Oliver Abels (SBT) / CC BY-SA 3.0

Wetterau-Museum


Wetterau-Museum
Friedberg - Stadtmuseum.jpg
Gebäudeansicht von Westen
Daten
Ort Friedberg (Hessen)
Art Kulturgeschichtliches Museum
Eröffnung um 1900
Betreiber Stadt Friedberg (Hessen)/ Wetterauer Museumsgesellschaft e.V.
Leitung Johannes Kögler M.A.

Das Wetterau-Museum in Friedberg, Hessen, zeigt kulturgeschichtliche Exponate und archäologische Funde aus Friedberg und der Wetterau. Die frühen Epochen der Menschheitsgeschichte in der fruchtbaren Kulturlandschaft sind durch zahlreiche Bodenfunde repräsentiert. Einen Schwerpunkt bilden bedeutende Fundstücke von den Kelten sowie aus der römischen Zeit. Die mittelalterliche Geschichte von Reichsstadt, Burg und Burggrafschaft Friedberg ist durch zahlreiche Exponate dargestellt. Die Ausstellung zur Neuzeit greift herausragende Themen und Ereignisse der regionalen Geschichte auf, darunter eine großflächige Schau zur Mechanisierung der Landwirtschaft sowie Elvis-Erinnerungen.

Lage

Das Museum befindet sich in der Nachbarschaft der Stadtkirche zwischen Haagstraße und Schnurstraße (Eingang Haagstraße 16). Das Museum ist zu Fuß vom Bahnhof Friedberg und der Friedberger Altstadt zu erreichen. Parkmöglichkeiten befinden sich unmittelbar westlich sowie im Parkhaus in der Alten Bahnhofstraße.

Im gleichen Gebäude ist auch der Kunstverein Friedberg mit Ausstellungsräumen sowie die Kreisarchäologie des Wetteraukreises vertreten.

Geschichte des Museums

Die Gründung des Wetterau-Museums fällt in die Zeit kurz vor 1900, als in Friedberg zahlreiche Funde aus der Römerzeit entdeckt wurden. Auch der Friedberger Geschichtsverein wurde damals gegründet. Der Standort des Museums wechselte mehrmals. Es befand sich zunächst im Feldwebelbau des Großherzoglichen Schlosses auf der Burg Friedberg, seit 1901 in der Augustinerschule, ab 1905 in der Usagasse 38, bis es 1913 an den jetzigen Standort umzog. Wegen des Ersten Weltkriegs konnte es jedoch erst am 16. Mai 1920 am neuen Standort eröffnet werden. Dort blieb es bestehen mit Ausnahme der Auslagerung der Bestände im Zweiten Weltkrieg. Der Name änderte sich anfangs mehrmals (Historisches Museum der Stadt und der Wetterau und Wetterauer Museum) Das zweigeschossige Museumsgebäude wurde 1882 für städtische Pferdeställe und eine Gewerbeschule erbaut und steht unter Denkmalschutz.[1]

Aufgrund von Brandschutzmängeln ist das Museum derzeit nur an Wochenenden geöffnet. Die erforderlichen Aufwendungen für die Brandschutzsanierung und operative Verluste führen derzeit auch zu einer Infragestellung des aktuellen Standorts des Museums.[2]

Sammlung

Blick in die Sonderausstellung 2010
Bronzezeitliches Grab aus Wölfersheim (BZ Stufe Wölfersheim)

Das Wetterau-Museum dokumentiert mit seinen Exponaten das Leben der Menschen in Friedberg und der Wetterau von der Vorgeschichte bis ins 20. Jahrhundert. Durch diese kulturgeschichtliche Ausrichtung liegt ein besonderer Schwerpunkt in der archäologischen Abteilung, welche einen großen Teil des Erdgeschosses einnimmt. Im ersten Stockwerk befinden sich vorwiegend mittelalterliche und neuzeitliche Objekte. Ein großer Teil des Obergeschosses ist für längere Sonderausstellungen reserviert. 2010 widmete sich eine solche der jüdischen Geschichte Friedbergs. Bis September 2011 schloss sich eine Ausstellung über archäologische Funde von der Neubautrasse der Bundesstraße 3a an.

Die Wetterau in Vor- und Frühgeschichte

Die Fruchtbarkeit ihres Lösslehmbodens machte die Wetterau schon in frühgeschichtlicher Zeit zu einem bevorzugten Siedlungsraum; aus allen archäologisch relevanten Epochen sind hier zahlreiche herausragende Fundstücke verzeichnet. Steinartefakte der Altsteinzeit gehören zu den ältesten bekannten Funden der Region. Mit dem Übergang zu Ackerbau und festen Wohnsitzen gibt es in der Wetterau zahlreiche Funde jungsteinzeitlicher Kulturen, die im Museum durch Keramik, Tonidole und Steinwerkzeuge repräsentiert sind.

