Burg Castelsardo, Castello di Castelsardo

Blick von Westen auf den Burgberg und das davorliegende neuere Castelsardo (Mitte, rechts). Der Altort liegt zum Meer hin (links im Bild tw. sichtbar).

Alternativname(n) Castel dei Doria, Castel Genovese, Castrum Januae, Castel Aragonese, Castillo Aragonés
Staat Italien (IT)
Ort Castelsardo
Entstehungszeit 13. Jahrhundert
Burgentyp Höhenburg
Erhaltungszustand erhalten, saniert
Ständische Stellung Hochadel
Bauweise Kalksandstein
Geographische Lage 40° 55′ N, 8° 43′ OKoordinaten: 40° 54′ 55,7″ N, 8° 42′ 45,6″ O
Höhenlage 89 m s.l.m.
Burg Castelsardo (Sardinien)

Die Burg Castelsardo (it. Castello di Castelsardo, tw. auch als Castello Bellavista (dt. Burg Schöne Aussicht) bezeichnet) liegt als eine in großen Teilen erhaltene Höhenburg auf einem Felsblock direkt im Norden Sardiniens am Golfo dell’Asinara in der Provinz Sassari. Nordöstlich zur Küstenlinie liegt direkt an die Burg anschließend der eigentliche Ort Castelsardo. Beide waren im Mittelalter mit einer gemeinsamen Festungsmauer geschützt. Der erweiterte Ort der Neuzeit befindet sich südlich vor dem Burgberg.

Geschichte

Der Ort und möglicherweise eine erste Befestigung wurden 1102, die Burg als solche erst im 13. Jahrhundert (wohl um 1270) von der genuesischen Adelsfamilie Doria als „Castel Genovese“ oder „Castrum Januae“ gegründet mit großer strategischer Bedeutung. Bis ins 15. Jahrhundert waren Ort und Burg Sitz der Doria und dienten zur Beherrschung der Besitzungen in Nordsardinien. Über Castelsardo kam es zum Zustrom ligurischer und korsischer Bevölkerungsgruppen.

Die Doria bauten Ort und Burg als Stadtrepublik nach ligurischem Vorbild mit eigenem Gesetzeskodex, dem Statuti di Galeotto Doria und dem Wahlspruch Pax et Bonum Rempublicam conservant auf.[1] Die Doria verbanden sich später mit dem Judikat Arborea, dem zuletzt mächtigsten der Sardischen Judikate durch Heirat des Brancaleone Doria mit der sardischen Volksheldin Elianora de Arbarèe, wohl nicht zuletzt, um im Ränkespiel zwischen Papst und Kaiser bestehen zu können, nachdem der Papst schon 1295 das Haus Aragon unter Jakob II. mit Sardinien belehnte.

1448 von den Spaniern des Hauses Aragon als letztes sardisches Gebiet erobert, hieß die Burg dann „Castel Aragonese“, der Ort wurde Königsstadt („Città regia della Sardegna“) bis 1479 (danach Oristano). Castelsardo (Burg und Ort wurden nicht unterschieden) blieb bis 1586, bis zum Bau der Kathedrale Sant’Antonio Abate, Bischofssitz.[2]

Ab 1767 und mit der Herrschaft des Hauses Savoyen erhielten Burg und Ort den heutigen Namen Castelsardo. Über Jahrhunderte war die Burg danach von Militär besetzt; bis vor einigen Jahrzehnten diente sie noch als Kaserne der Carabinieri.

Beschreibung

Die Burg ist von einem noch vollständigen Mauerring umgeben, der vor allem nach Süden markant auf dem Felsen des Berges sichtbar wird. Die Burganlage ist verwinkelt und überzieht langgezogen den gesamten Burgbergrücken in Ost-West-Richtung auf einer Breite von etwa 100 Metern. In Nord-Süd-Richtung sind es nur etwa 25 Meter. Die inneren Bauten mit unterschiedlichen Ebenen und Geschosshöhen, von denen heute noch sieben separate Häuser erhalten sind, sind durch eine schmale Gasse verbunden. Die westliche Seite läuft spitz zum Meer hin gerichtet aus. Der Zugang befindet sich von Osten nördlich vorgelagert über einer steilen Rampe bis zum Torhaus etwa in der nördlichen Mitte, dessen Eingang in einen kleinen Innenhof mündend durch Bauten von drei Seiten flankiert und kontrolliert werden konnte.

Nördlich in voller Breite der Burg und ebenfalls nordwestlich spitz auskragend und mit einem kleinen runden Turm und einer Plattform zusätzlich gesichert, haben sich die Reste einer Art Vorburg (oder Zwinger) erhalten.

Eine Regenwasserzisterne mit überdachtem kleinen Brunnenhaus im östlichen Burgbereich weist auf die Schwierigkeiten der Wasserversorgung hin.

Heutige Nutzung

In den wesentlichen, sanierten Räumen der Burg befindet sich heute ein Museum der mediterranen Flechtkunst (Museo dell'Intreccio Mediterraneo), wie sie für den Ort über Jahrhunderte charakteristisch war. In der gesamten Burg sind nachgebaute Zeugnisse mittelalterlicher Wehr- und Kampftechnik ausgestellt. Auch das Bürgermeisterbüro des Ortes befindet sich in der Burg.

Literatur

  • Valentina Grieco: I catalani e il castelliere sardo (in it. Sprache), Verlag S'Alvure, Oristano 2003/2004, 293 Seiten
  • Manfred Wöbcke, Birgit Müller-Wöbcke: Sardinien: Traumziel im Mittelmeer, DuMont Bildatlas, 2013, S. 48
  • I terrapieni di Castelsardo, In: Marco Milanese (Hrsg.) APM – Archeologia Postmedievale, 13, 2009, Sassari & Florenz 2012, ISBN 978-88-7814-539-9. S. 165–170
  • Salvatore Rattu: Bastioni e torri di Castelsardo - Sardegna: la ròccaforte dai tre nomi; Castel Genovese, Castell'Aragonese, Castel Sardo; contributo alla storia dell'architettura militare; (25 tavole fuori testo), aus der Serie: Collana di studi sardi (Hrsg.: Regione autonoma della Sardegna), Verlag Rattero, Turin 1953, 122 Seiten
  • Flavio Russo: Ingegno e paura: trenta secoli di fortificazioni in Italia, darin: Castellaragonese attuale Castelsardo, Stato maggiore dell'esercito, Ufficio storico, 2005, S. 246 f.

Weblinks

Commons: Castello di Castelsardo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Storia (Geschichte), Webseite der Gemeinde Castelsardo (in Italienisch); abgerufen am 24. Juli 2019
  2. Castelsardo auf www.sardegnaturismo.it; abgerufen am 22. Juli 2019