Guldgubber von Gammel Lundeborg

Das von 1986 bis 1992 ausgegrabene Gammel Lundeborg (deutsch „Alt-Lundeborg“) nördlich von Lundeborg auf Fünen ist einer von Dänemarks ältesten Handelsplätzen. Der 900 Meter lange Naturhafen an der Mündung des Tange Å diente zum Umschlagen von Schiffen eines Typs der in Nydam gefunden wurde. Kleine, schmale Hütten zeigen, dass Gammel Lundeborg für das nahegelegene eisenzeitliche Reichtumszentrum Gudme als Sommermarkt fungierte. Die Blütezeit des Hafens lag zwischen 200 und 550 n. Chr., aber er wurde bis 800 n. Chr. verwendet.

Hier arbeiteten Bernsteinschleifer, Bronzegießer, Kammmacher, Silber- und Goldschmiede, Schmiede und Schiffsbauer. Von letzteren zeugen Tausende von Nägeln und Nietplatten. Gewichte und Waagen deuten ebenso auf Handel, wie römische Krüge und Münzen, die anzeigen, dass nicht nur mit lokalen Produkten, sondern auch mit Waren aus dem Süden, gehandelt wurde, was zum immensen Reichtum von Gudme mit seiner eisenzeitlichen Halle beitrug.

In der Mitte des Hafenortes wurden insgesamt 102 kleine dünne Goldplättchen, so genannte Guldgubber gefunden, die etwa um 600 n. Chr. hergestellt worden waren. 30 lagen so eng beieinander, dass sie in einem Lederbehältnis gewesen sein können. Die Menge an Goldartefakten wird nur von den etwa 2500 Guldgubber aus Sorte Muld auf Bornholm übertroffen. Während die Abbildungen auf Bornholm in der Regel einen einzelnen Mann zeigen, ist auf denen von Fünen fast ausschließlich ein Paar in Umarmung abgebildet. Die Funktion der Guldgubber ist unklar, vielleicht waren sie eine Art Amulett oder wurden bei den großen kultischen Feiern in Gudme verwendet.

Es ist möglich, dass die reichen Gutsbesitzer oder ein König[1] den zentralen Gottesdienst besteuerten. 7 kleine männliche Figuren und 5 in Gudme gefundene Stiere können Idole gewesen sein oder beim Kult Verwendung gefunden haben.

Literatur

  • Stefan Brink: Political and social structures in early Scandinavia. A settlement-historical pre-study of the central place. In: Tor 28. 1996, S. 235–281.
  • Heiko Steuer: Zentralorte. In: Reallexikon der germanischen Altertumskunde, Band 35, Berlin/New York 2007. S. 878–914.
  • Palle Østerggard Sørensen, Gudmehallerne. Kongeligt byggeri fra jernalderen. In: Nationalmuseets Arbejdsmark 1994. S. 25–39.
  • Hauke Jöns: Eisenzeitliche und frühmittelalterliche Reichtumszentren, Zentral- und Handelsplätze an der südlichen Ostseeküste. In: Central Places in the Migration and the Merovingian Periods, S. 231–245 (PDF).
  • P. O. Thomsen, B. Blæsild, N. Hardt, K. Kjer Michaelsen: Lundeborg - en handelsplads fra jernalderen. In: Skifter fra Svendborg og Omegns Museum 32, S. 68–101.

Siehe auch

  • Møllegårdsmarken

Einzelnachweise

  1. Hauke Jöns schreibt von eisenzeitlichen und frühmittelalterlichen "Reichtumszentren" und vermeidet solche Begriffe wie "frühes Königtum", wie es anhand der Liste der schwedischen Sagenkönige (Orte wie Gudme gab es zeitgleich auch in Schweden) auszumachen wäre oder "Häuptlingssitz", von denen im vorwikingerzeitlichen Norwegen die Rede ist. Die Dänen bezeichnen das in Gudme entdeckte große Haus dagegen als „Kongehallen“ (Königshalle).

Weblinks

Koordinaten: 55° 8′ 55,1″ N, 10° 46′ 59,5″ O