Römerbrücke (Mainz)


50.0062368.277576Koordinaten: 50° 0′ 22,4″ N, 8° 16′ 39,3″ O

f1
Römerbrücke
(Pons Ingeniosa)
Römerbrücke (Pons Ingeniosa)
Moderne Brückentafel der Römerbrücke. Eine Holztragwerkkonstruktion aus flachgespannten Segmentbögen ruhte auf insgesamt 21 Steinpfeilern.
Überführt Verbindung Mogontiacum–Castellum Mattiacorum
Querung von Rhein
Ort Mainz (Deutschland)
Konstruktion Hölzerne Segmentbogenbrücke mit Steinpfeilern
Gesamtlänge 600 m
Breite 12 m
Anzahl der Öffnungen 22
Bauzeit Um 70 (mögl. früher)
Zustand Zerstört
Plan des antiken Mogontiacum
Mogontiacum Plan.png
Die Römerbrücke (Nr. 10) verband den Brückenkopf am rechten Rheinufer mit Mainz.p1

Die Mainzer Römerbrücke, auch Pons Ingeniosa, war eine römische Steinpfeilerbrücke über den Rhein in Mogontiacum (Mainz). Sie ersetzte ab dem Anfang der 70er Jahre eine Holzbrücke, wahrscheinlich eine Pfahljochbrücke, die ab dem Jahr 27 in Betrieb gewesen war. Neueren Funden und dendrochronologischen Datierungen zufolge könnte eine feste Steinpfeilerbrücke bereits um das Jahr 30 gebaut worden sein. Die Römerbrücke von Mogontiacum bestand mindestens bis zum Rheinübertritt der Germanen im frühen 5. Jahrhundert.

Vorgängerbrücken

Mit der Gründung des Legionslagers von Mogontiacum durch Drusus und dem weiteren Expansionsbestrebungen des römischen Reichs in Richtung des rechtsrheinischen freien Germaniens bestand die dringende Notwendigkeit für einen dauerhaften Rheinübergang. Spätestens für den von Mogontiacum ausgehenden Feldzug des Drusus im Jahr 10 v. Chr. dürfte eine Schiffbrücke (pons navalis) zum rechtsrheinischen Ufer bestanden haben. Der rechtsrheinische Brückenkopf wurde mit einem Kastell befestigt (Castellum Mattiacorum) aus dem später die Siedlung Mainz-Kastel hervorging.

Nach dem derzeitigen etablierten Forschungsstand wurde diese Schiffsbrücke unter Kaiser Tiberius durch eine feste Holzkonstruktion ersetzt. Durch Holzfunde und deren dendrochronologische Untersuchung lässt sich der Bau der Brücke in das Jahr 27 datieren.[1]

Datierung der Steinpfeilerbrücke

Der Bau einer festen Rheinbrücke im Mainzer Legionsstandort wurde in der Literatur bislang in die erste Hälfte der Regierungszeit Kaiser Vespasians (69–74 n. Chr.) gelegt.[2] Neuen archäologischen Erkenntnissen zufolge könnte der Bau der auf 21 Steinpfeilern ruhenden Brücke[2] bereits in spättiberischer Zeit erfolgt sein. Neue archäologische Grabungen, die 2004 in der Mainzer Innenstadt durchgeführt wurden, lassen eine mögliche Schlussfolgerung zu:

Beim Fund handelt sich um eine über 30 m lange hölzerne Uferrandbefestigung aus wiederverwendeten Spundbohlen, mit Zapfen zusammengefügten, wasserdichten Holzbrettern. Aus solchen Bohlen wurden von römischen Militäringenieuren wasserabweisende Senkkästen gezimmert, die bei der Pfeilerfundamentierung sogenannter Pfahlrostbrücken für einen trockenen Arbeitsbereich im Fluss sorgten. Auf denen ins Flussbett gerammten Pfahlgruppen wurden anschließend die steinernen Brückenpfeiler aufgemauert. Der Zusammenhang zwischen den dendrochronologisch datierten Spundbohlen und der Konstruktionsweise von Pfahlrostbrücken können somit auf eine Bauzeit der Brücke um das Jahr 30 schließen lassen.[3] Damit wäre die Mainzer Römerbrücke die älteste bekannte Pfahlrostbrücke am Rhein und seinen Nebenflüssen.[2] Sie blieb bis Anfang des 5. Jahrhunderts in Nutzung und wurde möglicherweise noch beim Rheinübergang von 406 von den einfallenden Germanen benutzt.

