Der Eridanos ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:ISO15924:97: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) ist in der griechischen Mythologie ein großer Fluss am Ende der Welt. Als Flussgott war Eridanos der Sohn des Okeanos und der Tethys.[1]

Phaeton, der Sohn des Sonnengottes Helios, stürzte in den Eridanos, nachdem er die Kontrolle über den Sonnenwagen seines Vaters verloren hatte. Seine Schwestern, die Heliaden, seien am Ufer des Eridanos in Schwarzpappeln verwandelt worden und ihre Tränen in Bernstein.[2]

Bei Apollonios von Rhodos ist etwas unklar, ob der Eridanos ein Fluss, ein Strom oder Meeresarm oder eher ein See ist. Seit Phaetons Sturz sollen dort immer noch Dämpfe aus dem Wasser steigen. Kein Vogel könne den Ort überfliegen, denn inmitten des Sees würde jeder Vogel in Flammen aufgehen. Es sei eine traurige Gegend, erfüllt von Dünsten und Brandgestank und in der Nacht höre man die schrillen Trauerschreie der Heliaden. Die Bernsteine, die man dort finde, seien den Kelten zufolge die versteinerten Tränen Apollons, der sich dort aufhielt, als er aus dem Olymp exiliert war. Der Eridanos mündet Apollonios zufolge in den Okeanos, in das Ionische Meer und mit sieben Mündungen in das Tyrrhenische Meer.[3]

Angesichts solch einer wirren Geographie ist es nicht erstaunlich, dass es keine gesicherte Lokalisierung des Eridanos gibt. Man hat den Eridanos sowohl mit der Rhone (die nach Apollonios in den Eridanos mündet) als auch mit dem Po zu verbinden versucht.[4] Herodot und Strabon hielten den Eridanos für rein mythisch.[5] Bei Vergil erscheint der Eridanus als ein Fluss der Unterwelt.[6]

Die Verbindung des Eridanos mit Bernstein[7] und die Auffassung von Herodot, dass der Eridanos in ein nördliches Meer fließe, ließ auch an einen in die Ostsee mündenden Fluss denken (Radaune).[8] Zudem ist in der griechischen Mythologie der Eridanos mit dem meist im fernen Nordosten (von Griechenland aus) lokalisierten Hyperborea assoziiert. Allerdings spiegeln auch die geografischen Lokalisierungen „Po“ und „Rhône“ eine Beziehung zu Bernstein, da die antiken Römer Bernsteinlieferungen sowohl über Massalia (Marseille; also über die Rhône) als auch aus dem Stromgebiet des Po (wahrscheinlich auch von Etruskern) erhalten haben.[9]

Nach dem mythischen Fluss ist das Sternbild Eridanus sowie ein hypothetischer Fluss im tertiären Nordeuropa benannt (siehe Eridanus (Geologie)).

Literatur

  • Erika SimonEridanos 1. In: Lexicon Iconographicum Mythologiae Classicae (LIMC). Band III, Zürich/München 1986, S. 821–822.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Hesiod, Theogonie 338
  2. Ovid, Metamorphosen 2,324; 2,365; Hyginus, Fabulae 152; 154; Flavius Philostratos, Imagines 1,11
  3. Apollonios von Rhodos, Argonautika 4,594 ff.
  4. Plinius, Naturalis historia 37,31 f.
  5. Herodot, Historien 3,115; Strabon, Geographika 5,1,9
  6. Vergil, Aeneis 6,659
  7. Hesiod, Fragmente 150,23–24 (R. Merkelbach, M. L. West, 1967)
  8. u. a. George Charles Williamson: The Book of Amber. Benn, London 1932, S. 30.
  9. Wilhelm Geerlings: Die Tränen der Schwestern des Phaëton – Bernstein im Altertum. In: Michael Ganzelewski, Rainer Slotta (Hrsg.): Bernstein – Tränen der Götter. Katalog der Ausstellung des Deutschen Bergbau-Museums Bochum (= Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum. Nummer 64). Deutsches Bergbau-Museum, Bochum 1996, S. 395–399.

Die News der letzten Tage

17.06.2022
Archäologie | Kultur
Neue Zeugnisse aus der Tempelstadt Heliopolis
Ein ägyptisch-deutsches Grabungsteam hat bei gerade abgeschlossenen Ausgrabungen im Nordosten Kairos bedeutende Zeugnisse aus der Geschichte der Tempelstadt Heliopolis gefunden.
14.06.2022
Wanderungen | Archäologie | Kultur
Die Römer brachten das Maultier mit
Erst die Römer brachten auch Maultiere im ersten Jahrhundert über die Alpen nach Norden, davor wurden in Mitteleuropa ausschließlich Pferde als Reittiere genutzt.
10.06.2022
Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Hirse in der Bronzezeit: Ein Superfood erobert die Welt
Bereits vor 3500 Jahren lebten die Menschen in einer globalisierten Welt.
09.06.2022
Genetik | Wanderungen | Homo sapiens
Das prähistorische Wallacea – ein genetischer Schmelztiegel menschlicher Abstammungslinien
Die Inseln Wallaceas im heutigen Ostindonesien wurden bereits vor langer Zeit von modernen Menschen besiedelt.
18.05.2022
Sprache | Primaten
Tierisch flexibel: Wie Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht.
17.05.2022
Paläoökologie | Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Zündeln vor 9.500 Jahren
Schon vor 9500 Jahren setzten die Menschen in Europa Brandrodung ein, um Land für sich nutzbar zu machen.
17.05.2022
Nach_der_Eiszeit | Archäologie | Kunst
Spektakuläre Deckengemälde im Tempel von Esna entdeckt
Deutsche und ägyptische Forscher haben im Tempel von Esna in Oberägypten eine Serie farbenprächtiger Deckenbilder freigelegt.