Happisburgh

Fundort: Happisburgh, Norfolk, England, Großbritannien
Spezies: Homo heidelbergensis, (antecessor)
Geschätztes Alter: 900000 Jahre , Datierung basierend auf Paläomagnetismus

Happisburgh ist eine Gemeinde in der englischen Grafschaft Norfolk an der Ostküste Englands. Die Gemeinde liegt etwas abseits der Küstenstraße von Ingham nach Bacton.

Archäologische Funde aus Happisburgh zeigen, dass die frühen Menschen 80.000 Jahre früher in Nordeuropa siedelten, als bisher angenommen - vielleicht schon vor 780.000 Jahren, möglicherweise sogar schon vor 950.000 Jahren. Diese unerschrockenen Vorgänger des modernen Homo sapiens, die sich aus Südeuropa kommend ausbreiteten, legten möglicherweise eine überraschende Fähigkeit an den Tag, sich an das kältere Klima anzupassen.

Die sensationellen Belege tauchten an einer Ausgrabungsstätte bei Happisburgh auf, die durch Erosion der Küstenlinie schon vor den archäologischen Arbeiten freigelegt wurde. Der Fund besteht aus 78 Feuerstein-Artefakten, die nach Ansicht des Forschungsteams von einer Gruppe Jägern und Sammlern dazu benutzt wurde, Holz zu durchbohren oder Fleisch zu schneiden.

Die ersten Menschen kamen vor rund 1,8 Millionen Jahren von Afrika nach Europa. Da diese Wanderer an wärmeres Klima angepasst waren, glaubten Archäologen bisher, dass sie sich nicht so weit nördlich bis nach Happisburgh, einem vergleichsweise kalten und unwirtlichen Ort, ausgebreitet haben können.

Die Datierung von Happisburgh basiert auf einer Kombination von Methoden. Die Artefakte wurden zu einer Zeit in Sedimenten eingebettet, als sich die Polarität des Erdmagnetfeldes umkehrte, Nord- und Südpol die Plätze tauschten. Man weiß, dass die letzte große Umpolung vor rund 780.000 Jahren geschah, so dass es wahrscheinlich ist, dass die Artefakte aus Happisburgh mindestens genauso alt sind.

Darüber hinaus suchte man nach fossilen Pflanzen und Tieren, um dieses hohe Alter zu untermauern. Die bekannte Überlappung zwischen dem Verschwinden einiger Arten und dem Auftreten neuer, kann die Zeitspanne einer Datierung nochmals verkürzen. Diese biostratigraphischen Analysen und geologische Belege der Ur-Themse überzeugten die Forscher, dass die frühen Menschen von Happisburgh im späteren Abschnitt einer warmen Zwischeneiszeit, vor rund 840.000 bis 950.000 Jahren lebten.


Literatur

  • Parfitt S. A., Ashton M. N. et al. 2010. Early Pleistocene human occupation at the edge of the boreal zone in northwest Europe. Nature 466, pp. 229–233, DOI: 10.1038/nature09117