Bestattungen mit teilweise reichen Beigaben geben Einblick in die verschiedenen Kulturen und ihre Hinterlassenschaften. Davon ist besonders das Inventar eines Frauengrabs zu nennen, das eponymer Fundort war für die Stufe Wölfersheim der Bronzezeit.[3]

Ebenfalls in zahlreichen Vitrinen mit Grabinventaren ist das Frühmittelalter vertreten, zunächst mit alamannischen, seit dem 6. Jahrhundert n. Chr. fränkischen Funden.

Kelten in der Wetterau

Das Museum ist Anlaufpunkt an der Keltenstraße. Eine 2002 neu gestaltete Abteilung veranschaulicht anhand regionaler Funde die Lebensbedingungen der Kelten mit Hausbau, Handwerkstechniken, Landwirtschaft, Handel, Ernährung bis hin zur Religion. Neben Funden und Rekonstruktionen ermöglichen Karten und Großfotos Einblicke in ein Jahrtausend keltischer Kultur.

Römerzeit am Wetteraulimes

Münzschatz aus Ober-Florstadt, 1136 Denare.

Besonders umfangreich und qualitätvoll ist die römische Epoche vertreten. Anziehungspunkt ist dabei die Präsentation des Münzschatzes von Ober-Florstadt, der aus 1136 Denaren besteht.[4] Einen seltenen Glücksfall für die Archäologie stellt das Grabinventar aus dem Gräberfeld einer Villa rustica bei Wölfersheim-Wohnbach dar, weil Grabfunde aus dem Umfeld dieser Anlagen relativ selten sind. Die prächtige Ausstattung lässt darauf schließen, dass es sich bei der bestatteten Frau um ein Mitglied der Besitzerfamilie gehandelt hat.

Sehr zahlreich vertreten sind die Steindenkmäler aus römischer Zeit, darunter ein Mithrasrelief sowie zwei cautopates (Fackelträger). Ebenfalls aus dem Friedberger Mithraeum stammen zwei Inschriften von beneficiarii consulares.[5] Vom Kastell Kapersburg sind zwei Steindenkmäler ausgestellt, ein Epona-Relief[6] sowie die Bauinschrift vom horreum.[7] Vervollständigt wird die Steinsammlung von einem Leugenstein der Civitas Taunensium,[8] der sich vor dem Treppenaufgang befindet. Es handelt sich um eine der spätesten Inschriften aus dem direkten Hinterland des Limes vor dem sogenannten Limesfall, datiert auf das Jahr 250 n. Chr.

Weitere Vitrinen zeigen Funde zu den Themen Handel und Handwerk, Schreiben und Lesen, römische Küche und Soldatenleben am Limes. Eine Villa rustica ist als Modell nachgebildet.

„Glanzstücke“ zur Geschichte der Stadt und Burg Friedberg

Die Abteilung im Obergeschoss des Museums präsentiert die Geschichte der Reichsstadt Friedberg, der Reichsburg und der Burggrafschaft Friedberg. Ein Modell zeigt eine der größten Burganlagen Deutschlands zusammen mit der Stadt. Drei historische Ansichten aus dem 16. Jahrhundert, davon eine über drei Meter breit, lassen die Reichsstadt im späten Mittelalter lebendig werden. Weitere Ausstellungsstücke gehören zur Stadtkirche sowie zur jüdischen Gemeinde in Friedberg, von der in der Altstadt ein Ritualbad erhalten ist.[9]

Ebenfalls in dieser Abteilung wird das sogenannte „Lutherschwert“ ausgestellt, ein Bidenhänder, der dem Reichsherold Kaspar Sturm zugeschrieben wurde. Das Schwert ist im Rahmen von Sonderausstellungen, besonders im aktuellen Lutherjahrzehnt häufiger ausgeliehen. Es wurde 1841 von Nachfahren durch einen Friedberger Buchhändler für 200 Gulden erworben und gelangte zunächst als Dauerleihgabe in das Museum. In den 1970er Jahren wurde es schließlich der Stadt Friedberg geschenkt. Die schneckenförmig aufgerollten Enden der Parierstange zeigen, dass es zum sogenannten deutschen Typ gehört, der um 1520 noch nicht verbreitet war. Neuere Untersuchungen datieren das Schwert deshalb auf das späte 16. oder frühe 17. Jahrhundert.[10]

