Mitteleuropa wohl keine Kontaktzone von Neandertalern und modernen Menschen


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Meldung vom 08.12.2014

Welchen Beitrag leisteten Neandertaler zur ältesten modernmenschlichen Kultur Europas, dem sogenannten Aurignacien?


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L. Moreau, B. Odar, T. Higham, A. Horvat, D. Pirkmajer, P. Turk. 2014. Reassessing the Aurignacien of Slovenia: Techno-economic behavior and direct dating of osseous projectile points. Journal of Human Evolution.
DOI: 10.1016/j.jhevol.2014.09.007
 
Knochenspitzen aus Mokriška jama, Slowenien.
Bild: Tomaž Lauko, Nationalmuseum Slowenien

Zur Klärung dieser Frage analysierten die Archäologen Knochenspitzen und Steingeräte rund 30 bis 40.000 Jahre alter hochalpiner Fundstellen in Slowenien. Die Ergebnisse ihrer Forschungen werden heute Online im Journal of Human Evolution veröffentlicht.

Die Zeit vor 30 bis 40.000 Jahren ist eine der turbulentesten Phasen der frühen Menschheitsgeschichte in Eurasien: schlagartig tritt ein ganzes Paket kultureller Neuerungen mit Kunst, Musik und Bestattungen auf. Zeitgleich vollzieht sich ein umfassender demographischer Wandel: anatomisch moderne Menschen wandern vor über 43.000 Jahren nach Europa ein und die Neandertaler verschwinden. Fest steht, dass es ein zeitweises Nebeneinander beider Menschenarten gab. Denn genetisch sind wir noch heute ein stückweit Neandertaler. Wie sich das Nebeneinander beider Menschenarten gestaltete und wo sie sich trafen, bleibt indes eine kontrovers diskutierte Forschungsfrage, zu der das Projekt von Dr. Luc Moreau (MONREPOS; Archäologisches Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution) neue Aufschlüsse gibt.

Das südliche Mitteleuropa zwischen Balkan und Mittelmeer, den potentiellen Einwanderungspassagen des anatomisch modernen Menschen, nimmt eine Schlüsselposition für die Untersuchung des Aurignacien ein: Waffenspitzen aus Knochen, Geweih oder Elfenbein, ein wesentliches Merkmal des modernmenschlichen Innovationspakets, treten hier in Massen auf. „Dass bereits Neandertaler Waffenspitzen aus Knochen, Geweih oder Elfenbein hergestellt haben, möglicherweise in Folge einer Interaktion mit modernen Menschen, ließ sich nach Lage der archäologischen Befunde bislang nicht ausschließen. Deshalb nehmen die Knochenspitzen eine wichtige Stellung in der Forschungsdiskussion um die Entstehung von kultureller Modernität am Übergang zwischen Neandertalern und modernen Menschen ein. Es hat mich besonders gereizt, hierfür endlich eine solide Diskussionsbasis zu schaffen“, so Dr. Luc Moreau. Er hat den Beginn des Aurignacien im südlichen Mitteleuropa erstmals auf ein verlässliches chronologisches Fundament gestellt. Die von ihm initiierten neuen Datierungen typischer Knochenspitzen, darunter auch solche mit gespaltener Basis, durch die 14C-Methode ergaben ein Alter um 32.000 Jahre: wesentlich jünger, als die letzten Neandertaler in dieser Region! Hier sind sich Neandertaler und moderne Menschen also offenbar nicht begegnet. Die modernmenschlichen Siedler wanderten in ein bereits über einige Tausend Jahre bevölkerungsleeres Gebiet ein.

Ein Schwerpunkt der Forschungen lag auf den Untersuchungen der Steinwerkzeuge, die ebenfalls als Hinweis auf eine kulturelle Kontinuität zwischen Neandertalern und anatomisch modernen Menschen angeführt werden. Die Ergebnisse entziehen dieser Diskussion nun jedoch den Boden: die Steingeräte zeigen keinerlei neandertalertypische Kennzeichen, sondern spiegeln technologisch, logistisch und typologisch allein charakteristische modernmenschliche Verhaltensweisen des Aurignacien wider.

