Haua Fteah, Libyen

Letzte Meldung:   Urmenschen mit Fingerspitzengefühl   –  Senckenberg-Wissenschaftlerin Katerina Harvati widerlegt gemeinsam mit ihrem Team der Universität Tübingen und in enger Zusammenarbeit mit dem Naturhistorischen Museum Basel die bisherige Annahme, dass sich Neandertaler bei dem Einsatz ihrer Hände hauptsächlich auf ihre Kraft verlassen hätten. In einer heute im Fachjournal „Science Advances“ veröffentlichten Studie zeigen sie....

Fundort: Haua Fteah, Große Höhle, Libyen
Spezies: Homo sapiens, Homo heidelbergensis
Fossil: Haua Fteah 1. female, 15-25 yrs: lt ramus and part lt corpus mandibulae(ff), M2, M3. Haua Fteah 2. female, 15-20 yrs: lt ramus mandibulae
Geschätztes Alter: 120.000 Jahre, Datierung basierend auf Thermolumineszenz-Methode (TL), Middle Stone Age (MSA) Artefakte.
Kultur: Moustérien, Oberes Paläolithikum

Haua Fteah oder Große Höhle ist eine außergewöhnlich gut konservierte Fundstelle aus der Steinzeit. In der Höhle befinden sich dicke Ablagerungen, in denen viele Artefakte gefunden wurden. Die Schichten umspannen einen Zeitraum von über 80.000 Jahren und enthalten Ansammlungen von Werkzeugen der verschiedensten Kulturstufen. Ein großer Teil dieser Ablagerungen stammt vermutlich aus dem Mittleren Paläolithikum oder Middle Stone Age (MSA).

Haua Fteah ist eine natürliche Höhle an der nördlichen Küste der Kyrenaika in Libyen. Die Höhle selbst ist massiv, ihre Öffnung bildet einen Bogen von 18 Metern Höhe und 54 Metern Breite. Sie besteht aus einem riesigen vertikalen, runden Schacht mit einem Überhang nach vorne. Dieser Schacht füllte sich im Laufe der Jahrtausende durch verschiedene geologische Prozesse mit Schlick. Im Bereich der Höhle wächst mediterrane Vegetation, umgeben von Wüste und Halbwüste.

Die Fundstelle wurde von C.B.M. McBurney und C.T. Houlder entdeckt. Es fanden drei Ausgrabungen statt: die erste im Jahr 1951, gefolgt von einer zweiten im Jahr 1952 und der dritten Ausgrabung im Jahr 1955. Mit jeder Ausgrabung stieß man tiefer und tiefer in den Schacht vor. Am Ende hatte man fast 13 Meter Sedimente ausgehoben, bevor man den Boden erreichte. Die Datierungen von Haua Fteah variieren je nach Schicht. Die früheste Altersbestimmung für den Abschnitt des Mittleren Paläolithikums wurde mit der Radiokohlenstoff-Methode auf etwa 55.000 Jahre ± 8000 Jahre datiert.

Die Bestimmung der Paläo-Umwelt ist ziemlich sicher. Archäologen waren in der Lage, eine Reihe von Besiedlungen in der Haua Fteah auszumachen. Aus dem Vergleich der Anteile der verschiedenen Faunen konnte das Klima rekonstruiert werden. Während der MSA war das Klima ähnlich dem heutigen, mit Wechseln von Sommer und Winter. Darüber hinaus scheinen die bewohnten Phasen mit dem Steigen und Fallen des Meeresspiegels zu korrelieren. Bei hohem Meeresspiegel war der Eingang der Höhle näher an der Küste - ein gutes Lebensumfeld, mit Wasser und Unterschlupf in der Nähe.

Die Artefakte von Haua Fteah sind zahlreich und vielfältig, allerdings gibt es nur eine geringe Funddichte in den Schichten der MSA. Die Artefakte sind charakterisiert durch eine Mischung von Elementen aus entwickeltem Levallois und Mousterien. Eine Kombination der Industrien ist in den verschiedenen Schichten erkennbar: entwickeltes Hybrid-Mousterien, Levallois und Mousterien. Es gibt viele Abschläge und andere Fragmente aus Stein und Knochen, erstaunlicherweise gibt es nur wenige komplette Werkzeuge. Schaber und Stichel sind überall zu finden, neben Kernen und bifacialen Werkzeugen. Allerdings sind Spitzen praktisch nicht vorhanden.


Literatur

  • Martini, M., Sibilia, E., Zelaschi, C., Troja, S. O., Forzese, R., Caputa, C., et al. 1998. TL and OSL dating of fossil dune sand in the Uan Afuda and Uan Tabu sites (Tadrart Acacus, Libyan Sahara). Wadi Teshuinat. Palaeoenvironment and Prehistory in South-western Fezzan (Libya), CNR, Milano, 67-72

Koordinaten

  • 32.899948° N, 22.051535° E von Henry Gilbert,
     

Das könnte Dir auch gefallen