Eanswitha (von Folkestone) (auch Ēanswīþ, Eanswith, Eanswythe oder Eanswida; * ca. 630[1] in Kent; † ca. 650[2] in Folkestone) war eine angelsächsische Prinzessin, die als Gründerin von Folkestone Abbey, einem der ersten christlichen Frauenkonvente in Großbritannien, gilt. Sie ist eine Heilige der katholischen, anglikanischen und orthodoxen Kirche. Ihr Gedenktag ist der 12. September – nach der julianischen Kalenderrechnung der meisten orthodoxen Kirchen derzeit der 30. August des gregorianischen Kalenders.[3][4]

Leben und Heiligenlegende

Eanswitha war der Legende nach das jüngste von drei Kindern von Eadbald von Kent und seiner fränkischen Gemahlin Aemma. Die demnach älteren Brüder waren Eormenred und Earconberht. Alle Kinder Eadbalds und Aemmas wurden wahrscheinlich irgendwann nach 624 geboren. Earconberht wurde nach dem Tod 640 seines Vaters dessen Nachfolger als König von Kent. Da Earconberht 640 alt genug war, um König zu werden, war er sicher nicht das jüngste Geschwister, so dass für Eanswitha innerhalb des möglichen Zeitraum 625–640 ein Geburtsdatum um das Jahr 630 am wahrscheinlichsten in Frage kommt.[1]

Eanswitha soll mit Unterstützung ihres Vaters das Benediktinerinnen-Priorat Folkestone, das erste Frauenkonvent in England, gegründet haben.[5]

Der Legende nach kam, während das Kloster im Bau war, ein heidnischer Prinz nach Kent, der Eanswitha heiraten wollte. König Eadbald soll angeführt haben, dass seine Schwester, die später als Heilige verehrte Ethelburga, zwei oder drei Jahre zuvor den heidnischen König Edwin von Northumbria geheiratet und diese Hochzeit zur Bekehrung Edwins geführt hatte. Eanswitha weigerte sich jedoch trotzdem und lebte bis zu ihrem Tod im Kloster und wirkte Wunder.[6]

Die Heilige Eanswitha wird dargestellt als Äbtissin mit Stab und Palme über oder auf einem Fisch stehend, der auch im Siegel des Hafens Folkstone abgebildet ist.[3][7]

Nachleben

St. Eanswith in Brenzett, 2001

Eanswitha taucht in späteren mittelalterlichen Quellen mehrfach auf:

  • Goscelin von Saint-Bertin erwähnt sie in seiner Vita Sanctae Werburge aus dem 11. Jahrhundert.[8]
  • Sie ist in einigen Versionen der Stammbäume der Kentish Royal Legend enthalten.[9]
  • Johannes von Tynemouth, Geschichtsschreiber des 14. Jahrhunderts, hat einen detaillierten Eintrag in seinem Sanctilogium. Seine Quelle ist unbekannt, da sie bei Beda, der Standardquelle, nicht vorkommt.[10]

Die erste Klosteranlage wurde im 10. Jahrhundert aufgegeben, als sie begann, vom Meer weggespült zu werden, ein Problem, das auch eine neue Gründung von 1095 betraf. Ein weiter landeinwärts gelegener Ort wurde 1137 von William II. d’Avranche, Lord of Folkestone, für eine Neugründung von Folkestone Abbey zur Verfügung gestellt, mit einer Kirche, die den Heiligen Maria und Eanswitha geweiht war. Der Tag der heiligen Eanswitha fällt auf den 12. September, das Datum, an dem ihre Überreste 1138 in die neue Kirche übertragen wurden. Das Kloster wurde in der Reformation geschlossen, und die Kirche wurde zur St Mary and St Eanswythe’s Parish Church. Während Restaurierungsarbeiten an der Kirche im Jahr 1885 wurden ein Bleireliquiar, das in die Kirchenwand eingelassen war und als ein Gefäß aus dem 12. Jahrhundert identifiziert wurde, sowie die Knochen einer jungen Frau entdeckt.[11] Dies führte zu der Schlussfolgerung, dass es sich um die überführten Reliquien der Heiligen Eanswith handeln könnte, die bei der Reformation versteckt worden waren.[12]

Neben der Kirche am Standort des Klosters gibt es weitere der Heiligen Eanswitha geweihte Kirchen:

  • St Eanswith’s Church in Brenzett, Kent, England
  • St Eanswythe’s Church in Altona, einem Vorort von Melbourne, Australien[13]