Die Befunde sind auch insofern bemerkenswert, als zwei der Fundplätze im alpinen Hochgebirge liegen. Fertige Waffen und 90% des Steinrohmaterials aus einem über 20km und 500Hm entfernten Flusstal wurden eigens zu den 1600m hoch gelegenen Jagdplätzen geschafft und hier offenbar sogar gehortet: allein in der Höhle Potocka zijalka wurden 125 Knochenspitzen gefunden. Diese Befunde belegen vorausschauendes Planen und eine ausgefeilte Logistik der Hochgebirgsjäger, die die Höhle immer wieder kurzzeitig aufgesucht haben. „Diese Art des Risikomanagements und die bis ins Detail geordnete Logistik sind typisch modernmenschliche Verhaltensweisen“, so der Archäologe Dr. Luc Moreau.

Im südlichen Mitteleuropa sind sich Neandertaler und anatomisch moderne Menschen nach seinen Forschungen also sicher nicht begegnet.




Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online

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Team mit Freiburger Forschern findet Hinweise, dass sich Menschen in der Steinzeit mit Verwandten fortpflanzte ...

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Archicebus achilles - ein 55 Millionen Jahre alter Primat

Ein internationales Team von Forschern hat die Entdeckung des ältesten fossilen Primaten in der Zeitschrift N ...

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Ernährungswandel vor 3,5 Millionen Jahren

Wissenschaftler werfen einen Blick auf die Ernährung der frühen afrikanischen Hominiden

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„Tracking in Caves“ ist den Urmenschen auf der Spur

Wissenschaftler erforschen zusammen mit namibischen San-"Buschleuten" eiszeitliche Fußabdrücke in den Pyren ...

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Auf den Spuren der letzten Neandertaler

Rund 250.000 Jahre lang beherrschte der Neandertaler Europa, doch vor rund 40.000 Jahren verliert sich derzeit ...

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Forscher untersuchen älteste fossile Gehörknöchelchen von Hominiden

Ein kürzlich veröffentlichtes Papier zeigt, dass die Entdeckung wichtige Hinweise auf den Ursprung der Mensc ...

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Pierolapithecus-Fossil wirft neues Licht auf die Evolution der großen Menschenaffen

Forscher von der University of Missoure kommen zu dem Schluß, dass Pierolapithecus catalaunicus wohl kein Sc ...

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Australopithecus sediba als neue Art nun offensichtlich bestätigt

Eine genaue Untersuchung der Unterkiefer, Zähne und des Skeletts beweist nun offenbar schlüssig, dass es sic ...

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Ötzi hatte schlechte Zähne

Erstmals haben Forscher vom Zentrum für Evolutionäre Medizin der Universität Zürich und ausländische Koll ...

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A. sedibas Brustkorb und Füsse eigneten sich nicht zum Rennen

Forscher der Wits University in Südafrika und der Universität Zürich, beschreiben in sechs neuen Studien di ...

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Neues Alter für die Neandertaler aus der El Sidrón Höhle

Eine neue Studie mit neuartiger Probenvorbereitung liefert genauere C-14 Datierungen

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Wann verließ der moderne Mensch Afrika

Der moderne Mensch hat seinen Siegeszug über die ganze Welt vor möglicherweise weniger als 95.000 Jahren ang ...

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Eiszeitliche Rentierjäger waren die ersten Angler Europas

Ist das Interesse am Angeln, am "Erbeuten" von Fischen, vielleicht ein Erbe unserer Vorfahren?

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Ein Verwandter aus der Tianyuan-Höhle

DNA-Analyse enthüllt Verwandtschaft zwischen heute lebenden Asiaten und amerikanischen Ureinwohnern mit früh ...

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Lucy und Selam's Art kletterte noch auf Bäume

Die Schulterblätter von Australopithecus afarensis zeigen eine teilweise arboreale Lebensweise

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Ein schärferer Blick zurück für die Archäologie und Klimaforschung

Jahresschichtungen in dem japanischen Suigetsu-See ermöglichen eine genauere Kalibrierung von Radiokohlenstof ...

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Raumplanung vor 35.000 Jahren

Ausgrabungen in Breitenbach decken Elfenbeinwerkstatt auf

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Geschickte Jäger schon vor 300.000 Jahren

Tübinger Urgeschichtler graben an der wichtigsten altpaläolithischen Fundstelle in Schöningen.

