Davidsstadt


Karte von 1888 aus Meyers Konversationslexikon
die Davidsstadt im Modell des Israel-Museum

Die Davidsstadt (hebräisch: עיר דוד, Ir David; arabisch: مدينة داوود) ist der älteste besiedelte Teil Jerusalems und die wichtigste archäologische Fundstelle des biblischen Jerusalem.

Lage

Die Davidsstadt liegt auf einem schmalen Höhenrücken südlich des Jerusalemer Tempelberges außerhalb der heutigen Stadtmauer. Sie wird im Norden durch den Ophel und die Gihonquelle begrenzt, im Süden vom Teich von Siloah und dem Hinnomtal. Westlich lag das Tyropöontal (Käsemachertal), das heute durch den Schutt der Jahrhunderte nivelliert ist, und östlich ist die natürliche Grenze das Kidrontal.

Geschichte

Die archäologische Erkundung des Gebiets begann im 19. Jahrhundert. Das Gebiet umfasst mehrere Stätten von archäologischem Interesse, vor allem den Teich von Siloah, die Gihonquelle und den Hiskija-Tunnel. Diese liegen in einem archäologischen Park und sind für die Öffentlichkeit zugänglich. Besucher können durch den Hiskija-Tunnel waten, durch den noch heute das Wasser der alten Quelle fließt.[1]

Die frühesten Ausgrabungen wurden von Charles Warren im Jahre 1867 vorgenommen. Seitdem wurden und werden bis heute zahlreiche Ausgrabungen durchgeführt.[2]

Kupferzeit (4500-3500 v. Chr.)

Funde aus der Kupfersteinzeit sind Tonscherben, die in den Spalten des gewachsenen Felses von Macalister and Duncan[3] ausgegraben wurden. Dabei wurden auch eine Reihe von künstlichen Bearbeitungen im Fels entdeckt. Dazu gehörten Glättungen und Rinnen, die in den Fels geschnitten worden waren, aber auch mehrere kleine Becken, von denen man vermutet, dass sie zum Mahlen von Oliven oder Getreide[3] oder zum Sammeln von Regenwasser[4] verwendet wurden.

Frühe Bronzezeit (3500-2350 v. Chr.)

Aus dieser Periode sind nur einige Keramikscherben gefunden worden.

Mittlere Bronzezeit (2000-1550 v. Chr.)

In der Mittleren Bronzezeit wird Jerusalem mehrmals in ägyptischen Texten des 19. und 18. Jahrhunderts v. Chr.[4] und in der biblischen Geschichte von Melchisedech (Gen 14,18-21 EU) erwähnt. In dieser Zeit ist die Stadt ausreichend groß und mächtig, um eine „massive“ Stadtmauer zu bauen, um ihre Wasserversorgung über die Gihonquelle zu schützen.

Späte Bronzezeit (1550-1200 v. Chr.)

Aus der Späten Bronzezeit wurden Keramik und Bronze-Pfeilspitzen gefunden.[4]

Im Jahr 2010 wurde das Fragment einer Tontafel aus dem 14. Jahrhundert v. Chr. ausgegraben. Es ist damit das älteste schriftliche Dokument aus Jerusalem. Die Datierung erfolgte aufgrund der alten akkadischen Keilschrift. Die Qualität des Schreibens deutet auf eine königliche Inschrift, möglicherweise handelt es sich um einen Brief eines jerusalemer Königs an den Pharao in Ägypten.[5] Gegen diese These spricht, dass das Fragment weder Namen noch Titel und auch keine Ortsnamen enthält. Außerdem lässt sich die Tontafel keiner bestimmten Schicht zuordnen, da sie erst beim Sieben des Abraums entdeckt wurde.

Eisenzeit I (1200-970 v. Chr.)

Stadtmauer der Jebusiterstadt

Eine Stadtmauer der Jebusiterstadt des 12. Jahrhunderts v. Chr. wurde freigelegt. Diese Datierung ist unumstritten. Umstritten ist aber, ob die Eroberung durch die Truppen von König David nur über die Stadtmauern erfolgte,[6] oder ob sie, wie in der Bibel beschrieben wird, auch durch das alte Wassersystem an der Gihonquelle erfolgte.[7] Es wird vermutet, dass die Israeliten die intakten Jebusiterwälle verwendeten und unter König Salomo nach Norden erweiterten, um den Tempelberg einzubeziehen.[8]

Eisenzeit IIa (1000-900 v. Chr.)