Die Steinpfeilerbrücke ist auf dem 1862 in der Saône bei Lyon gefundenen Lyoner Bleimedaillon abgebildet, das aus der Zeit um 300 n. Chr. stammt und die älteste Stadtansicht von Mogontiacum darstellt.[4] Auch an der Trierer Römerbrücke – ebenfalls eine Holzkonstruktion auf Steinpfeilern – wurden in der Vergangenheit, allerdings in situ, Spundbohlen entdeckt.[2] Im Gegensatz zur Mainzer Brücke haben sich die römischen Steinpfeiler in der Mosel erhalten und tragen noch heute die Brückenfahrbahn.

Straßenverbindung

Rekonstruierter römischer Ehrenbogen in Mainz-Kastel in Fluchtlinie mit der von der Brücke kommenden Straße

Die über die Brücke führende Straße führte auf den nördlichsten bislang bekannten Ehrenbogen des römischen Reichs zu. Wahrscheinlich wurde er nach dem Tod des Germanicus 19 n. Chr. zu dessen Ehren in der späteren Gemarkung Mainz-Kastel zwischen 18 und 43 n. Chr. errichtet. Die im weiteren Verlauf nahezu schnurgerade verlaufende Römerstraße verband Mainz-Kastel mit der Ortschaft Nida (heute Frankfurt-Heddernheim); seit dem Mittelalter heißt sie Elisabethenstraße. In ihrem Verlauf ist sie auch als Steinerne Straße, Hohe Straße oder Heerstraße bekannt. Ihre Streckenführung ist in weiten Teilen noch erhalten.

Rheinbrücke Karls des Großen

Sowohl Einhard in seiner Vita Caroli Magni[5] als auch der Poeta Saxo[6] beschreiben, dass Kaiser Karl der Große Anfang des 9. Jhs. eine Brücke über den Rhein schlug[7], die allerdings noch zu dessen Lebzeiten im Mai 813 durch Brandstiftung abbrannte.[8] Ein geplanter Neubau wurde nicht mehr ausgeführt. Man nimmt an, dass für Karls Brückenbau die römischen Steinpfeiler wiederverwendet wurden. Deren Fundamente blieben lange erhalten und dienten bis zu ihrer Entfernung im 19. Jh. als Ankerstellen für die Mainzer Schiffsmühlen.[9][10]

Erst 1862 wurde bei Mainz wieder eine feste Brücke über den Rhein errichtet, die Mainzer Südbrücke, eine Eisenbahnbrücke.

