Sunghir, Russland

Fundort: Sunghir, Stadt Vladimir, 200 km östlich von Moskau, Russland
Spezies: Homo sapiens
Geschätztes Alter: 30000 Jahre, Datierung basierend auf Radiokarbon-Methode (C-14)

Letzte Meldung:   Papua haben mehrere Denisovaner-Vorfahren   –  Als der moderne Mensch Afrika verließ, vermischte er sich mit dem Neandertaler und dem Denisova-Menschen. Ein Forschungsteam hat nun DNA-Fragmente untersucht, die diese ausgestorbenen Homininen an moderne Menschen weitergegeben haben, deren Nachfahren heute auf den Inseln Südostasiens und in Papua-Neuguinea leben. Dabei stellten sie fest, dass nicht nur eine, sondern zwei verschiedene Denisovaner-Linien – die sich schon vor Hundertausenden von Jahren voneinander getrennt hatten – Erbgut an die Vorfahren der Papua weitergegeben haben. Eine der beiden Denisova-Linien unterscheidet sich von der anderen so sehr, dass es sich bei ihr sogar um eine völlig neue Urmenschen-Gruppe handeln könnte.....

Sunghir, nach einem örtlichen Bach benannt, ist ein archäologischer Siedlungsplatz in Russland, etwa 200 km östlich von Moskau nahe der Stadt Vladimir.

Im Jahr 1955 wurden bei Ausgrabungen in einer Tongrube am Rande der Stadt Vladimir fossile Knochen sowie Stein- und Knochenartefakte gefunden, die man an das Museum von Vladimir und das Institut für Archäologie der Russischen Akademie der Wissenschaften schickte. Im Jahr 1956 fand Bader (Bader, 1967) eine Schicht mit kulturellen Hinterlassenschaften, worauf bei Sunghir systematische Ausgrabungen in Angriff genommen wurden. In den den folgenden fünfzehn Jahren nach 1957 wurde eine Fläche von mehr als dreitausend Quadratmetern freigelegt, bis man schließlich im Jahr 1964 ein Grab fand, gefolgt von einem weiteren Grab im Jahr 1969 in etwa 3 Metern Entfernung.

Im ersten Grab, das sich unter einer drei Meter mächtigen Lehmschicht und unterhalb der Kulturschicht befand, entdeckte man eine ovale Vertiefung, in der ein menschliches Skelett auf dem Rücken mit dem Kopf in nordöstlicher Richtung lag. Das Grab wurde mit einer großen Menge Ocker zugeschüttet. Reiche Verzierungen wurden auf dem Skelett gefunden: Armbänder aus Mammutstoßzähnen, Armreife mit durchbohrten Kieseln und über dreitausend Perlen, ebenfalls aus Mammutstoßzähnen. Die reichen Verzierungen, insbesondere der Skelette im zweiten Grab, übertreffen alle anderen bekannten spätpaläolitischen Bestattungen. Oberhalb des ersten Grabes fand man die schlecht erhaltene Reste eines Frauenschädels, oberhalb des zweiten Grabes die Reste des Skeletts eines Erwachsenen.

Die Artefakte des Siedlungsplatzes bestehen aus bearbeiteten Feuersteinen ​​und Knochen sowie aus Stichel-Werkzeugen. Das Überwiegen von Schabern und meißelartigen Werkzeugen, sowie die Techniken der Herstellung zeigen, so die Experten, dass die Feuersteinbearbeitung in der Sunghir-Siedlung recht archaisch war. Eine Besonderheit von Sunghir sind die zahlreichen Stücke mit einer konkaven Basis. Die Arbeitstechnik zeigt viele gemeinsame Merkmale mit den frühen Siedlungsspuren bei Kostenki am Fluss Don. Auf Grund dessen kann man von einer Kostenki-Sunghir Kultur sprechen, die der großräumigeren Seletsko-Pavlovo Kultur Mitteleuropas zugeordnet werden kann (Bader et al, 1966).

Die Umwelt der Menschen von Sunghir war Grasland mit einzelnen Baumgruppen, überwiegend mit Fichten, Birken und - weniger häufig - Pinien. In dieser Umgebung lebten Säugetiere wie das Rentier, das >Pferd, das Mammut und der Polarfuchs, zu den wichtigsten Kleinsäugern zählen die Lemminge. Das Klima kann man wohl als arktisch bezeichnen, worauf auch die Kleidung der Menschen von Sunghir hindeutet, die von Bader rekonstruiert wurde.


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Das Grab eines Mannes an der Fundstelle Sunghir in Russland aus dem Oberen Paläolithikum. Der Fund ist etwa 28.000 bis 30.000 Jahre alt.



Literatur

Koordinaten