Große Stein-Struktur des 10. Jhd.

Das 10. und 9. Jahrhundert v. Chr., also die Zeit der biblischen Könige David und Salomo, war Gegenstand einer intensiven wissenschaftlichen Auseinandersetzung sowie der andauernden archäologischen Untersuchungen.[9]

Im Jahre 2005 wurde eine große Stein-Struktur entdeckt. Sie wird auf das 10. Jahrhundert v. Chr. datiert. Unter dieser Voraussetzung wäre sie ein Anhaltspunkt dafür, dass Jerusalem die Hauptstadt eines zentralisierten Reiches gewesen ist. Es könnte aber auch sein, dass die Struktur zum großen Teil der späteren Hasmonäerzeit zuzurechnen ist.[10] Weitere Erkenntnisse werden aus der Ausgrabung erwartet.

Inschrift auf dem Türsturz in Schebnas Grab

Am Hang auf der anderen Seite des Kidrontals im und unter dem arabischen Dorf Silwan gibt es aus dem Kalkstein herausgearbeitete Felsengräber der israelitischen Zeit aus dem 9. bis 7. Jahrhundert v. Chr. Es handelt sich um große, gut ausgearbeitete Gräber, die sich nur die ranghöchsten Mitglieder der Gesellschaft wie Minister, Adlige und Würdenträger des Reiches Juda leisten konnten. Obwohl nur drei Inschriften teilweise erhalten sind, ist sich die Paläografie sicher, dass es sich bei einem der Gräber um das Grab des biblischen Schebna handelt, der Verwalter und Schatzmeister des Königs Hiskija war.

Eisenzeit IIIb (8. Jh. - 586 v. Chr.)

Dies ist die Zeit der biblischen Könige Hiskija bis Joschija und der Zerstörung des Königreichs Juda durch Nebukadnezar II.. König Hiskija sicherte der Stadt die Wasserversorgung im Falle einer Belagerung, indem er den nach ihm benannten Hiskija-Tunnel durch den Fels schlagen ließ.[11][12]

Babylonische und persische Zeit (586-322 v. Chr.)

Es wurden zwei Bullen im neo-babylonischen Stil gefunden. Eine zeigt einen Priester, der neben einem Altar der Götter Marduk und Nabu steht.[13] Ein steinernes poliertes schwarzes Skarabäus-Siegel, das eine "babylonische kultische Szene" mit zwei bärtigen Männern darstellt, die beiderseits eines Altars stehen, ist dem babylonischen Mondgott Sin gewidmet. Der Skarabäus wurde vermutlich in Babylonien hergestellt. Unter dem Altar gibt es ein Feld für einen persönlichen Namen, in das in Hebräisch der Name Shelomit eingraviert ist.[14]

Hasmonäer- und Herodes-Zeit (167 v. Chr. - 70 n. Chr.)

Zu den wichtigsten archäologischen Ausgrabungsfunden dieser Epoche gehören der Teich Siloah, die Jerusalem-Pilger Straße, der Palast der Königin Helena von Adiabene und ein Wasserkanal.

Byzantinische und frühe islamische Periode (324-1099 n. Chr.)

Ein Herrenhaus aus der Byzantinischen Periode wird Haus des Eusebius genannt.[15]

Neuzeit

Mitte des 19. Jahrhunderts hat der Schotte James Graham (1853-1857) Fotografien aufgenommen, die den Kamm der Davidsstadt ohne Bebauung zeigen. Er ist terrassenförmig angelegt und offenbar mit Olivenbäumen bepflanzt.[16]

Die moderne Bebauung des Kamms begann 1873-1874, als die Familie Meyuchas, eine jüdische Rabbiner- und Kaufmannsfamilie, die seit ihrer Vertreibung aus Spanien in Jerusalem gelebt hatte, sich außerhalb der Stadtmauern auf dem Kamm ansiedelte.[17] In der letzten Phase des Völkerbundsmandats für Palästina erweiterte sich das benachbarte palästinensische Dorf Silwan auf den Kamm der Davidsstadt.

