Ruhr Museum


ehemalige Kohlenwäsche, heute Standort des Ruhr Museums

Das Ruhr Museum, vormals Ruhrlandmuseum, ist ein von seinen Beständen und Abteilungen her breit gefächertes natur- und kulturhistorisches Museum für das Ruhrgebiet in Essen und eine unselbständige Stiftung der Stiftung Zollverein. Direktor ist derzeit (2012) Heinrich Theodor Grütter.[1]

Neuer Standort, neue Dauerausstellung

Das Ruhr Museum, das sich als Gedächtnis und Schaufenster der Metropole Ruhr versteht, dokumentiert in seiner neuen Dauerausstellung Natur, Kultur und Geschichte des Ruhrgebiets und damit die Entwicklung des größten Ballungsraums Europas.

Die neue Dauerausstellung in der Kohlewäsche der Zeche Zollverein (A 14, Schacht XII) wurde von dem Stuttgarter Büro HG Merz gestaltet und ist in vier Ebenen gegliedert. Auf der 24-Meter-Ebene, zu der man mit der großen Außenrolltreppe gelangt, befinden sich Kasse und Information, ein Café, sowie der Museumsshop. Auf der 17-Meter-Ebene werden Mythen, Phänomene und Strukturen des gegenwärtigen Ruhrgebiets dargestellt. Die 12-Meter-Ebene stellt das vorindustrielle Gedächtnis der Region dar und beinhaltet auch die Sammlungen des Museums zu Archäologie, Ethnologie und Naturkunde. Auf der 6-Meter-Ebene wird die Geschichte des Ruhrgebiets im Industriellen Zeitalter dargestellt.

Auf der 12-Meter-Ebene befindet sich eine Fläche für Wechselausstellungen. Ebenso in einer Galerie 21 in einem Zwischengeschoss.

Direktor ist derzeit der Historiker Heinrich Theodor Grütter.

Das ehemalige Ruhrlandmuseum wurde im April 2007 geschlossen, um dann den Neubauten des Museums Folkwang Platz zu machen. Es wurde am 20. Oktober 2008 in der Kohlenwäsche des Weltkulturerbes Zeche Zollverein wiedereröffnet, das nach Plänen von Rem Koolhaas umgebaut wurde.

Am 9. Januar 2010 wurde nach mehrjähriger Vorbereitung das neue Ruhr Museum im Weltkulturerbe Zollverein in Anwesenheit des Bundespräsidenten Horst Köhler zusammen mit der Kulturhauptstadt RUHR.2010 eröffnet.

Geschichte des Ruhrlandmuseums

Ruhrlandmuseum am Standort Goethestraße 41, Essen
Museumsdirektor Ulrich Borsdorf dankt allen Unterstützern

Das Ruhr Museum ist eines der ältesten Museen des Ruhrgebietes und blickt auf mehr als hundert Jahre Geschichte zurück.

Der Kruppsche Bildungsverein und der Historische Verein für Stadt und Stift Essen waren die maßgeblichen Betreiber und Stifter des 1901 gegründeten Essener Museums-Vereins und des am 4. Dezember 1904 eröffneten Museums der Stadt Essen, das zunächst die Bereiche Kunst, Ortsgeschichte, Natur- und Völkerkunde umfasste.

Von 1914 bis 1945 leitete Ernst Kahrs (1876 - 1948) als Direktor das Ruhrlandmuseum und trug in dieser Zeit maßgeblich zu dessen thematischen Ausrichtung bei.

Nach der Ausgliederung der städtischen Kunstsammlung, die den Kern des späteren Museums Folkwang darstellte, wurde 1911 das „Museum der Stadt Essen für Heimat- und Völkerkunde“ gegründet. Es befand sich zunächst in der Essener Innenstadt am Burgplatz in der Alten Post.

Bis 1927 waren die Bestände in den Abteilungen Zoologie, Botanik, Geologie, Mineralogie, Vor- und Frühgeschichte sowie Technik und Völkerkunde derart angewachsen, dass das Museum in das ehemalige Ledigenheim der Firma Krupp am Bahnhof Essen-West, das heutige Bürohaus West, umzog, wo die Sammlungen bis 1939 auf einer Ausstellungsfläche von 7000 m² gezeigt wurden.

