Ausgestorbener Menschenaffe Oreopithecus war kein Zweibeiner

Presseldung vom 29.07.2013


Zwei US-Forscherinnen widerlegen die Hypothese, wonach Oreopithecus wie ein Mensch aufrecht ging

Laut einer neuen Studie der beiden Anthropologinnen Gabrielle A. Russo und Liza Shapiro von der University of Texas in Austin bewegte sich der vor 7 bis 9 Millionen Jahren lebende Menschenaffe aus Italien nicht gewohnheitsmäßig auf zwei Beinen fort. Die Ergebnisse widerlegen eine lange gehegte Annahme, wonach einige anatomische Einzelheiten von Oreopithecus darauf hindeuten könnten, dass er ein bipedaler (auf zwei Beinen gehender) Menschenaffe war.

Die Studie, die in einer der nächsten Ausgaben des Journal of Human Evolution veröffentlicht wird, zeigt, dass die anatomischen Merkmale für den ständigen aufrechten Gang bis heute ausschließlich beim Menschen und seinen fossilen Vorfahren zu finden sind.

"Unsere Ergebnisse bieten neue Argumente in der Diskussion über den Bewegungsapparat von Oreopithecus", sagt Russo, derzeit Postdoktorandin an der Northeast Ohio Medical University. "Zwar ist es durchaus möglich, dass Oreopithecus bis zu einem gewissen Grad auf zwei Beinen ging, so sie es viele Menschenaffen tun, um kurze Distanzen zurückzulegen, doch immer mehr anatomische Beweise zeigen deutlich, dass er dies nicht gewohnheitsmäßig tat."

Im Rahmen der Studie analysierten die Forscherinnen den fossilen Affen, um zu sehen, ob die Anatomie seiner unteren Wirbelsäule den zweibeinigen Gang möglich gemacht hat. Sie verglichen ihre Messungen der Lendenwirbelsäule (unterer Rücken) und des Kreuzbeins (ein dreieckiger Knochen an der Basis der Wirbelsäule) mit denen des modernen Menschen, mit fossilen Hominiden (ausgestorbenen, zweibeinigen Menschenvorfahren) und mit anderen Säugetieren, die sich in den Bäumen fortbewegen, darunter Affen, Faultiere und einen ausgestorbenen Lemuren.

Die untere Wirbelsäule dient als gute Grundlage für eine Überprüfung der Hypothese, dass Oreopithecus sich ständig auf zwei Beinen fortbewegte, weil die Lendenwirbel und das Kreuzbein des Menschen verschiedene funktionelle Merkmale zeigen, die die Übertragung des Körpergewichts bei gewohnheitsmäßiger Bipedie erleichtern, sagt Russo.

Nach den Feststellungen der Forscherinnen ähnelt die Anatomie der Lendenwirbeln und des Kreuzbeins bei Oreopithecus eher einem Menschenaffen und nicht einem Menschen. Dies weist darauf hin, dass die funktionellen Anforderungen für einen aufrechten Gang, ähnlich dem des Menschen, bei Oreopithecus nicht gegeben waren.

"Die untere Wirbelsäule des Menschen ist hoch spezialisiert für den ständigen aufrechten Gang und daher ein wichtiger Bereich für die Beurteilung, ob diese einzigartige menschliche Form der Fortbewegung auch Oreopithecus beherrschte", sagt Shapiro, Professorin für Anthropologie. "Frühere Debatten über das Bewegungsverhalten von Oreopithecus konzentrierten sich auf die Anatomie der Extremitäten und des Beckens, aber niemand hat je die umstrittene Behauptung, dass sein unteren Rücken menschenähnlich war, neu untersucht."


Diese Newsmeldung wurde mit Material von Science Daily erstellt


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