Burg Sachsenstein

Blick zur Burg

Staat Deutschland (DE)
Ort Bad Sachsa
Erhaltungszustand teilweise
Geographische Lage 51° 35′ N, 10° 35′ OKoordinaten: 51° 35′ 15,7″ N, 10° 34′ 52,7″ O
Burg Sachsenstein (Niedersachsen)

Die Burg Sachsenstein, auch Sachsenburg oder Sachsaburg genannt, liegt bei der Kleinstadt Bad Sachsa im Landkreis Göttingen in Niedersachsen am Südrand des Harzvorlandes. Im örtlichen Denkmalverzeichnis ist die Burg unter der Erfassungsnummer 34138127 als Baudenkmal verzeichnet.

Lage

Die Bahnstrecke Northeim–Nordhausen führt mitten durch einen Teil der Wallanlage und der Karstwanderweg führt an der ehemaligen Burg vorbei. Westlich unterhalb der Ruine fließt die Uffe entlang.

Beschreibung

Mauerreste des Bergfrieds

Die Sachsenburg ist eine Abschnittsbefestigung auf einem nordwestlichen Ausläufer des Sachsensteins. Die Nord- und Südwestseite des Sporns werden durch steile Felswände geschützt.

Das Kernwerk an der Spornspitze von 0,54 ha Größe wird durch eine bis zu 3 m starke Mauer von 55 m Länge gesichert. Die Verbindung zum westlichen Steilhang stellt ein 25 m langer Wall aus Steinbrocken von ca. 2,50 m Höhe her. Die Burg ist vor allem für ihre ungewöhnliche Toranlage bekannt. Diese besteht aus zwei sechseckigen Türmen mit einem Durchmesser von max. 12 m bei einer Mauerstärke von 1,80 m, die ein quadratisches Torhaus von 9,25 m Seitenlänge flankieren. Die Anlage ist dabei nicht achsensymmetrisch angelegt, sondern die einzelnen Elemente sind gegeneinander verschoben. Diese Anordnung der Bauteile ist im 11. Jahrhundert ohne Parallelen. In einem Abstand von 11 m folgt im Süden ein runder Turm von ca. 13 m Durchmesser bei einer Mauerstärke von ca. 1,90 m. Bei der Ausgrabung dokumentierte Brandspuren zeugen wohl von einer Zerstörung der Burg. Die am Sachsenstein angewendete Mauertechnik mit einer Schale aus Schichtmauerwerk, der feste Kern zum Teil in Fischgrätentechnik mit Abschnittsfugen, findet sich in den Burgen der Salier ab Mitte des 11. Jahrhunderts.[1]

Das Gelände der Vorburg ist durch eine 1869 erbaute Bahnlinie stark gestört. Südlich der Strecke verlaufen zwei 2–3 m hohe Wälle mit Außengräben im Abstand von 30–40 m. Der äußere Wall findet seine Fortsetzung nördlich der Bahnstrecke in einem Wallstück, das zunächst Richtung Nordwesten verläuft, etwa in der Mitte nach Norden umknickt und am Steilhang endet. Im Knick befindet sich eine Walllücke, die in Verlängerung der Toranlage des Kernwerks liegt.

Das Opus spicatum des Mauerwerks wurde originalgetreu restauriert. Man geht davon aus, dass die Burg Sachsenstein nicht vollendet wurde. Eine überwachsene Abschnittsbefestigung wurde in den Jahren 1891 bis 1893 freigelegt.

Geschichte

Die Zeitstellung der beiden Vorwälle ist bislang ungeklärt, sie können auch vorgeschichtlich oder frühmittelalterlich sein.

Auf den Wehrburgen im sächsischen Gebiet saßen landfremde Ministerialen, die von den sächsischen und thüringischen Anwohnern Abgaben eintrieben. Das führte zum Aufstand der Sachsen gegen Heinrich IV., an dessen Spitze sich Otto von Northeim stellte. Der spätere salische Kaiser Heinrich IV ließ die Burg zur Sicherung seiner Herrschaft im Harz errichten. Sie gehört zu jenen acht Burgen, die durch Lampert von Hersfeld bereits für das Jahr 1073 bezeugt sind. Im Frieden von Gerstungen musste sich der König im Jahre 1074 zur Schleifung der Burgen verpflichten. Nach der Plünderung der Harzburg durch die sächsische Landbevölkerung brach der Konflikt erneut aus und führte am 9. Juni 1075 zur Schlacht bei Homburg an der Unstrut, die Heinrich für sich entscheiden konnte. Im Oktober kapitulierten die Sachsen bei Spier endgültig und bedingungslos.

Zur Erneuerung der Burgen kam es im Harz jedoch nicht, so dass es sich bei der Burg Sachsenstein um eine Ruine handelt. Aufgrund ihrer monumentalen Planung handelte es sich bei der Sachsenburg um eine Reichsburg oder war als eine solche geplant. Ein vermutlicher Wirtschaftshof der Burg war der seit 1085 belegte Ort Walkenried. Der Burgplatz gehörte zur Gründungsausstattung des Klosters Walkenried von 1127, die Burg wird damals ausdrücklich als zerstört bezeichnet.

Der Höhenzug mit der Ruine gehört seit dem Westfälischen Frieden zum Herzogtum Braunschweig.[1][2]

Sonstiges

Der Sachsenstein ist gemäß dem Niedersächsischen Denkmalschutzgesetz in das Verzeichnis der Kulturdenkmale eingegangen und liegt seit 1949 innerhalb des Naturschutzgebiets „Priorteich/Sachsenstein“.[3]

Literatur

  • Friedrich Stolberg: Befestigungsanlagen im und am Harz von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit: Ein Handbuch (Forschungen und Quellen zur Geschichte des Harzgebietes 9), Hildesheim 1968, S. 332–334.
  • Martin Claus: Archäologie im südwestlichen Harzvorland (= Wegweiser zur Vor- und Frühgeschichte Niedersachsens. Band 10). Laux, Hildesheim 1978, S. 179–183.
  • Hans-Wilhelm Heine: Der Sachsenstein. In: Westlicher Harz: Clausthal-Zellerfeld, Osterode, Seesen (=Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern. Band 46). Von Zabern, Mainz 1978, S. 197–201.
  • Hans-Wilhelm Heine: Burgen der salischen Zeit in Niedersachsen: ein Überblick. In: Horst Wolfgang Böhme (Hrsg.): Burgen der Salierzeit, Teil 1: In den nördlichen Landschaften des Reiches. Thorbecke, Sigmaringen 1991, S. 9–84 hier S. 56–58.
  • Hans-Wilhelm Heine: Die Ruine Sachsenstein bei Walkenried - Ein Denkmal zwischen Zerfall und Erhaltung. In: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen. Band 17, 1997, S. 128–131.
  • Markus Blaich, Andreas Kotula: LiDAR, Burgenforschung und Denkmalpflege - Beispiele aus Niedersachsen. Zeitschrift Burgen und Schlösser. Hrsg.: Deutsche Burgenvereinigung e.V. Braubach/Rhein 2020, S. 27 ff.

Weblinks

Commons: Burg Sachsenstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Sachsenburg. alleburgen.de, abgerufen am 21. September 2020.
  2. Bernd Sternal, Lisa Berg, Wolfgang Braun: Burgen und Schlösser der Harzregion Band 1. Sternal Media, 2011, ISBN 978-3-8370-5893-2, S. 53–55.
  3. Naturschutzgebiet „Priorteich/Sachsenstein“ in der Datenbank des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), abgerufen am 3. Dezember 2012

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