1934 erhielt das Museum seinen heutigen Namen. Die fatale Entscheidung einer separaten Präsentation der ortsgeschichtlichen Sammlungen in dem von den Nationalsozialisten 1937 geschaffenen „Haus Heimat“ in der Waldthausen Villa führte zur weitgehenden Zerstörung der historischen Bestände durch Bombenangriffe.

Am 4. Dezember 1954 konnte das Museum in der repräsentativen, nicht kriegszerstörten Knaudtschen Villa an der Bismarckstraße wiedereröffnet werden. 1964 wurde das Haus weitläufig mit einem zweigeschossigen, lichtdurchfluteten Ausstellungstrakt und einem neuen Eingangsbereich an der Goethestraße erweitert. Diese Gebäude wurden 1981 wegen des nachfolgend beschriebenen Neubaus sämtlichst abgerissen.

Im Jahre 1984 zog das Museum in ein neues Gebäude an der Goethestraße um, das von dem Essener Architekturbüro Allerkamp, Niehaus, Skornia entworfen wurde. Es war integriert in einen Gebäudekomplex, der auch das 1956 bis 1960 erbaute und 1998/99 vollständige renovierte Domizil des Museums Folkwang umfasste. Das Ruhrlandmuseum verfügte über rund 4500 m² Ausstellungsfläche und einen Raum für Sonderausstellungen von 600 m².

Ein zentraler Punkt der Neukonzeption des Jahres 1984 war die Verknüpfung der Geologie mit der Sozialgeschichte der Industrialisierung des Ruhrgebietes. Die historische Dauerausstellung brachte zum ersten Mal die Forschungsergebnisse der modernen Ruhrgebietsgeschichte im Medium Museum zur Geltung.

Die innovative Präsentationsform mit Objektensemblen und inszenierten Bildräumen sorgte für Aufsehen in der museologischen Diskussion. 1988/1990 kam das Fotoarchiv als eigenständige Abteilung des Ruhrlandmuseums hinzu und seit 1995 wurde auch die Archäologische Sammlung, die von 1985 bis 1994 im Museum Altenessen untergebracht war, in einer neuen Dauerausstellung präsentiert. 1997 wurde die sozialhistorische Ausstellung überarbeitet und ab Mai 2001 war die neue geologische Dauerausstellung „terra cognita“ zu sehen.

Am 20. November 2006 beschloss der Rat der Stadt Essen, das neue Ruhr Museum in der Kohlenwäsche des Weltkulturerbes Zeche Zollverein zu etablieren. Das Ruhr Museum ging in die Trägerschaft einer Stiftung über. Rund vier Millionen Exponate waren Gegenstand des Umzugs. In der Zeit des Umzugs 2007 bis 2009 blieben das Mineralien-Museum in Kupferdreh und die Außenstellen des Ruhrland-Museums geöffnet und übernahmen einen Teil der Exponate der naturkundlichen Sammlungen und zahlreiche Aktivitäten.

Das neue „Ruhr Museum“ eröffnete am 20. Oktober 2008 in der Kohlenwäsche der Zeche Zollverein mit der Ausstellung Gold vor Schwarz, der vollständigen Präsentation des Essener Domschatzes, die bis zum 8. Februar 2009 gezeigt wurde. Der Empfangsbereich des neuen Ruhr Museums befindet sich in 24 Metern Höhe, er wird durch die längste freistehende Rolltreppe Deutschlands erschlossen. Eine Fahrt mit der 68 Meter langen Rolltreppe dauert ca. 90 Sekunden.[2]

Dauerausstellungen zur Kultur, Natur und Geschichte des Ruhrgebiets

Datei:Ruhr Museum 2010.jpg
Plakat zur Dauerausstellung vor dem Gebäude

Die Dauerausstellung des Ruhr Museums zur Geologie und Geschichte verbindet die Erdgeschichte und die Sozialgeschichte der Industrialisierung des Ruhrgebietes. Ohne die Bodenschätze, die im Laufe von Jahrmillionen entstanden sind, wären die Industrialisierung und die Herausbildung des Ruhrgebietes nicht möglich gewesen.

Die geologische Themenkomplex thematisiert die Dynamik der Erdgeschichte und die Entwicklung des Lebens sowie die Eingriffe des Menschen in die Natur, für die das Ruhrgebiet exemplarisch steht. Die Entstehung der Steinkohle wird mittels eines 8 x 5 x 3,6 m großen Dioramas dargestellt, das die Lebenswelt eines Sumpfmoorwaldes im Karbon vor 300 Millionen Jahren wiedergibt.

