Koordinaten: 36° 11′ 49″ N, 38° 4′ 33″ O

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Syrien

Tell el-Hajj ist der Name eines Siedlungshügels (Tell) im Norden Syriens, der die Überreste der antiken Stadt Eragiza birgt. Die Siedlung westlich des Euphrats entstand bereits in der Uruk-Zeit, wobei an mehreren Stellen die Basis des Hügels mit entsprechender Keramik angefüllt ist. Wahrscheinlich wurde die Siedlung zwischen dem 3. und dem frühen 2. Jahrtausend v. Chr. aufgegeben. Eine Befestigung erfolgte noch im 2. Jahrtausend v. Chr., dann wieder in hellenistischer Zeit. Schon in der Ubaid-Zeit wurde die Stadt möglicherweise zeitweilig erobert.[1]

Sie wurde in römischer Zeit, wohl vor 88 n. Chr., zu einem Fort ausgebaut. Etwa 40 dort entdeckte Münzen – bisher der größte Münzfund aus römischen Anlagen Syriens dieser Zeit – konnten dem 1. und 2. Jahrhundert zugeordnet werden.[2] Auch erwähnen Inschriften zwei Kohorten, nämlich die Cohors Secunda Pia Fidelis und die Cohors Prima Milliaria Thracum, die in Syrien in den Jahren 88 bis 124 belegt sind.[3] Das Fort ist das einzige nicht nur ausgegrabene, sondern auch durch publizierte Grabungsberichte gut erschließbare römische Fort des frühkaiserlichen Syriens.[4]

Ausgegraben wurde die Fundstätte im Rahmen einer Notgrabung unter Leitung des Schweizer Archäologen Rolf Stucky in den Jahren 1971 bis 1972. Die Grabung war wegen des Baus der Tabqa-Talsperre weiter flussabwärts notwendig geworden.

Literatur

  • Peter M. Edwell: Between Rome and Persia. The Middle Euphrates, Mesopotamia, and Palmyra under Roman Control. Routledge, London 2008, ISBN 978-0-415-42478-3.
  • Rolf A. Stucky: A basalt column capital of the early first millennium BC from Tell el Hajj. In: Damaszener Mitteilungen. Band 4, 1993, S. 41–44.
  • Philippe Bridel, Rolf Stucky: Tell el-Hajj, place forte du limes de l'Euphrate aux 1 er et 4ème s. ap. J.-C. In: J. C. Margueron (Hrsg.): Le moyen Euphrate, zone de contacts et d'échanges. Actes du Colloque de Strasbourg, 10–12 mars 1977. Brill, Leiden 1980, S. 349–353.
  • Clemens Krause: Tell el Hajj in Syrien. Zweiter vorläufiger Bericht. Archäologisches Seminar der Universität, Bern 1974.
  • Rolf A. Stucky: Schweizerische archäologische Ausgrabungen auf Tell el Hajj (Syrien). In: Museum Helveticum. Band 29, Nummer 3, 1972, S. 228–231.
  • Burkhardt Wesenberg: Zum Kapitell von Tell el-Hajj. In: Damaszener Mitteilungen. Band 6, 1992, S. 253–256. (online, PDF)

Anmerkungen

  1. Maria Giuseppina Trentin: North-western Uruk Period Pottery Assemblages. Dissertation, University of London [ohne Jahr], S. 15–17 (online, PDF).
  2. Constantina Katsari: The Monetization of Rome's Frontier Provinces. In: W. V. Harris (Hrsg.): The Monetary Systems of the Greeks and Romans. Oxford University Press, Oxford 2008, ISBN 978-0-19-958671-4, S. 242–266.
  3. Fergus Millar: The Roman Near East, 31 BC–AD 337. Harvard University Press, Cambridge (Mass.) 1993, ISBN 0-674-77886-3, S. 83.
  4. Nigel Pollard: Soldiers, Cities, and Civilians in Roman Syria. University of Michigan Press, Ann Arbor 2000, ISBN 0-472-11155-8, S. 189.

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