Einhornhöhle, Deutschland

Letzte Meldung:   Urmenschen mit Fingerspitzengefühl   –  Senckenberg-Wissenschaftlerin Katerina Harvati widerlegt gemeinsam mit ihrem Team der Universität Tübingen und in enger Zusammenarbeit mit dem Naturhistorischen Museum Basel die bisherige Annahme, dass sich Neandertaler bei dem Einsatz ihrer Hände hauptsächlich auf ihre Kraft verlassen hätten. In einer heute im Fachjournal „Science Advances“ veröffentlichten Studie zeigen sie....

Fundort: Einhornhöhle, Scharzfeld, Harz, Deutschland
Spezies: Homo neanderthalensis
Geschätztes Alter: 143.500 Jahre, Datierung basierend auf Uran/Thorium-Methode
Kultur: Moustérien

Die Einhornhöhle befindet sich etwa 1,5 Kilometer nördlich der Ortschaft Scharzfeld im Landkreis Osterode am Harz. Sie liegt im Gebiet der sog. Brandköpfe, die hier ein Plateau bilden, etwa 150 Meter über der Talsohle des nahen Odertales. Die Einhornhöhle entstand im Perm im Zechsteindolomit, wo die allmähliche Verwitterung seit Jahrhunderttausenden zur Enstehung von Höhlensystemen geführt hat.

Die Grabungen von 1985-1988 wurden an vier verschiedenen Stellen der Einhornöhle durchgeführt. Überall wurden Steinartefakte gefunden und somit war der Nachweis der Anwesenheit des „Urmenschen“ in der Einhornhöhle gelungen.

Aufgrund ihrer technologischen Kennzeichen scheint es sicher zu sein, dass die Steinartefakte älter als 40.000 Jahre sind. Die Absolutdatierungen und die Faunenzusammensetzung der in den gleichen Schichten gefundenen Tierknochen zeigt eine zeitliche Stellung der Artefakte von der mittleren Weichsel-Kaltzeit bis in die Eem-Warmzeit an, d.h. in den Sedimenten spiegelt sich eine Abfolge der Besiedlung der Höhle im Zeitraum vor ca. 130.000 bis 70.000 Jahren vor heute wider.

Die Funde aller Ausgrabungen in den pleistozänen Schichten der Einhornhöhle werden eindeutig von Knochen und Zähnen des Höhlenbären dominiert. Diesen Funden schrieb man schon in der Vergangenheit eine besondere Bedeutung zu, da an ihnen die Evolutionsphasen und die Ausbildung der Zähne erforscht werden konnten. Diese zeigen im Gegensatz zu den Zähnen anderer Raubtiere, dass sich Höhlenbären im Laufe des Eiszeitalters mit fortlaufender Veränderung ihres Gebisses vom Fleischfresser weg zu fast reinen Pflanzenfressern entwickelten. Der „Einhornhöhlenbär“ steht hinsichtlich seiner Entwicklung zwischen den primitiven Bären des älteren Eiszeitalters (Ursus etruscus und Ursus deningeri) und dem voll entwickelten Höhlenbären in der Endphase der letzten Eiszeit (Ursus spelaeus), wie er der Wissenschaft vor allem aus Süddeutschland und dem alpinen Raum bekannt ist. Vergleichbares gibt es nur aus wenigen Höhlen.

Weblink: Die Einhornhöhle - Bühne der Verborgenheit


Literatur

  • Döppes, D., Kempe, S., & Rosendahl, W. 2008. Dated Paleontological cave sites of Central Europe from Late Middle Pleistocene to early Upper Pleistocene (OIS 5 to OIS 8). Quaternary International, 187(1), 97-104

Koordinaten

  • 51.635014° N, 10.404214° E von Henry Gilbert,
     

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