.
3. Codex Tlaxcala: ein großer illustrierter Abschnitt mit Bildunterschriften in Spanisch und Nahuatl.

Das Original der Historia de Tlaxcala befindet sich derzeit in der Universität Glasgow.

Das Werk fand in jüngerer Zeit Aufnahme in der Reihe Crónicas de América im Verlag von Historia 16.

Der Autor Hans Christian Lindau hebt hervor, dass neben den Texten der Crónicas indígenas (die die Ereignisse aus der Sicht der Opfer wiedergeben) die Ereignisse auch durch zahlreiche bildreiche Darstellungen überliefert seien, wobei insbesondere der Lienzo de Tlaxcala aus dem 16. Jahrhundert im Rahmen von achtzig Bildern und Zeichnungen in eindrucksvoller Art und Weise Einblicke in die ‚visión de los vencidos‘ (d. h. die Perspektive der Besiegten) gebe.[3]

Siehe auch

  • Aztekencodices
  • Lienzo de Quauhquechollan

Literatur

  • Historia de Tlaxcala [Geschichte von Tlaxcala] / [Diego Muñoz Camargo]; Hrsg. Germán Vásquez. – Madrid: Historia 16, 1986, 1 Bd. (287 S.). Glossar. (Crónicas de América 26)
  • Muñoz Camargo, Diego: Historia de Tlaxcala. Publicada y anotada por Alfredo Chavero (Facsímile de la edicón de 1872). Edmundo Aviña Levy, Guadalajara, 1972 [1892]. Biblioteca de Facsímiles Mexicanos[4], 6. Erste Auflage, 278 S. (Faksimile-Ausgabe des 1892 von Alfredo Chavero herausgegebenen und kommentierten Werks, das „im Einvernehmen mit Präsident Porfirio Díaz als Hommage an Christoph Kolumbus auf der Weltausstellung in Chicago präsentiert werden sollte“,Digitalisat)[5]
  • Crónicas indígenas: visión de los vencidos[6] [Chroniken der Eingeborenen: Die Perspektive der Besiegten] / Hrsg. Miguel León-Portilla. – Historia 16, Madrid 1985, Bibliogr. S. 39–47. (Crónicas de América 6)
  • Hans Christian Lindau: Crónicas de Indias im Spanischunterricht: die Entdeckung, Eroberung und Kolonisierung Amerikas im Spiegel literarischer Texte (= Hispanistik in Schule und Hochschule 25). Romanistischer Verlag, Bonn 1992 - Inhalt (mit ausführlichem Literaturverzeichnis)
  • Rückkehr der Götter. Die Aufzeichnungen der Azteken über den Untergang ihres Reiches. Herausgegeben von Miguel León-Portilla und Renate Heuer. Aus dem Náhuatl übersetzt von Angel Maria Garibay K. dtv, München 1965 (dtv 285)
  • Christine von Wantoch Rekowski-Santos: Diego Muñoz Camargos Chronik: Descripción de la provincia y ciudad de Tlaxcala. Cuvillier, Göttingen 2003.

Weblinks

Einzelnachweise und Fußnoten

  1. Mit anderen Namen Lienzo de Tlaxcala, Descripción de la Provincia y Ciudad de Tlaxcala.
  2. Angabe nach DNB („entst. ca. zwischen 1562 u. 1592“). – Es gibt verschiedene weitere Angaben zur Entstehungszeit.
  3. Hans Christian Lindau, S. 24 f. (Crónicas indígenas), hier S. 25. - Unter Heranziehung des Buches von Miguel León-Portilla (1985).
  4. vgl. Collection : Biblioteca de facsimiles mexicanos
  5. Catalogos de la Biblioteca „America“. Universidad de Santiago de Compostela. Biblioteca Universitaria 1929, S. 118: „[…] por acuerdo del Sr. Presidente General Porfirio Díaz, para presentarla como homenaje á Crsitóbal Colón, en la Exposición de Chicago“
  6. Digitalisat

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