Geißenklösterle, Deutschland

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Fundort: Geißenklösterle, Schwäbische Alb, Baden-Württemberg, Deutschland
Spezies: Homo sapiens
Geschätztes Alter: 42.000 Jahre
Kultur: Aurignacien, Gravettien
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Flöte aus einem Vogelknochen, Fundstück aus dem Geißenklösterle.

Das Geißenklösterle ist ein Abri im Achtal bei Blaubeuren und zugleich ein bedeutender archäologischer Fundplatz des Jungpaläolithikums.

Das Geißenklösterle gehört zu einer Reihe von Höhlen, in denen der frühe europäische Homo sapiens zwischen 43.000 und 30.000 Jahren Spuren von außergewöhnlicher Kunstfertigkeit hinterließ. Weitere wichtige Höhlen in der Gegend heißen Vogelherd, Brillenhöhle, Große Grotte, Hohle Fels und Hohlenstein-Stadel.

Das Geißenklösterle wurde erst in den 19-fünfziger Jahren von Rainer Blumentritt entdeckt. Erste Erkundungen fanden bereits 1957 statt, erst gefolgt von den äußerst ergiebigen Ausgrabungen der Jahre 1973 bis 1991, die von Joachim Hahn geleitet wurden. Neuere Untersuchungen wurden zwischen 2000 und 2002 von Nicholas J. Conard durchgeführt. Seine Grabungen konzentrierten sich hauptsächlich auf die Fundplatzgenese und den Übergang vom Neandertaler zum anatomisch modernen Menschen, also auf das Mittelpaläolithikum und das frühe Aurignacien.

In der Höhle konnte man sechs Ebenen dem Aurignacien zuordnen, sieben dem Gravettien. Es finden sich aber auch frühere Schichten, die zum Mittelpaläolithikum gehören und ältere, die die Zeit des Magdalénien umfassen. An der Basis der Stratigraphie fanden sich auch Hinterlassenschaften des Neandertalers.

Zu den bekanntesten Stücken aus dem Geißenklösterle gehören zwei Flöten aus Vogelknochen und Mammut-Elfenbein. Sie repräsentieren die wohl ältesten bekannten Musikinstrumente der Menschheit und sind zwischen 42.000 und 43.000 Jahre alt.

Die Reste der eiszeitlichen Tierwelt im Geißenklösterle wurden von Susanne Münzel erfasst und bearbeitet. Sie beschreibt Reste von Mammuts, Rentieren, Wildpferden, Steinböcken, Wollnashörnern, Hasen und Füchsen sowie von Fischen und Vögeln. Die Knochen von Höhlenbären sind in fast allen Schichten vertreten und nehmen deshalb eine besondere Stellung ein. Diese riesigen, eiszeitlichen Raubtiere hielten im Geißenklösterle wohl über Jahrzehntausende hinweg ihren Winterschlaf.

Die Schichten des Aurignacien datieren auf ein Alter zwischen 43.000 und 32.000 Jahren. Hier fand man neben Steinwerkzeugen und Artefakten aus Geweih, Knochen und Elfenbein auch eine Vielzahl von Schmuckstücken. Aus der oberen Schicht dieser Epoche stammen die wohl ältesten figürlichen Darstellungen der Welt - vier kleine Elfenbeinfiguren, die ein Mammut, einen Wisent, einen Bären sowie eine menschliche Gestalt darstellen. Aus dieser Schicht stammen auch die beiden oben erwähnten Flöten aus Vogelknochen und Elfenbein.


Literatur

  • Higham T., Basell L., Jacobic R., Wood R., Bronk-Ramsey C., Conard N. J. 2012. Τesting models for the beginnings of the Aurignacian and the advent of figurative art and music: The radiocarbon chronology of Geißenklösterle. Journal of Human Evolution.
    DOI: 10.1016/j.jhevol.2012.03.003

Koordinaten

  • 48.398335° N, 9.772222° E von Henry Gilbert,
     

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