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Das geht doch mit rechts!

Zähne entlarven Neandertaler als Rechtshänder

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Uraltes Genom des Denisova-Menschen enthüllt seine Geheimnisse

Max-Planck-Wissenschaftler beschreiben das Erbgut des Denisova-Menschen und beleuchten dessen Beziehungen zu m ...

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Homo erectus hatte mehr Nachbarn als gedacht

Neue Fossilienfunde zeigen eine große Vielfalt unter den Frühmenschen

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Vormenschen-Nahrung: Baumrinde als Beilage

Die erst 2010 beschriebene Art "Australopithecus sediba" deckte ihren Energiebedarf unter anderem mit Baumrind ...

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Das älteste kontrollierte Feuer?

Eine Höhle in Südafrika birgt die frühesten Zeugnisse von Feuernutzung früher Menschen.

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Unbekannte Vormenschenart in Ostafrika entdeckt

3,4 Millionen Jahre alte Fußknochen stammen aus der gleichen Zeit wie der Australopithecus afarensis

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Neandertalern drohte schon vor 50.000 Jahren das Aus

Drastischer Einschnitt in der Bevölkerungszahl lang vor Ankunft des modernen Menschen in Europa

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Geheimnisvolle Fossilien aus China könnten eine neue Menschenart sein

In chinesischen Höhlen haben Forscher menschliche Überreste gefunden, die eine höchst ungewöhnliche Mischu ...

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Bogenbau für Kinder

Workshop im Neanderthal Museum

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Älteste Felszeichnung der Neuen Welt entdeckt

In Kalksteinwand eingeritzte Menschenfigur bei Lapa do Santo, Brasilien, ist mehr als 10.500 Jahre alt

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Frühmenschen schliefen schon vor 77.000 Jahren auf Pflanzenmatratzen

Forscher finden urzeitliche Schlafmatten aus insektenabwehrenden Blättern

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Jüngster Menschenaffe Europas

Der Fund eines Zahns scheint die Präsenz von vormenschlichen Primaten in Europa vor sieben Millionen Jahren z ...

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Unsere Urahnen liebten es bunt

In der Blombos Höhle in Südafrika, etwa 300 km östlich von Kapstadt, haben Archäologen eine 100.000 Jahre ...

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Älteste Faustkeile sind bereits 1,8 Millionen Jahre alt

Frühmensch Homo erectus beherrschte Acheuléen-Technologie früher als gedacht

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Gehirnhälften von Homo erectus untersucht

Asymmetrien könnten eine Erklärung für Sprache und kognitives Denken bei Homo sapiens sein

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Ältester Menschenaffe Eurasiens lebte in Schwaben

Forscher aus Tübingen, Helsinki, Stuttgart und München datieren einen Backenzahn auf die Zeit vor 17 Million ...

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Einzelner Zahn des Peking-Menschen gefunden

Wissenschaftler hoffen auf neue Erkenntnisse, was Homo erectus in China aß

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Älteste Ureinwohner Nordamerikas entdeckt

Archäologen haben die ältesten Menschenknochen im subarktischen Nordamerika entdeckt. Die 11.500 Jahre alte ...

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Weder Neandertaler noch moderner Mensch

Das Genom eines ausgestorbenen Urmenschen liefert neue Erkenntnisse über die Ursprünge des modernen Menschen ...

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Klimawandel wurde Mammuts zum Verhängnis

Rückgang der Steppen wahrscheinlich Hauptgrund für Aussterben der Eiszeitriesen

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Vormenschenfund: „Lucys Großvater“ ging schon aufrecht

3,6 Millionen Jahre alter Australopithecus belegt Zweibeinigkeit

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Neuer Australopithecus entdeckt

In Südafrika haben Wissenschaftler eine neue Hominidenart entdeckt, die ein Bindeglied zwischen dem Australop ...

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Neue Menschenform entdeckt

Max-Planck-Forscher finden Erbgut aus Süd-Sibirien

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Lang ersehnte Veröffentlichung: Neues vom Ardipithecus ramidus

Die frühen Vorfahren des Menschen waren weniger affenähnlich als bisher angenommen

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