Nach dem Palästinakrieg von 1848 fiel das ganze Gebiet auf der östlichen Seite der Grünen Linie unter jordanische Kontrolle. Bis 1967 siedelten auf dem Kamm der Davidsstadt palästinensische Familien. Von 1968 bis 1977 führte die Israel Exploration Society die ersten Ausgrabungen am Ophel durch, die von Benjamin Mazar und Eilat Mazar geleitet wurden.[18]

Das Recht, sowohl die Ausgrabungen als auch die Bebauung der Davidsstadt zu bestimmen, ist unter Israelis und Palästinensern umstritten.[19] Es gibt einen Vorschlag, wonach der Großteil des Kidrontals, in dem zurzeit Palästinenser wohnen, in einen archäologischen Park mit dem Namen Königsgarten umgewandelt werden soll.[20]

Referenzen

  1. Archaeology and the City of David, Rick Sherrod, Good News: A Magazine of Understanding, [1] (en)
  2. Eine vollständige Liste der Ausgrabungen der Ottomanischen Zeit [2] (en), der Britischen Mandatszeit [3] (en), der Jordanischen Zeit [4] (en) und der frühen Israelischen Zeit [5] (en) stehen auf der Website der Israel Antiquities Authority.
  3. 3,0 3,1 Macalister, R.A. and Duncan, J.G., Excavations on the hill of Ophel, Jerusalem, 1923-1925, London, 1926 (en)
  4. 4,0 4,1 4,2 Mazar, Eilat, Excavations at the Summit of the City of David, Preliminary Report of Seasons 2005-2007, Shoham, Jerusalem and New York, 2009, S. 21 (en) Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag. Der Name „Mazar2009“ wurde mehrere Male mit einem unterschiedlichen Inhalt definiert.
  5. [6]"Oldest written document ever found in J'lem," Hartman, July 12, 2010, Jerusalem Post.
  6. 1 Kön 11,27 EU und 1 Chr 11,8 EU
  7. 2 Sam 5,8 EU
  8. 1 Kön 9,15 EU
  9. Rachel Ginsberg: The world of archeology is rocked by evidence of King David's palace unearthed in Jerusalem. Aish.com. 29. Juni 2009. Abgerufen am 29. Juni 2009.
  10. Israel Finkelstein, Ze'ev Herzog, Lily Singer-Avitz and David Ussishkin (2007), Has King David's Palace in Jerusalem Been Found?, Tel Aviv: Journal of the Institute of Archaeology of Tel Aviv University, 34(2), 142-164
  11. Jerusalem: an archaeological biography, Hershel Shanks,Random House, 1995, S. 80.
  12. Jewish Quarter Excavations in the Old City of Jerusalem: The finds from areas A, W and X-2 : final report Volume 2 of Jewish Quarter Excavations in the Old City of Jerusalem: Conducted by Nahman Avigad, 1969-1982, Nahman Avigad, Hillel Geva, Israel Exploration Society, 2000.
  13. Mazar, Eilat, Excavations at the Summit of the City of David, Preliminary Report of Seasons 2005-2007, Shoham, Jerusalem and New York, 2009, pp. 77-8.
  14. Mazar, Eilat, Excavations at the Summit of the City of David, Preliminary Report of Seasons 2005-2007, Shoham, Jerusalem and New York, 2009, Seiten 78f.
  15. Macalister, R.A. and Duncan, J.G., Excavations on the hill of Ophel, Jerusalem, 1923-1925 being the joint expedition of the Palestine Exploration Fund and the 'Daily Telegraph', London, 1926.
  16. Fotos hierzu in "Picturing Jerusalem, James Graham and Michael Diness, photographers", ed. Nissan N. Perez, Israel Museum, 2007. S. 31
  17. Yemin Moshe: The Story of a Jerusalem Neighborhood, Eliezer David Jaffe, Praeger, 1988, S. 51
  18. Excavations on the South of the Twemple mount. The Ophel od Biblical Jerusalem, Qedem. Monographs of the Institute of Archaeology, The Hebrew University of Jerusalem , No. 29, 1989 ISSN 0333-5844
  19. Ahdaf Soueif writes on Ir David's settling of Silwan in the Guardian
  20. id=168833 Gan Hamelech residents wary of Barkat’s redevelopment plan, Abe Selig, Feb. 16, 2010, Jerusalem Post.

31.77155535.235111Koordinaten: 31° 46′ 18″ N, 35° 14′ 6″ O


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