Heinrich Jakob Lenzen (* 20. September 1900 in Homberg-Essenberg; † 19. Januar 1978 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Bauforscher und Vorderasiatischer Archäologe.

Leben und Wirken

Lenzen schloss den Besuch des Franz-Haniel-Gymnasiums in Duisburg 1919 mit dem Abitur ab. Er studierte anschließend Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte an den Universitäten Göttingen, Freiburg und München, außerdem Architektur und Baugeschichte an den Technischen Hochschulen Hannover und Berlin. Das Studium beendete er 1927 in Berlin als Diplom-Ingenieur. Lenzen fand zunächst eine Anstellung beim Amt für Denkmalpflege in Trier, wurde dann aber bereits 1928 von Walter Andrae als Mitarbeiter für die Vorderasiatische Abteilung der Staatlichen Museen zu Berlin gewonnen. Als Archäologe kam er ab 1931 für das Deutsche Archäologische Institut bei den Ausgrabungen in Uruk im Irak zum Einsatz, wobei er zeitweilig die Grabungsleitung innehatte.

1940 wurde er mit der Dissertation „Die Entwicklung der Zikurrat von ihren Anfängen bis zur Zeit der III. Dynastie von Ur“ zum Dr. ing. promoviert. 1945 wurde er Referent für Baugeschichte am Deutschen Archäologischen Institut. 1948 habilitierte er sich an der Technischen Universität Berlin mit seinem Beitrag über die „Architektur der Partherzeit in Mesopotamien und ihre Brückenstellung zwischen der Architektur des Westens und des Ostens“. Daran schloss sich seine Tätigkeit am Lehrstuhl für Baugeschichte und Bauaufnahme ebendort an.[1] 1955 gründete er die Außenstelle Bagdad des Deutschen Archäologischen Instituts, der er als Gründungsdirektor bis zur Winterkampagne 1967/1968 vorstand und deren Fachzeitschrift „Baghdader Mitteilungen“ er begründete. Sein Nachfolger in diesem Amt wurde Jürgen Schmidt. Nach seiner Emeritierung hielt Lenzen noch bis 1972 eine Gastvorlesungsreihe an der Universität Bern ab.

1956 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Einzelnachweise

Literatur

  • Mark A. Brandes: Heinrich J. Lenzen 1900–1978. In: Zeitschrift für Assyriologie und Vorderasiatische Archäologie. Band 68 (1978), Nummer 2, S. 161–162.
  • Mark A. Brandes: Heinrich J. Lenzen. 20. September 1900 bis 19. Januar 1978. In: Archiv für Orientforschung. Band 26, 1978/1979, S. 239–241.
  • Mark A. Brandes: Lenzen, Heinrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 14, Duncker & Humblot, Berlin 1985, ISBN 3-428-00195-8, S. 237 f. (Digitalisat).

Die News der letzten Tage

17.06.2022
Archäologie | Kultur
Neue Zeugnisse aus der Tempelstadt Heliopolis
Ein ägyptisch-deutsches Grabungsteam hat bei gerade abgeschlossenen Ausgrabungen im Nordosten Kairos bedeutende Zeugnisse aus der Geschichte der Tempelstadt Heliopolis gefunden.
14.06.2022
Wanderungen | Archäologie | Kultur
Die Römer brachten das Maultier mit
Erst die Römer brachten auch Maultiere im ersten Jahrhundert über die Alpen nach Norden, davor wurden in Mitteleuropa ausschließlich Pferde als Reittiere genutzt.
10.06.2022
Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Hirse in der Bronzezeit: Ein Superfood erobert die Welt
Bereits vor 3500 Jahren lebten die Menschen in einer globalisierten Welt.
09.06.2022
Genetik | Wanderungen | Homo sapiens
Das prähistorische Wallacea – ein genetischer Schmelztiegel menschlicher Abstammungslinien
Die Inseln Wallaceas im heutigen Ostindonesien wurden bereits vor langer Zeit von modernen Menschen besiedelt.
18.05.2022
Sprache | Primaten
Tierisch flexibel: Wie Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht.
17.05.2022
Paläoökologie | Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Zündeln vor 9.500 Jahren
Schon vor 9500 Jahren setzten die Menschen in Europa Brandrodung ein, um Land für sich nutzbar zu machen.
17.05.2022
Nach_der_Eiszeit | Archäologie | Kunst
Spektakuläre Deckengemälde im Tempel von Esna entdeckt
Deutsche und ägyptische Forscher haben im Tempel von Esna in Oberägypten eine Serie farbenprächtiger Deckenbilder freigelegt.