Eher ungewöhnlich in dem historisch ausgerichteten Museum ist eine Sammlung von Kunstwerken des 20. Jahrhundert mit Werken von Hans Arp, Lucio Fontana, Hermann Goepfert und Ernst Wilhelm Nay. Sie kamen mit dem Nachlass des Friedberger Lyrikers und Essayisten Fritz Usinger an das Museum und haben einen festen Platz im ersten Obergeschoss.[11]

Von der Sichel zur Dreschmaschine

Eine großräumige Ausstellung schließt im Erdgeschoss an die Vor- und Frühgeschichte an. Grund für den hohen Platzbedarf ist das Thema Zur Modernisierung und Mechanisierung der ländlichen Arbeitswelt in der Wetterau 1800-1959. Angefangen bei einfachen bäuerlichen Werkzeugen reicht die Palette der Ausstellungsstücke über eine Lanz-Dreschmaschine bis zu einem Lanz-Bulldog von 1927.

Kolonialwarenladen der Jahrhundertwende

Kolonialwarenladen um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert

Als Schenkung der Familie Steinhauer gelangte das Inventar des Friedberger Einzel- und Großhandelsgeschäfts der Familien Wagner und Steinhauer an das Museum. Es befindet sich im Ersten Stock mit dem Sortiment und der Präsentation um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ausgestellt. Das anfängliche (1792) Angebot an Waren des täglichen Bedarfs, Glas und Porzellan wurde später zu einem Einzel- und Großhandelsgeschäft ausgebaut, wobei eine Kaffeerösterei, Tabakgroßhandel und Handel mit Beleuchtungsartikeln hinzukam.[12]

Datei:Wetteraumuseum Elvis Ausstellung.jpg
Blick in die Elvis-Ausstellung.

The Army Home of Elvis Presley

Im Anschluss an eine Sonderausstellung zum 25. Todestag 2002 wurde 2003 in die stadtgeschichtliche Ausstellung ein Teil zu dem wohl berühmtesten Gast Friedbergs, Elvis Presley, integriert. Presley war zwischen 1958 und 1960 als Soldat in den Ray Barracks in Friedberg stationiert, gewohnt hat er in Bad Nauheim. Die Ausstellung zeigt unter anderem Bilder von Elvis als Soldat, aus dem Friedberg der späten 50er Jahre sowie einige Originalobjekte.[13]

Der Museumshof

Blick in den Museumshof, in der Bildmitte die Figur vom Georgsbrunnen

Der Innenhof des Museums wird sowohl für museumspädagogische Veranstaltungen als auch zur Ausstellung von Steindenkmälern genutzt. Hier befindet sich unter anderem eine barocke Statue des Heiligen Georg mit dem Drachen vom Georgsbrunnen in der Burg. Weiterhin sind mehrere Teile von anderen Friedberger Brunnen sowie frühneuzeitliche Grabplatten ausgestellt. In der Tordurchfahrt befindet sich der Grabstein des Friedberger Burggrafen Johann Brendel von Homburg.[14]

Literatur

  • Dietwulf Baatz und Hans-Günther Simon in: D. Baatz und Fritz-Rudolf Herrmann (Hrsg.): Die Römer in Hessen. 3. Auflage. 1989. Lizenzausgabe Nikol, Hamburg 2002, ISBN 3-933203-58-9, S. 305–311.
  • Sabine Cronau: Wetterau-Museum – Sensenmann und »Urbembel von Hessen«. In: Hendrik Markgraf (Hrsg.): Museumslandschaft Rhein-Main. Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-7973-0490-0, S. 58–60.
  • Johannes Kögler: Das Wetterau-Museum. Historisches Museum für Friedberg und die Wetterau. Herausgegeben vom Magistrat der Kreisstadt Friedberg (Hessen) (Friedberg 2007).
  • Museen in Hessen. Herausgegeben vom Hessischen Museumsverband, Kassel 1994, S. 165–167, ISBN 3-9800-508-8-2
  • Wetterau-Museum – Regionales Limesinformationszentrum der Wetterau. In: Kreisausschuss des Wetteraukreises (Hrsg.): Die Römer entdecken! Ausflugsziele in der Wetterau. Friedberg 2010, ISBN 978-3-00-030758-4, S. 100f.
  • Adelslandschaft Wetterau im 18. und 19. Jahrhundert. Ständische Repräsentation im Zeitalter der Auflösung der Feudalgesellschaft. Abteilungskatalog 1982 Wetterau-Museum Friedberg (Hessen). Herausgegeben vom Magistrat der Stadt Friedberg, Bindernagel, Friedberg 1982, ISBN 3-87076-036-2.