Ein Ausstellungsbereich legt den Schwerpunkt auf die Darstellung der Arbeit und des Alltags um 1900 in der Hochphase der Industrialisierung. Der vorindustriellen Zeit widmet sich ein Stadt- und regionalgeschichtlicher Sammlungs- und Arbeitsbereich.

Der archäologische Bereich präsentiert bemerkenswerte Sammlungen zur Ur- und Frühgeschichte der Region, aber auch zu den klassischen, vorderasiatischen und ägyptischen Kulturen.

Nachdem die Besucher das Museum in der 24m Ebene betreten haben wandern sie die verschiedenen Ebenen nach unten:

Weitere Bestände

Darüber hinaus verfügt das Museum über eine Reihe von weiteren Sammlungen, die nicht in den Dauerausstellungen gezeigt werden. Fotografien zur Geschichte und Gegenwart des Ruhrgebietes werden im Fotoarchiv des Ruhrlandmuseums gesammelt, das sich als „fotografisches Gedächtnis“ der Region versteht. Aus den rund drei Millionen Bildern werden regelmäßig Sonderausstellungen bestückt, so 2012 Von A bis Z. Fotografie im Ruhr Museum.

Das Mineralien-Museum und die Museumslandschaft Deilbachtal in Essen-Kupferdreh, ein geologischer Wanderweg um den Baldeneysee, der Halbachhammer im Nachtigallental und eine Museumswohnung in der Siedlung Margarethenhöhe sind Außenstellen des Museums, die das Angebot „vor Ort“ abrunden.

Ausgehend von den einzelnen Abteilungen und Sammlungsbeständen zeigt das Ruhrlandmuseum regelmäßig Sonderausstellungen, die das Angebot thematisch erweitern und in größere historische und kulturanthropologische Zusammenhänge stellen.

Es finden regelmäßig Vorträge, Vortragsreihen und weitere Begleitveranstaltungen wie Filmreihen und lange Museumsnächte statt. Eine intensive museumspädagogische Arbeit vermittelt die Ausstellungsinhalte an unterschiedliche Zielgruppen, wobei sie auf verschiedene Vermittlungsformen wie Führungen, Museumsgespräche in den Ausstellungen, Exkursionen, Lehrerfortbildungen, Schulprojekte, Workshops und Aktionstage zurückgreift.

Sonderausstellungen

Treppenhaus des Ruhr Museums
  • 2010: Das große Spiel. Archäologie und Politik (12. Februar 2010 bis 13. Juni 2010)
  • 2010/2011: Alles wieder anders. Fotografien aus der Zeit des Strukturwandels (26. September 2010 bis 16. Februar 2011)
  • 2010/2011: Schwarzes Revier. Fotografien von Heinrich Hauser (26. September 2010 bis 16. Februar 2011)
  • 2012: Von A bis Z. Die Fotografische Sammlung des Ruhr Museums auf Zollverein, Essen (24. Oktober 2011 bis 10. Juni 2012)
  • 2012: 200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt (in der Kohlenwäsche, bis 6. Januar 2013)[3]
  • 2012: Die Gartenstadt Margarethenhöhe, im Kleinen Atelierhaus der Margarethenhöhe

Mineralien-Museum

  • 2010: Wie die Zeit vergeht. Fotografien aus einem ungarischen Dorf. 1975-1995-2005 (20. März bis 29. August)

Literatur und Medien

  • Ruhrlandmuseum Essen (Hrsg.): Ruhrgebietsbilder. Ein virtueller Sammlungskatalog, Klartext Verlag, Essen 2006, ISBN 3-89861-420-4 (CD mit 1.400 Fotos und Bildern aus der Entstehungszeit des Ruhrgebiets)
  • Ulrich Borsdorf und Heinrich Theodor Grütter (Hrsg.): Ruhr Museum – Natur.Kultur.Geschichte, Klartext-Verlag, Essen 2010, ISBN 978-3-8375-0075-2

Einzelnachweise

  1. http://www.ruhrmuseum.de/servicenavigation/kontakt/team/ Homepage Ruhr Museum
  2. http://www.vdv-online.de/termine/terminarchiv/termindetails/fuehrung-ueber-das-welterbe-zollverein/6a650dc747.html
  3. ruhrmuseum.de

Weblinks

51.4860737.042236Koordinaten: 51° 29′ 10″ N, 7° 2′ 32″ O


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