Galeriegrab Brenken
Galeriegrab Brenken (Nordrhein-Westfalen)
Koordinaten 51° 34′ 47,6″ N, 8° 36′ 45,8″ OKoordinaten: 51° 34′ 47,6″ N, 8° 36′ 45,8″ O
Ort Büren OT Brenken, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
Entstehung 3500 bis 2800 v. Chr.

Das Galeriegrab Brenken ist eine megalithische Grabanlage der jungsteinzeitlichen Wartbergkultur bei Brenken, einem Ortsteil von Büren im Kreis Paderborn (Nordrhein-Westfalen).

Lage

Das Grab befindet sich östlich von Brenken auf einem Feld. 3,2 km östlich liegen die Großsteingräber bei Wewelsburg.

Forschungsgeschichte

Das Grab wurde erstmals 1855 von Wilhelm Engelbert Giefers erwähnt, der es als eines von mehreren Galeriegräbern in der Umgebung der Wewelsburg auflistet. 2008 wurde bei einer Sondagegrabung ein vollständig im Erdboden steckendes Grab entdeckt, bei dem es sich möglicherweise um die von Giefers genannte Anlage handelt. Da auch bei der Errichtung einer südöstlich gelegenen Scheune Steinblöcke gefunden worden waren, wurde vermutet, dass sich hier noch ein zweites Galeriegrab befinden könnte. Dies konnte aber weder durch eine geomagnetische Prospektion noch durch Georadar oder durch Suchschnitte bestätigt werden.

Beschreibung

Giefers gab keine genaue Lagebeschreibung der Anlage bei Brenken. Ebenso fehlen Angaben zur Orientierung, den Maßen und dem genauen Aufbau. Er erwähnt lediglich, dass 1855 bei Wewelsburg ein Grab (Galeriegrab Wewelsburg I) entdeckt wurde, das eine Länge von etwa 50 Fuß (ca. 16 m; tatsächlich 19,5 m Gesamtlänge bzw. 16,2 m innere Kammerlänge) hatte und dass alle anderen aufgelisteten Gräber einschließlich des Galeriegrabs Brenken diesem ähnlich seien. Giefers gibt außerdem an, dass in allen Gräbern menschliche Knochen gefunden wurden, über Grabbeigaben schreibt er nichts.

Die Grabung von 2008 bezeugte eine vergleichsweise gut erhaltene, nordwest-südöstlich orientierte Anlage mit einer Länge von 31,5 m und einer äußeren Breite zwischen 2,3 m und 2,5 m bzw. einer inneren Breite zwischen 1,7 m und 1,9 m. Die Kammer ist aus Kalksteinplatten errichtet worden. Auch eine verstürzte Deckplatte mit 1,2 m Länge und 0,2 m Dicke wurde gefunden. An der nordwestlichen Schmalseite wurden keine Wandplatten festgestellt. Möglicherweise befindet sich hier der ursprüngliche Zugang zur Kammer. Es wurden nur wenige menschliche Knochen vorgefunden. Beigaben (etwa Keramik) wurden nicht entdeckt.

Literatur

  • Wilhelm Engelbert Giefers: Geschichte der Wewelsburg und des Bischofs Theodor von Fürstenberg. Paderborn 1855, S. 12.
  • Wilhelm Engelbert Giefers: Geschichte der Burg und Herrschaft Wevelsburg. In: Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Alterthumskunde. Band 22, 1962, S. 333 (PDF; 16,2 MB).
  • Hugo Hoffmann: Stand und Aufgaben der vor- und frühgeschichtlichen Forschung in Westfalen. In: Westfälische Forschungen. Band 1, 1938, S. 213.
  • Hans-Otto Pollmann: Das Galeriegrab von Büren-Brenken – wieder entdeckt? In: Archäologie in Westfalen-Lippe. 2012 (2013), S. 38–41 (Online).
  • Kerstin Schierhold: Studien zur Hessisch-Westfälischen Megalithik. Forschungsstand und -perspektiven im europäischen Kontext (= Münstersche Beiträge zur ur- und frühgeschichtlichen Archäologie. Band 6). Leidorf, Rahden/Westf. 2012, ISBN 978-3-89646-284-8, S. 255.
  • Waldtraut Schrickel: Katalog der mitteldeutschen Gräber mit westeuropäischen Elementen und der Galeriegräber Westdeutschlands (= Beiträge zur ur- und frühgeschichtlichen Archäologie des Mittelmeer-Kulturraumes. Band 5). Habelt, Bonn 1966, S. 446.
  • August Stieren: Die vorgeschichtlichen Denkmäler des Kreises Büren. In: Mitteilungen der Altertumskommission für Westfalen. Band 7, 1922, S. 18 (PDF; 28 MB).
  • August Stieren: Die großen Steinkisten Westfalens. In: Westfalen. Band 13, 1927, S. 10.
  • August Stieren: Westfalen. Neolithikum. In: Max Ebert (Hrsg.): Reallexikon der Vorgeschichte. Band 14. Uckermark – Zyprische Schleifennadel. DeGruyter, Berlin 1929, S. 287.

Weblinks

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