Koordinaten

  • 52.824200° N, 1.530900° E von Henry Gilbert,

Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages
BP 64
BP 64

Sivapithecus darwini

Elemente: L. LM2

,

25.09.2020
Vor 120.000 Jahren: Älteste sicher datierte Nachweise von Menschen auf der arabischen Halbinsel
Unter Verwendung hochauflösender paläoökologischer Informationen, die aus versteinerten Fußabdrücken gewonnen wurden, präsentiert eine neue, in ...
25.09.2020
Neandertaler haben männliches Geschlechtschromosom vom modernen Menschen übernommen
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Martin Petr und Janet Kelso vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipz...
21.09.2020
Versteinerte Bäume im Thüringer Wald: Forscherteam entschlüsselt fossile Mikrowelten
Paläontologen des Museums für Naturkunde Chemnitz und der TU Bergakademie Freiberg führen aktuell in Manebach bei Ilmenau wissenschaftliche Grabung...
21.09.2020
Auch Schimpansen leiden ein Leben lang, wenn sie im Kindesalter die Mutter verlieren
Der Tod eines Elternteils ist für ein Kind traumatisch und Waisenkinder leiden häufig für den Rest ihres Lebens unter diesem Verlust – ein verzö...
21.09.2020
Älteste Spermien der Welt
In einem Bernstein entdeckte ein internationales Team von Paläontologen im Inneren eines weiblichen Muschelkrebses 100 Millionen Jahre alte Riesenspe...
17.09.2020
Schimpansenverhalten und -kultur sind in variabler Umwelt am vielfältigsten
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und dem Deutschen Zentrum für integrat...
15.09.2020
Weinpresse aus der Eisenzeit gibt Aufschluss über Bautechnik der Phönizier
Forschungsteam der Universität Tübingen entdeckt seltenen Nachweis der frühen Weinherstellung an der Ausgrabungsstätte Tell el-Burak im Libanon.
09.09.2020
Die älteste Neandertaler-DNA Mittelosteuropas
Ein internationales Team berichtet in einer neuen Studie über das älteste mitochondriale Genom eines Neandertalers aus Mittelosteuropa. Das aus eine...
09.09.2020
Das letzte Zucken der Eiszeit
Ein internationales Team von Forschenden blickt präzise wie nie in das Ende der letzten Eiszeit. Wann und wo genau die Jüngere Dryaszeit begann und ...
03.09.2020
Milchverträglichkeit hat sich in wenigen Tausend Jahren in Mitteleuropa verbreitet
Paläogenetiker der Johannes Gutenberg-Universität Mainz finden nur in wenigen Knochen vom bronzezeitlichen Schlachfeld an der Tollense Hinweise auf ...
03.09.2020
Himmelsscheibe von Nebra wird neu datiert
Bisher galt die Himmelsscheibe von Nebra als frühbronzezeitlich und damit als älteste Himmelsdarstellung der Welt. Archäologen der Goethe-Universit...
03.09.2020
Künstliche Intelligenz hilft in der Archäologie
Künstliche Intelligenz ist besser als bisherige Softwareanwendungen in der Lage, den Ursprung archäologischer Funde aus naturwissenschaftlichen Unte...
26.08.2020
Bronzezeit: Fremde Ernährungstraditionen in Europa
Nicht nur Metalle, hierarchische Gesellschaften und befestigte Siedlungen: In der Bronzezeit beeinflusste auch ein neues Lebensmittel die ökonomische...
26.08.2020
Wie sich Neandertaler an das Klima anpassten
Klimaveränderungen kurz vor ihrem Verschwinden lösten bei den späten Neandertalern in Europa eine komplexe Verhaltensänderung aus: Sie entwickelte...
17.08.2020
Radiokarbonuhr zur C-14 Datierung neu geeicht
Die Radiokarbondatierung wird genauer als je zuvor: Als Teil eines internationales Forschungsteam trug die Universität Hohenheim dazu bei die Technik...
06.08.2020
Langer Hals half Saurier bei Unterwasserjagd
Sein Hals bestand aus dreizehn extrem verlängerten Wirbeln und war dreimal so lang wie sein Rumpf: Der Giraffenhalssaurier Tanystropheus lebte vor 24...
06.08.2020
Ein Riesenkranich aus dem Allgäu
Forschungsteam beschreibt rund elf Millionen Jahre alten Vogelschädel von der Fundstelle Hammerschmiede als frühesten Nachweis eines großen Kranich...
04.08.2020
Jonah’s Mausmaki: Internationales Forscherteam entdeckt in Madagaskar neue Primatenart
Ein Zusammenschluss von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus sechs Ländern hat in Madagaskar eine neue Mausmaki-Art entdeckt. Das Forscherte...
31.07.2020
Bisher älteste Bissspuren von Säugetieren auf Dinosaurierknochen entdeckt
Forschungsteam der Universität Tübingen belegt, dass kleine Säuger aus dem Nordwesten Chinas vor 160 Millionen Jahren Aas nicht verschmähten.
30.07.2020
Wie die Landwirtschaft ins Ammertal einzog
Forschungsprojekt erstellt geoarchäologisches Archiv der ersten Mensch-Umwelt Interaktionen in Tübinger Region: Landschaft wandelte sich vom Feuchtg...
30.07.2020
55 Millionen Jahre altes Skelett einer Eule
Senckenberg-Wissenschaftler Gerald Mayr hat mit Kollegen aus Belgien und den USA eine neue fossile Eulenart beschrieben. Das Skelett von Primoptynx po...
25.07.2020
Kluge Köpfe entwickeln geschickte Hände
Affenarten mit grossen Gehirnen beherrschen schwierigere Handgriffe als solche mit kleinen Hirnen. Doch das Erlernen feinmotorischer Fähigkeiten wie ...
25.07.2020
Neandertaler besaßen niedrigere Schmerzschwelle
Schmerz wird durch spezielle Nervenzellen übertragen, die aktiviert werden, wenn potenziell schädliche Einflüsse auf verschiedene Teile unseres Kö...
20.07.2020
Werkzeug-Satz aus Elfenbein
Meißel aus Mammutstoßzähnen wurden vor 38.000 Jahren multifunktional eingesetzt – Archäologen der Universität Tübingen präsentieren im Urgesc...
16.07.2020
Schwanz wog zweieinhalb Tonnen
Ein Forscherteam unter der Leitung von Verónica Díez Díaz, Postdoktorandin an der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Museum für Naturkunde Be...