Im Projekt Finding Eanswyth von 2016–2020 der Canterbury Christ Church University und des Folkestone Museums mit Unterstützung des Heritage Lottery Fund wurden historische. medizinische und archäologische Untersuchungen durchgeführt. Eine kirchliche Freigabe der Reliquien zur Untersuchung wurde erteilt. Osteologen untersuchten Zähne und Knochen und stellten fest, dass sie von einer Person stammten, wahrscheinlich einer Frau, die im Alter zwischen 17 und 21 Jahren starb, ohne Anzeichen von Unterernährung, was alles mit der Geschichte von Eanswitha übereinstimmt. Sie schickten die Proben an die Queen’s University Belfast, wo sie mittels Radiokarbonmethode in das 7. Jahrhundert datiert wurden.[14][15][16]

Judy Chicago widmete ihr eine Inschrift auf den dreieckigen Bodenfliesen des Heritage Floor ihrer Installation The Dinner Party. Die mit dem Namen Eanswith beschrifteten Porzellanfliesen sind dem Platz mit dem Gedeck für Hrotsvit zugeordnet.[17]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Andrew Richardson: The Historical Eanswythe. Finding Eanswythe, ein Projekt der Canterbury Christ Church University (2016–2020). Abgerufen am 12. Dezember 2020.
  2. Auf Basis von wissenschaftlichen Untersuchungen von Knochen und Zähnen der als Eanswitha bestimmten Toten konnte ein Sterbealter von 17–21 Jahren bestimmt, siehe David Keys: Remains of Anglo-Saxon princess who could be the Queen’s earliest known relative discovered by scientists in Kent, The Independent. 6. März 2020. Abgerufen am 12. Dezember 2020. 
  3. 3,0 3,1 J. Boberg: Eanswitha (Eanswida) von Folkstone, Äbtissin, OSB. In: Lexikon der christlichen Ikonographie. Band 6. Sonderausgabe, Herder, Freiburg 1974, ISBN 3-451-22568-9, S. 103.
  4. Saint Eanswythe, Abbess of Folkestone, Orthodox Church in America
  5. Barbara Yorke: Kings and Kingdoms of early Anglo-Saxon England. Routledge, London, New York 2002, ISBN 978-0-415-16639-3, S. 23.
  6. St. Eanswythe of Kent. Antiochian Orthodox Christian Archdiocese of North America. Abgerufen am 12. Dezember 2020.
  7. A Clerk of Oxford (Blogger): St Eanswythe of Folkestone. 12. September 2014. Abgerufen am 12. Dezember 2020.
  8. Goscelin of Saint-Bertin: The Hagiography of the Female Saints of Ely. In: Rosalind C. Love (Hrsg.): Oxford Medieval Texts. Oxford University Press, Oxford 2004, ISBN 978-0-19-820815-0.
  9. D. W. Rollason: The Mildrith Legend: A Study in Early Medieval Hagiography in England. Leicester University Press, Leicester 1982, ISBN 0-7185-1201-4.
  10. Heesok Chang, Robert DeMaria, Jr. und Samantha Zacher: A Companion to British Literature, Medieval Literature, 700–1450. John Wiley & Sons, 2013, ISBN 978-1-118-73189-5, S. 72 ff. (google.com).
  11. The Friends of the Church of St. Mary and St. Eanswythe accessed 21 November 2014
  12. The Remains of St. Eanswith.. In: Pall Mall Gazette, 24. Juli 1885, S. 6.  „Great interest has, it is said, been caused at Folkestone and the neighborhood by the discovery in the parish church of what are believed to be the remains of St. Eanswith, patron saint of the church and the daughter of Eadbald, one of the Saxon Kings of Kent. Some workmen, in removing the plaster from a niche in the north wall, noticed that the masonry showed signs of having been disturbed at some period, and a further search was made. Taking away a layer of rubble and broken tiles a cavity was discovered and in this a battered and corroded leaden casket, oval shaped, about eighteen inches long and twelve inches broad, the sides being about ten inches high. Within it were human remains, but in such a crumbling condition that the vicar declined to allow them to be touched except by experts. St. Eanswith lived early in the seventh century and was interred, according to historians, in the church on the cliff, where she had founded a priory.“ 
  13. Our locations. Anglican Parish of Altona/Laverton.
  14. David Keys: Remains of Anglo-Saxon princess who could be the Queen’s earliest known relative discovered by scientists in Kent, The Independent. 6. März 2020. Abgerufen am 12. Dezember 2020. 
  15. Harriet Sherwood: Bones found in Kent church likely to be of 7th-century saint, The Guardian. 6. März 2020. Abgerufen am 12. Dezember 2020. 
  16. Sam Williams: Remains of ‘earliest English Saint’ and Kent princess confirmed, Kent Online. 6. März 2020. Abgerufen am 12. Dezember 2020. 
  17. Brooklyn Museum: Eanswith. In: brooklynmuseum.org. Abgerufen am 14. November 2020.