Einzelner Zahn des Peking-Menschen gefunden

Presseldung vom 20.05.2011


Wissenschaftler hoffen auf neue Erkenntnisse, was Homo erectus in China aß

Original-Fossilien des sogenannten Peking-Menschen (Homo erectus) sind äußerst selten, da die meisten in den Wirren des Zweiten Weltkrieges auf mysteriöse Weise verschwanden. Nun wurde am "Museum der Evolution" an der Universität Uppsala eine einzigartige Entdeckung gemacht: Ein Eckzahn des Peking-Menschen, unberührt seit seiner Ausgrabung in den 1920er Jahren in China.

"Dies ist ein absolut unglaublicher Fund. Wir und unsere chinesischen Kollegen sind überwältigt. Mit der heutigen Technologie kann uns ein nicht behandelter Eckzahn so viel mehr sagen, als es in der Vergangenheit möglich war, etwa was die Peking-Menschen aßen", sagt Per Ahlberg, Professor für evolutionäre Entwicklungsbiologie an der Universität Uppsala.

Schwedische Paläontologen waren die ersten westlichen Wissenschaftler, die im frühen 20. Jahrhundert nach China kamen und eine Reihe von Expeditionen in Zusammenarbeit mit chinesischen Forschern durchführten. Sie fanden eine große Zahl von Dinosaurier-Fossilien und anderen Wirbeltieren. Das Material wurde nach Schweden geschickt, wo der bekannte Paläontologe Carl Wiman die Fossilien identifizierte und wissenschaftlich beschrieb. Als sich nach Wimans Tod die Zielsetzungen der Forschung änderten, blieben etwa 40 Kartons ungeöffnet und wurden im Laufe der Zeit vergessen - bis jetzt. In den letzten Wochen wurden sie von Per Ahlberg, seinem Kollegen Martin Kundrát und dem Direktor des Museums, Jan Ove Ebbestad (der als erster auf die Kartons in den Abstellräumen des Museums aufmerksam wurde) geöffnet.

In der Woche vom 2. bis 8. Mai 2011 wurde das Material gemeinsam mit führenden chinesischen Paläontologes des Beijing Institute of Vertebrate Paleontology and Paleoanthropology gesichtet, die begeistert waren, als sie von den schwedischen Kollegen kontaktiert wurden. Das Museum der Evolution hat die größte Sammlung von chinesischen Dinosaurier-Fossilien und anderen Wirbeltieren außerhalb von China. Der Inhalt der der 40 Kartons steigert nun den Wert der Sammlung abermals.

Das fossile Material stammt aus verschiedenen Gegenden Chinas. In Zhoukoudian, südwestlich von Peking, wurde anfangs ein Eckzahn von Homo erectus , dem Peking-Menschen gefunden. Schon bald folgten bedeutende Funde von Schädeln und anderen Skelett-Teilen, die jedoch auf geheimnisvolle Weise während des Zweiten Weltkrieges verschwanden. Alles was von diesen Funden blieb, sind heute in China aufbewahrte Zähne, fünf Stück an der Zahl und ein paar Teile von Schädelknochen, die später in den 1950er und 1960er Jahren gefunden wurden. Folglich wurden jene drei Zähne des Peking-Menschen, die im Museum der Evolution in Schweden aufbewahrt werden, als die wertvollsten Teile der Sammlung angesehen. Und jetzt hat man einen vierten, unberührten Zahn entdeckt.

Laut Professor Liu Wu von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften handelt es sich um einen gebrochenen, aber sonst gut erhaltenen Eckzahn."Dies ist ein äußerst wichtiger Fund. Es ist der einzige existierende Eckzahn. Er kann wichtige Informationen darüber liefern, wie Homo erectus in China gelebt hat", sagt Liu Wu.

Der Zahn wird mit modernster Technik untersucht werden. Von besonderem Interesse ist, wie der der Zahn abgenutzt ist und ob er mikroskopische Mineral-Granulate aus Pflanzenresten enthält, um das Rätsel zu lösen, was die Peking-Menschen aßen. Zusammen mit dem anderen Material in den Kartons hoffen die Wissenschaftler bald in der Lage zu sein, die Pflanzen-und Tierwelt, in die der Peking-Mensch eingebunden war, zu rekonstruieren.


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