Kocabaş, Türkei

Fundort: Kocabaş, Kokobash, Denizli Provinz, westliches Anatolien, Türkei
Spezies: Homo erectus
Fossil: Schädelkalotte
Geschätztes Alter: 500000 Jahre, Datierung basierend auf Thermolumineszenz-Methode (TL)

Letzte Meldung:   Mutter-Kind-Bindung vor 2 Millionen Jahren   –  Senckenberg-Wissenschaftler Ottmar Kullmer hat mit einem internationalen Team Zähne der ausgestorbenen Vormenschen-Art Australopithecus africanus in Hinblick auf die Nahrungsaufnahme im Kindesalter untersucht. Analysen der Zahnchemie zeigen, dass die Mütter der afrikanischen Homininen-Art ihre Kinder in den ersten 12 Lebensmonaten stillten und auch später – in Zeiten von Nahrungsknappheit – auf die Ernährung mit Muttermilch zurückgriffen. Die intensive, jahrelange Mutter-Kind-Bindung wird als eine der Ursachen für die geringe Nachkommen-Anzahl bei den Vormenschen gedeutet. Die Studie erscheint heute im renommierten Fachjournal „Nature“. ....

Kocabaş ist eine Kleinstadt im Landkreis Honaz der türkischen Provinz Denizli. Kocabaş liegt etwa 26 km nordöstlich der Provinzhauptstadt Denizli und 10 km nordöstlich von Honaz. Von hier berichten Kappelman et al. (2008) im Fachblatt American Journal of Physical Anthropology über die bemerkenswerten Umstände der Entdeckung der ersten fossilen menschlichen Schädelkalotte aus der Türkei.

Das Exemplar wurde aus in einem massiven Block aus Travertin - der bereits zu Kachel-Größe für den Natursteinmarkt zersägt war - wiederhergestellt. Überreste von fossilen Hominiden aus gemäßigten Regionen der Alten Welt sind über Zeit und Raum selten. Eine größere Anzahl solcher Funde wäre notwendig für das Verständnis der grundlegenden Fragen der menschlichen Evolution, einschließlich für das Verständnis und den Zusammenhang von Anpassung und frühen Wanderungsbewegungen.



Die Schädelkalotte füllt, so die Autoren, eine wichtige geographische und zeitliche Lücke und zeigt einige anatomische Merkmale, die mit anderen menschlichen Überresten aus dem mittleren Pleistozän Afrikas und Asiens vergleichbar sind und Homo erectus zugeordnet werden.

Am Stirnbein (Os frontale) zeigt sich eine ungewöhnliche Pathologie an der endokraniellen Oberfläche, die als Spuren einer durch Tuberkulose ausgelösten Hirnhautentzündung (Leptomeningitis tuberculosa) diagnostiziert wurden.

Die Forscher mutmaßen, dass dieser aus Afrika stammende Frühmensch dunkelhäutig gewesen sei und daher im Vergleich zu hellhäutigen Menschen deutlich weniger Vitamin D produzieren konnte, was ihn folglich besonders anfällig für diese Erkrankung gemacht haben könnte. Die Diagnose Leptomeningitis tuberculosa ist, so die Forscher, das älteste Beispiel für diese Krankheit bei einem fossilen Menschen.


Literatur

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