Älteste Felszeichnung der Neuen Welt entdeckt

Presseldung vom 28.02.2012


In Kalksteinwand eingeritzte Menschenfigur bei Lapa do Santo, Brasilien, ist mehr als 10.500 Jahre alt

Lapa do Santo ist ein Kalkstein-Felsdach, das sich im nördlichen Sektor des Lagoa Santa Karsts, etwa 60 Kilometer von Belo Horizonte in Brasilien befindet. Die Fundstelle ist eine der größten Felsdächer in der Region Lagoa Santa mit einer geschützten Fläche von rund 1.300 m² (70 Meter lang und 20 Meter breit). Die Ausgrabungen in Lapa do Santo wurden zwischen 2002 und 2009 durchgeführt. Ausgegraben wurde eine Fläche von 44 m² in natürlichen Schichten.

Die meisten Untersuchungen über die ersten Amerikaner haben sich in erster Linie auf vier Themen konzentriert: wann die Neue Welt durch den Menschen besiedelt wurde, woher sie kamen, wie viele Migrationen oder Kolonisation es aus anderen Erdteilen gab und welche materiellen Dinge während der ersten Jahrtausende der Besiedlung entwickelt wurden.

Wenig ist jedoch bekannt über die symbolische Welt der ersten Menschen, die sich in der Neuen Welt niedergelassen haben. Denn künstlerische Ausdrucksformen, entweder als Felskunst, Schmuck und anderer Kunstgegenstände, aus der Zeit des Übergangs vom Pleistozän zum Holozän sind auf den beiden amerikanischen Kontinenten äußerst selten.

Die Felswand bei Lapa do Santo zeigt eine Ritzzeichnung und ist wohl eine stilisierte Menschendarstellung. Sie war unter einer vier Meter dicken Sedimentschicht begraben und wurde bereits im Juli 2009 von Walter Neves und seinem Team von der Universidade de Sao Paulo freigelegt.

Eine Datierung mittels Radiokohlenstoff (C-14) Methode aus der gleichen Schicht wie die Figur habe ein Mindestalter von 10.500 bis 10.700 Jahren ergeben, sagen die Forscher. Eine Bestätigung diese Alters lieferte eine Datierung von Quarzkörnern mittels optisch angeregter Lumineszenz (OSL)aus dem umgebenden Sediment , die ein Alter zwischen 10.200 und 11.700 Jahren ergab.

„Das bedeutet, dass diese Schnabelfigur die älteste figürliche Felsritzung ist, die jemals auf dem amerikanischen Kontinent gefunden wurde“, schreiben Neves und seine Kollegen. Sie werten die Figur auch als Indiz dafür, dass die ersten Menschen bereits vor deutlich mehr als 11.000 Jahren die Neue Welt besiedelten.

Die neu datierte Felsfigur unterscheidet sich von vielen der bisher bekannten steinzeitlichen Felsritzungen in anderen Teilen Nord- und Südamerikas. Nach Ansicht der Wissenschaftler zeigt dies, dass die frühen Besiedler der Neuen Welt nicht nur verschiedene Steinwerkzeuge oder Lebensweisen besaßen, sondern sich auch in ihrer Symbolwelt voneinander unterschieden.

Offenbar tauschten sich aber einzelne Gruppen durchaus auch miteinander aus: Denn die Schnabelfigur ähnelt steinzeitlichen Felsritzungen aus dem Nordosten Brasiliens, die bisher nicht genauer datiert werden konnten. „Das könnte darauf hindeuten, dass es bereits zu jener Zeit kulturellen Austausch zwischen Menschengruppen gegeben hat, die 1.600 Kilometer voneinander entfernt lebten“, meinen die Forscher.


Diese Newsmeldung wurde mit Material von PloS ONE, 2012 erstellt


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