Das karolingische Reich zu Zeiten Berengars. I.

Berengar I. von Friaul (* um 850; † 7. April 924 in Verona) war Kaiser von 915 bis 924 und König von Italien in den Jahren 888–889, 896–901 und 905–924. Somit gehört er zu den „Nationalkönigen“.

Leben

Kaiser Berengar I. dargestellt im Chronicon Casauriense des Johannes Berardi, spätes 12. Jahrhundert.

Er war der dritte Sohn von zehn Kindern des Unruochingers Eberhard († 866), Markgraf von Friaul, und dessen Frau Gisela († 874), Tochter Kaiser Ludwigs des Frommen.

Seit 874 war er Nachfolger seines Vaters als Markgraf von Friaul.

Nach der Absetzung Karls des Dicken wurde Berengar I. 888 durch den Bischof von Mailand Anselm in Pavia zum König der Langobarden gekrönt. Als jedoch der ostfränkische König Arnulf mit einem Heer anrückte, huldigte ihm Berengar in Trient als König von Italien.

889 wurde Berengar von seinem Gegner, Herzog Wido III. von Spoleto, an der Trebia besiegt (Wido wurde 891 von Papst Stephan V. zum Kaiser gekrönt). Nach dessen Tod 894 zog der Ostfranke Arnulf erneut über die Alpen und besetzte Oberitalien. Nach Arnulfs Abzug 895 fiel Berengar wieder von ihm ab und teilte sich mit Widos Sohn, Kaiser Lambert, Herzog von Spoleto, die Herrschaft über Ober- und Mittelitalien. Nach Lamberts Absetzung 896 (er starb 898) und Arnulfs Tod 899 versuchte Berengar, sich des ganzen Langobardenreichs zu bemächtigen.

Berengars Position war durch die Niederlage gegen die Ungarn an der Brenta 899 bei deren Einfall 899/900 ernstlich gefährdet, deshalb wurde Ludwig, König von Niederburgund, nach Italien gerufen und 901 zum Kaiser ernannt. 905 konnte Berengar Ludwig verdrängen, indem er ihn bei einem von dessen Italienfeldzügen gefangen nahm und ihn dabei in Verona blenden ließ. Berengar wurde allerdings erst 915 von Papst Johannes X. zum Kaiser gekrönt.

Stetige Aufstände machten ihm zu schaffen; deren Anstifter, die Markgrafen von Ivrea und Toskana sowie der Bischof Lambert von Mailand, trugen 919 dem König Rudolf II. von Hochburgund die Krone Italiens an. Rudolf schlug am 29. Juli 923 Berengar bei Fiorenzuola in der Nähe von Piacenza vollständig. Als dieser noch die Ungarn zu Hilfe rief, entfremdete er sich dadurch auch den wenigen, die ihm treu geblieben waren. Selbst in Verona, das stets zu ihm gehalten hatte, entstand eine Verschwörung. Berengar I. wurde am 7. April 924 in Verona ermordet.

Ehe und Nachkommen

Berengar war in erster Ehe seit etwa 880/890 mit Bertila von Spoleto († vor Dezember 915) verheiratet, der Tochter von Herzog Suppo II., Graf von Camerino, mit der er drei Kinder hatte. Die älteste Tochter aus dieser Ehe wiederum war mit Adalbert I., Markgraf von Ivrea, verheiratet. Dieser Verbindung entstammte Berengar II. In zweiter Ehe heiratete er vor Dezember 915 Anna, die nach Mai 936 starb; diese Ehe blieb kinderlos.

Berengars Kinder waren:

  • TochterN. N., Neffe des Bischofs Liutvard von Vercelli
  • Gisela (* wohl 880/885; † wohl 910/915) ⚭ vor 900 Adalbert I. der Reiche († wohl 923) Markgraf von Ivrea
  • Bertha († nach 952) 915 Äbtissin von San Salvatore in Brescia

Literatur

  • Ernst Ludwig Dümmler: Berengar I., Markgraf von Friaul, König von Italien und römischer Kaiser. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 357–359.
  • Girolamo Arnaldi: Berengario I, duca-marchese del Friuli, re d’Italia, imperatore. In: Alberto M. Ghisalberti (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 9: Berengario–Biagini. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1967, S. 1–26.
  • Herbert Zielinski: Regesta Imperii: Die Regesten des Kaiserreichs unter den Karolingern 715–918 (926), Band 3: Das Regnum Italiae und die burgundischen Regna 840–926, Teil 2: Das Regnum Italiae in der Zeit der Thronkämpfe und Reichsteilungen 888(850)–926, Köln / Wien / Weimar 1998

Weblinks

Commons: Berengar I. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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