Wustermark

Fundort: Wustermark, Fundplatz 22, Brandenburg, Landkreis Havelland, westlich von Berlin, Deutschland
Spezies: Homo sapiens
Fossil: Angelhaken aus Elfenbein
Geschätztes Alter: 12300 Jahre
Kultur: Ahrensburger Kultur, Federmesser-Gruppen

Die Gemeinde Wustermark liegt im brandenburgischen Landkreis Havelland in unmittelbarer Nähe des Naturschutzgebietes Döberitzer Heide, einem ehemaligen Truppenübungsplatz, der im Jahr 2004 von der Heinz-Sielmann-Stiftung gekauft wurde.

Ein Forschungsteam von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und des Museums für Ur- und Frühgeschichte Potsdam berichtete im April 2013 über die größte Sammlung an Angelhaken aus der Zeit der Jäger und Sammler vor 12.300 Jahren.

Schon im Jahre 1998 entdeckte der Prähistoriker Jonas Beran bei einer Ausgrabung in der Nähe des Havelkanals verdächtige Artefakte und Knochenspitzen, die auf die Tätigkeit der urzeitlichen Jäger und Sammler in dieser Region hinwiesen.

Der Potsdamer Urgeschichtsforscher und Mitautor der aktuellen Publikation, Bernhard Gramsch, ist ein Experte für die Steinzeit Nordeuropas. Er erkannte sofort den Wert, welche die Gegenstände für die Rekonstruktion der Kulturgeschichte Europas haben. Aus dem gesamten Fund bargen die Forscher sechs Angelhaken aus Knochenmaterial. „Als eine kleine Sensation stellte sich heraus, dass einer der Angelhaken gar nicht – wie zunächst vermutet – aus Knochenmaterial hergestellt war, sondern möglicherweise aus Elfenbein (Stoßzahn) des Mammuts“, berichtet Gramsch.

Demnach stellen die vorzeitlichen Angelhaken aus Wustermark (Brandenburg) neben verschiedenen Belegen aus Frankreich, Deutschland und Österreich den bisher umfangreichsten Fund an Angelhaken aus dem „Spätpaläolithikum“, der letzten Epoche der Altsteinzeit, in Europa dar. „Bisher glaubte man, dass die Angelhaken als Werkzeug zum Fischfang eine typische technische Errungenschaft der Mittleren Steinzeit (Mesolithikum) waren – die Existenz der Funde aus Brandenburg sind jedoch ein Hinweis dafür, dass das Angeln seine Wurzeln schon in der Späten Altsteinzeit hat“, sagt der Archäologe Bernhard Gramsch. „Wir können im Fall des Angelhakens aus Mammut-Elfenbein zeigen, dass die eiszeitlichen Menschen schon einen subfossilen Rohstoff für technische Zwecke nutzten, denn das Elfenbein weist ein Radiokarbonalter von etwa 19.000 Jahren auf. Erst etwa 7000 Jahre später wurde daraus der Angelhaken hergestellt“, so Gramsch weiter.

Weblink: Archäologie Manufaktur GmbH (Ortsbeschreibung und Grabungsfoto)


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Steinzeitlicher Angelhaken aus der archäologischen Fundstelle Wustermark. Das Rohmaterial ist aus Mammut-Elfenbein und zirka 19.000 Jahre alt. Der Angelhaken selbst wurde von den Jägern und Sammlern jedoch erst vor zirka 12.300 Jahren hergestellt und wahrscheinlich zum Angeln von Hechten verwendet.

Literatur

  • Gramsch B., Beran J., Hanik S. & Sommer R. S. 2013. A Palaeolithic fishhook made of ivory and the earliest fishhook tradition in Europe. Journal of Archaeological Science 40. DOI: 10.1016/j.jas.2013.01.010
  • Artikel mit Material des idw-online

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