DNA-Analysen geben Aufschluss über die Besiedlung der Iberischen Halbinsel

Presseldung vom 20.11.2017


Im Vergleich zu Mittel- und Nordeuropa kam es auf der Iberischen Halbinsel zu einer rascheren Verschmelzung von eingewanderten Bauern aus dem Nahen Osten und einheimischen Jägern und Sammlern. Dies zeigen DNA-Analysen aus der Jungsteinzeit und frühen Bronzezeit, wie ein internationales Forscherteam unter Beteiligung der Universität Basel in der Zeitschrift «Scientific Reports» berichtet.

Die Populations- und Besiedlungsgeschichte Europas wurde in den letzten Jahren mittels molekulargenetischer Methoden eingehend erforscht. Während frühen Bauern aus Nahost über den Balkan nach Mittel- und Südosteuropa einwanderten, gab es für Westeuropa, das über eine mediterrane Route besiedelt wurde, bislang noch keine umfassenden Daten.

Archäologen aus der Schweiz, Spanien, Ungarn und Deutschland unter der Leitung von Prof. Kurt W. Alt von der Universität Basel haben nun die Besiedlung Iberiens im Zeitraum zwischen 5700–1500 v. Chr. untersucht.

Die Anfänge der Landwirtschaft – und damit verbunden das Ende der Lebensweise als reine Jäger und Sammler – gehen auf der Iberischen Halbinsel bis 5700 v. Chr. zurück. Wie das Aufkommen der Landwirtschaft die prähistorischen Populationen Iberiens verändert hat, ist jedoch noch wenig bekannt.

In ihrer Studie analysierten die Forscher mittels DNA-Analysen erstmals die mütterlichen genetischen Linien von 213 Individuen und ergänzten sie mit bereits publizierten Daten von 125 Individuen. Die Proben stammen aus dem Neolithikum, der Kupferzeit und der Bronzezeit und wurden an insgesamt 57 archäologischen Grabungen in Spanien, Portugal und Marokko gefunden. Sie bilden damit den bisher grössten archäogenetischen Datensatz der Halbinsel.

Die Studie belegt im direkten Vergleich mit Mittel- und Südosteuropa eine deutlich komplexere Interaktion zwischen den iberischen Jäger-Sammler-Gruppen und den einwandernden Frühbauern aus Nahost.

Regionale und zeitliche Unterschiede

Dabei zeigt sich, dass der Anteil der bereits ansässigen maternalen Linien mit zunehmender Entfernung zur Mittelmeerküste immer stärker ansteigt. Das bedeutet, dass in Spanien schon während der Frühphase des Neolithikums die Jäger-Sammler-Gruppen und die Bauerngesellschaften öfter untereinander heirateten. Im Unterschied dazu zeigte das Erbgut von frühen Bauern im übrigen Europa dieser Zeit wenig Beimischung von Jäger- und Sammlergruppen.

Die Vielfalt weiblicher Linien setzte sich auch später fort, als die Populationen insgesamt homogener wurden. Dies deutet in auf eine höhere Mobilität und Vermischung in verschiedenen geografischen Regionen hin.

In den späteren Zeiträumen stellten die Forscher eine regionale Kontinuität der frühen neolithischen Linien fest: Bis zum Ende der frühen Bronzezeit um 1500 v. Chr. blieb der genetische Pool in Iberien weitgehend unverändert. Auch die Ausbreitung von Gruppen aus den östlichen Steppengebieten, wie sie für Mittel- und Nordeuropa typisch sind, lassen sich für die Iberische Halbinsel bisher nicht nachweisen. Hingegen ist der genetische Beitrag von Jägern und Sammlern im Allgemeinen höher als in anderen Teilen Europas und variiert regional.

«Unsere Untersuchungen lassen in Westeuropa eine etwas raschere Verschmelzung von einheimischen Jäger-Sammler-Gruppen und bäuerlichen Immigranten aus dem Nahen Osten erkennen», fasst Kurt W. Alt von der Universität Basel die Dynamik der Besiedlung der Iberischen Halbinsel zusammen.


Diese Newsmeldung wurde mit Material von idw erstellt


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