Nomaden setzten Nahrungsmitteltrends entlang der Seidenstraße

Presseldung vom 29.03.2018


Neue Forschungsergebnisse zeigen: Die geschmacklichen Trendsetter entlang der Seidenstraße waren mobile Viehhändler, die auch als „Nomaden“ bezeichnet werden. Zu dieser Erkenntnis gelangte ein internationales Forschungsteam der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), der Universität Washington in St. Louis, Missouri/USA, und der Akademie der Wissenschaften in Usbekistan. Mittels Isotopenanalyse untersuchten sie menschliche Knochenfunde, um so die Ernährungsgewohnheiten entlang der Seidenstraße zu entschlüsseln. Die Ergebnisse der Forschung wurden in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.

Die Seidenstraße erstreckte sich von Asien bis Europa. Vom 2. Jahrhundert vor Christus bis ins 16. Jahrhundert nach Christus tauschten Menschen auf diesem Handelsweg Waren wie Wolle, Gold, Silber und natürlich Seide – aber Nahrung wurde bisher nicht als Teil des Tauschsystems angesehen. Neue Forschungsergebnisse zeigen: Die geschmacklichen Trendsetter entlang der Seidenstraße waren mobile Viehhändler, die auch als „Nomaden“ bezeichnet werden. Zu dieser Erkenntnis gelangte ein internationales Forschungsteam der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), der Universität Washington in St. Louis, Missouri/USA, und der Akademie der Wissenschaften in Usbekistan. Mittels Isotopenanalyse untersuchten sie menschliche Knochenfunde, um so die Ernährungsgewohnheiten entlang der Seidenstraße zu entschlüsseln. Die Ergebnisse der Forschung wurden in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.

Die Seidenstraße basierte auf der Dynamik von sesshafter Bevölkerung und Gemeinschaften, die mehr in Bewegung waren. Vor diesem Hintergrund untersuchte Taylor R. Hermes, Doktorand des Instituts für Ur- und Frühgeschichte an der Graduiertenschule „Human Development in Landscapes“ der CAU, wie sich diese Gemeinschaften ernährten und wie sich ihre Ernährungsstrategien sich während des überregional wachsenden Handelsnetzwerkes gegenseitig beeinflusst haben konnten. Zu diesem Zweck analysierte das Team um Hermes Kohlenstoff- und Stickstoffisotope von 74 Menschen, von denen die meisten Proben im Sommer 2016 gesammelt wurden. Sie stammen von 14 Friedhöfen, die sich auf eine Zeitspanne vom 2. bis ins 13. Jahrhundert nach Christus datieren lassen und sich im heutigen Kasachstan, Usbekistan und Turkmenistan befinden.

„Mit der ‚Seidenstraße‘ sind bisher meist wertvolle Waren in Verbindung gebracht worden, die große Entfernungen zurücklegten. Aber die Menschen selbst werden dabei oft ausgelassen. Ernährungsmuster sind eine exzellente Möglichkeit, etwas über die Zusammenhänge von Kultur und Umwelt zu erfahren. Dabei können wichtige Erfahrungen aufgedeckt werden, die die Menschen innerhalb dieser großen Vernetzung miteinander gemacht haben“, sagt Hermes. Historische Texte über das mittelalterliche Zentralasien zeichnen ein Bild von reichen, multikulturellen Umgebungen mit produktiven landwirtschaftlichen Systemen und andauerndem Handel. „Die Ausgangshypothese war, dass alle Nahrungsmittel verfügbar waren und dass die Menschen mehr oder weniger das gleiche aßen“, sagt Hermes. Doch diese Annahme bestätigte sich nicht. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Menschen in den Städten sich von nomadischen Gemeinschaften unterschieden“, erklärt Hermes.

Dagegen scheint jedes urbane Zentrum trotz umfangreichem Handel seine eigene Essenstradition gehabt zu haben, die innerhalb regionaler Gemeinschaften weniger vielfältig war: „Sesshafte Menschen waren stärker abhängig vom Getreideanbau als Nomaden“, sagt Dr. Farhod Maksudov von der Akademie der Wissenschaften der Republik Usbekistan, der die internationale Zusammenarbeit leitete, auf der die Studie beruht. „Nomadische Gruppen hatten wahrscheinlich Zugang zu einer größeren Vielfalt an Nahrungsmitteln. Sie trieben durch ihre Mobilität die Vernetzung entlang der Seidenstraße voran und hatten daher das Potential, Trends und kulturelle Veränderungen zu beeinflussen“, so Hermes.

Das Forschungsprojekt hebt insbesondere die Vorteile der internationalen Zusammenarbeit hervor. Cheryl A. Makarewicz, Professorin für Archäologie und Leiterin des Isotopenlabors (ASIL) und Mentorin von Hermes an der CAU, merkt an: „Dieses Projekt ist ein bewährtes Modell für internationale Kooperationen. Dadurch dass wir Forscherinnen und Forscher uns immer wieder über Ideen und archäologische Laborergebnisse ausgetauscht haben, konnten wir einen völlig neuen Einblick in die Rolle von Nahrung bei den Interaktionen entlang der Seidenstraße erhalten.“ Auch Professor Michael D. Frachetti von der Universität Washington, der die internationale Zusammenarbeit gemeinsam mit Dr. Maksudov leitete, betont dies: „Mit diesem Ansatz wollten wir das wissenschaftliche Potenzial maximieren. Unsere gemeinsame Feldforschung und Laborstudien in Usbekistan haben neue wichtige Erkenntnisse über die Ernährungsgewohnheiten geliefert.“


Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages
YV 1696
YV 1696

Lufengpithecus keiyuanensis

Elemente: R. LM3

Yuanmou, China

09.07.2020
Seidenstraße: Auch Hirten hielten Katzen als Haustiere
Hauskatzen, wie wir sie heute kennen, haben kasachische Hirten schon vor über 1.000 Jahren als Haustiere begleitet..
07.07.2020
Süditalien: Neandertaler starben nicht wegen Kälte aus
Klimaschwankungen werden dafür häufig als Auslöser vermutet – für Süditalien konnte diese Ursache nun ausgeschlossen werden..
18.06.2020
Neandertalergene in der Petrischale
P.
17.06.2020
Ein Neandertaler aus der Tschagyrskaja-Höhle
Bisher hatten Forschende die Genome von zwei Neandertalern in einer hohen Qualität sequenziert..
17.06.2020
Beeindruckende Zeugnisse des Krieges
S.
17.06.2020
Historisches Superfood: Grünkern wussten schon die Kelten zu schätzen
B.
29.05.2020
Wer waren die Kanaaniter?
Die Menschen, die in dem als Südlevante bekannten Gebiet – das heute als Israel, Jordanien, Libanon und Teile Syriens bekannt ist – um 3.500 bis 1.150 v..
29.05.2020
Frauen mit Neandertal-Gen bringen mehr Kinder zur Welt
Eine von drei Frauen in Europa hat den Rezeptor für Progesteron von Neandertalern geerbt - eine Genvariante, die mit erhöhter Fruchtbarkeit, weniger Blutungen zu Beginn der Schwangerschaft und weniger Fehlgeburten in Verbindung steht..
20.05.2020
300.000 Jahre alter Elefant aus Schöningen fast vollständig erhalten
Was am Seeufer geschah: Archäologen dokumentieren Spuren von Steinzeitmenschen und Fußabdrücke von Elefanten.
12.05.2020
Ältester Homo sapiens Europas lebte im Jungpaläolithikum
Ein internationales Forschungsteam berichtet über neue Fossilien des Homo sapiens aus der Bacho-Kiro-Höhle in Bulgarien..
23.04.2020
Evolutionäre Wurzeln des Sprachnetzwerks im Gehirn entdeckt
Das Sprachnetzwerk im Gehirn von Menschen hat einen früheren evolutionären Ursprung als bislang angenommen..
21.04.2020
Das menschliche Gebiss als Spiegel unserer Evolution
Wissenschaftler der Universität Tübingen ermitteln, welche Eigenschaften der Zähne zur Rekonstruktion genetischer Verwandtschaft genutzt werden können.
21.04.2020
300.000 Jahre alter Wurfstock dokumentiert die Evolution der Jagd
Eiszeitmenschen aus Schöningen setzten Holzwaffen bei der Jagd auf Wasservögel und Pferde ein.
09.04.2020
Landwirtschaft begann im Amazonas vor 10.000 Jahren
Wie eine neue Studie zeigt, begannen die Menschen vor mehr als 10’000 Jahren im Südwesten des Amazonas mit dem Anbau von Maniok und Kürbissen, 8'000 Jahre früher als bisher angenommen..
27.03.2020
Auch Neandertaler aßen Muscheln, Fisch und Robben
Bereits die Neandertaler ernährten sich vor über 80.000 Jahren regelmäßig von Muscheln, Fisch und anderen Meeresbewohnern..
03.03.2020
Affen kommunizieren, Menschen haben Sprache
So verzückt Eltern auch sind, wenn ihr Kleines das erste Mal „Ma-Ma“ oder „Pa-Pa“ brabbelt – ehe daraus Sätze entstehen, muss noch viel passieren..
25.02.2020
Ausgewandert
Sibirische Neandertaler stammten von verschiedenen europäischen Populationen ab
25.02.2020
Jede Mittelmeerinsel hat eigenes genetisches Muster
Schon vor der Zeit der mediterranen Seefahrerzivilisationen gab es prähistorische Wanderungen aus Afrika, Asien und Europa auf die Mittelmeerinseln..
18.02.2020
Die Ernährungsweise fossiler Wirbeltiere rekonstruieren
Aus prähistorischer Zeit liegen bisher nur wenig gesicherte Erkenntnisse über die Ernährung der damaligen Tiere und Menschen vor..
18.02.2020
2.700 Jahre alter Tempel im äthiopischen Hochland entdeckt
E.
05.02.2020
Prähistorisches Skelett in Südmexiko entdeckt
Ein prähistorisches menschliches Skelett, das in Südmexiko geborgen werden konnte, ist mindestens 10.000 Jahre alt und stammt wahrscheinlich aus der letzten Eiszeit..
28.01.2020
Neandertaler gingen für ihre Werkzeuge ins Wasser
Neandertaler sammelten Muschelschalen und Bimsstein aus den Küstengewässern, um sie als Werkzeuge zu benutzen.
06.01.2020
Forscher bestimmen das Alter des letzten bekannten Lagerplatzes von Homo erectus
Ein internationales Forscherteam hat das Alter des letzten bekannten Lagerplatzes von Homo erectus bestimmt, einem der direkten Vorfahren des modernen Menschen..
29.11.2019
Affen informieren Gruppenmitglieder über Gefahren
Menschen stehen oft vor der Wahl, ob sie zum Allgemeinwohl beitragen oder sich egoistisch verhalten und andere sich verausgaben lassen möchten..
25.11.2019
Menschliche Musikalität verbindet alle Kulturen: Kognitionsbiologen erforschen universelle Eigenschaften der Weltmusik
Ist Musik wirklich eine "universelle Sprache"? Zwei Artikel in der aktuellen Ausgabe von Science unterstützen die These, dass Musik auf der ganzen Welt – trotz vieler Unterschiede – große Gemeinsamkeiten aufweist..