Weblinks

 <Lang> Commons: Wetterau-Museum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Heinz Wionski: Kulturdenkmäler in Hessen. Wetteraukreis II, Teilband 2, Friedberg bis Wöllstadt. Herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Vieweg, Braunschweig/ Wiesbaden 1999, ISBN 3-528-06227-4, S. 608. (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland).
  2. FAZ, Rhein-Main-Zeitung: Zukunft des Wetterau-Museums ungewiss, 16. Februar 2013, S. 54
  3. Zu den Wölfersheimer Gräbern siehe Wolf Kubach: Gräber zwischen Hügelgräber- und Urnenfelderkultur. Die bronzezeitlichen Grabfunde von Wölfersheim. In: Vera Rupp (Hrsg.): Archäologie der Wetterau. Bindernagel, Friedberg 1991, ISBN 3-87076-065-6 S. 175–186 (Sonderausgabe der Wetterauer Geschichtsblätter 40/1991).
  4. Zum Münzschatz siehe Helmut Schubert: Ein kaiserzeitlicher Denarfund aus dem Kastell von Ober-Florstadt. In: Vera Rupp (Hrsg.): Archäologie der Wetterau. Friedberg 1991, S. 271–285 oder derselbe: Der Denarschatz von Ober-Florstadt. Ein römischer Münzschatz aus dem Kohortenkastell am östlichen Wetteraulimes. Wiesbaden 1994 (Archäologische Denkmäler in Hessen 118).
  5. Corpus Inscriptionum Latinarum: CIL 13, 7399,CIL 13, 7400
  6. Inschrift: CIL 13, 07438, zum Relief siehe CSIR-D-03-12, 00163.
  7. CIL 13, 7441
  8. CIL 13, 9123
  9. Zur jüdischen Geschichte Friedbergs siehe Friedrich Battenberg: Friedberg und die Juden in Hessen. In: Bernd Heidenreich/ Klaus Böhme (Hrsg.): Hessen: Geschichte und Politik. Kohlhammer, Stuttgart 2000, ISBN 3-17-016323-X, S. 122–134 (Schriften zur politischen Landeskunde Hessens 5).
  10. Siehe dazu Harald Meller/ Siegfried Bräuer (Hrsg.): Fundsache Luther: Archäologen auf den Spuren des Reformators. Begleitband zur Landesausstellung „Fundsache Luther – Archäologen auf den Spuren des Reformators“ im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale) vom 31. Oktober 2008 bis 26. April 2009. Theiss, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8062-2201-2 Kat. D15; Carl A. Hoffmann u.a. (Hrsg.): Als Frieden möglich war. 450 Jahre Augsburger Religionsfrieden. Begleitband zur Ausstellung im Maximilianmuseum Augsburg, Schnell und Steiner, Regensburg 2005, S. 311f. Kat. I.12.
  11. Zur Sammlung Usingers siehe Johannes Kögler: ARP · FONTANA · GOEPFERT · NAY. Fritz Usinger als Kunst-Essayist. In: Wetterauer Geschichtsblätter 39, 1990, Bindernagel, Friedberg, ISBN 3-87076-062-1, S. 5–147.
  12. Ulrike Lischewsky: Supermarkt der Jahrhundertwende – Kolonialwarenladen Steinhauer. In: Mitteilungen: Journal des Hessischen Museumsverbandes 19, 2000, S. 17f.
  13. Ulrike Lischewsky: A late date: mit Elvis zurück in das Friedberg der 50er Jahre. In: Mitteilungen: Journal des Hessischen Museumsverbandes 22 (2002), S. 4–6; zu Elvis in Friedberg und Bad Nauheim siehe Heinrich Burk: Elvis in Bad Nauheim und Friedberg. In: H. Burk/ Hans-Ulrich Elter: Der King in Deutschland 1958 - 1960. B+U-Verlag, Oldenburg 2008, ISBN 978-3-939870-55-5, S. 63–172; Heinrich Burk: Elvis in der Wetterau. Der »King« in Deutschland 1958 bis 1960. Eichborn, Frankfurt 1995, ISBN 3-8218-0476-9.
  14. Johann Brendel von Homburg 1569, Friedberg. Grabdenkmäler in Hessen bis 1650. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde (HLGL), abgerufen am 17. Juni 2012.

50.3361218.75587160Koordinaten: 50° 20′ 10″ N, 8° 45′ 21″ O


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