Einzelnachweise

  1. Zur Datierung siehe auch: Sybille Bauer: Die Mainzer Römerbrücke – die älteste Steinbrücke am Rhein? – Webseite der Initiative Römisches Mainz.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Bauer, Sibylle (2004), S. 84
  3. Alle Angaben: Bauer, Sibylle (2004), S. 83
  4.  Heinz Biehn: Mainz - Die alte Aurea Moguntia. Amorbach 1968.  Franz Dumont, Ferdinand Scherf, Friedrich Schütz (Hrsg.): Mainz - Die Geschichte der Stadt. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1998.
  5. Einhard: Vita Caroli Magni: „Inter quae praecipua fere non inmerito videri possunt basilica sanctae Dei genitricis Aquisgrani opere mirabili constructa et pons apud Mogontiacum in Rheno quingentorum passuum longitudinis - nam tanta est ibi fluminis latitudo; qui tamen uno, antequam decederet, anno incendio conflagravit, nec refici potuit propter festinatum illius decessum, quamquam in ea meditatione esset, ut pro ligneo lapideum restitueret.“; Einhardi vita Karoli Magni (Latein) Bibliotheca Augustana. Abgerufen am 29. Dezember 2011.
  6. Poeta Saxo: Annales de gestis Caroli Magni imperatoris; Liber V, 443ff. : „Preterea Rheni constravit ponte fluenta Commoda dans urbi tanta Mogontiace. […]“. eingeschränkte Vorschau in der Google Buchsuche
  7. Vgl. Regesta Imperii RI I n. 477a : „Die von Karl erbaute Rheinbrücke bei Mainz wird durch einen brand zerstört; der plan statt der hölzernen eine steinerne brücke zu erbauen kommt nicht mehr zur ausführung. Ann. r. Franc. (Einh.), V. Karoli c. 17, 32 vgl. Poeta Saxo V, 457, Mon. Sangall. I, 30, Simson Karl d. Gr. 2,510.“; Regest 477a. Regesta Imperii. Abgerufen am 29. Dezember 2011.
  8. Franz Dumont, Ferdinand Scherf, Friedrich Schütz: „Mainz – Die Geschichte einer Stadt“, S. 82
  9. Harald Strube: „Rechts des Rheins ist auch noch Mainz“ - Das rechtsrheinische Mainz. Regionalgeschichte.net. Abgerufen am 29. Dezember 2011: „auf den Fundamenten der römischen Brücke von 10 v. Chr. ließ Karl der Große 803-813 eine hölzerne Brücke erbauen, die allerdings - gerade fertiggestellt - abbrannte“
  10. Rheinbrücken von Mainz nach Kastel. Abgerufen am 29. Dezember 2011: „Es dauerte wieder bis ins Jahr 803 bis Kaiser Karl der Große wieder eine Brücke zwischen Mainz und Kastel erbauen ließ, doch kurz vor ihrer Vollendung im Jahr 813 brannte die Brücke innerhalb von drei Stunden nieder.“

Literatur

  • Sibylle Bauer: Die älteste Steinbrücke am Rhein – stand sie in Mainz? Neuer Holzfund als Indiz für einen frührömischen Brückenschlag, in: Antike Welt, Bd. 35, Nr. 3 (2004), S.83–84
  • Hubertus Mikler: „Neues“ vom Holz der römischen Rheinbrücke zwischen Mainz und Kastel. Mainzer Archäologische Zeitschrift 5/6, 1998/1999, Seite 325-335

Siehe auch

Weblinks

 <Lang> Commons: Mainzer Römerbrücke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages

Elemente:

,

24.10.2020
Bissspuren und ausgefallene Zähne bringen Licht ins Fressverhalten von Dinosauriern
Forscherteam der Universität Tübingen untersucht 160 Millionen Jahre alten Fressplatz im Nordwesten Chinas.
22.10.2020
Kognitive Bausteine der Sprache existierten schon vor 40 Millionen Jahren
Nicht nur Menschen, sondern auch Affen und Menschenaffen erkennen Regeln in komplexen sprachlichen Konstruktionen. Dies haben Sprachwissenschaftler du...
21.10.2020
Mehr noch als Fleisch und Milch
Stabile Isotopendaten von Menschen- und Tierknochen zeigen eine sehr effektive Nutzung des vielfältigen Nahrungsangebots im nördlichen Kaukasus und ...
18.10.2020
Madagaskar: Mensch und Klima verursachten Massenaussterben
Die gesamte endemische Megafauna Madagaskars und der östlich davon gelegenen Inselkette der Maskarenen, zu der Mauritius und Rodrigues zählen, wurde...
17.10.2020
Chemische Evolution - Am Anfang war der Zucker
Der Ursprung allen Lebens liegt in organischen Molekülen. Doch wie sind diese aus anorganischen Stoffen entstanden? Der LMU-Chemiker Oliver Trapp ber...
14.10.2020
Der moderne Mensch kam auf Umwegen nach Europa
Klimatische Bedingungen leiteten die geographische Ausbreitung von Homo sapiens in der Levante vor 43.000 Jahren.
12.10.2020
Reiter wetteiferten vor 3000 Jahren um die ältesten Lederbälle Eurasiens
Wissenschaftler haben in Gräbern von Reitern in Nordwest-China die ältesten Bälle Eurasiens untersucht. Gemäss dem internationalen Forscherteam so...
08.10.2020
Forscher rekonstruieren Käfer aus der Kreidezeit
Ein internationales Forscherteam hat vier neu gefundene Exemplare der fossilen Käfer Mysteriomorphidae mithilfe der Computertomographie untersucht un...
01.10.2020
Jagdverhalten säbelzahntragender Raubtiere erforscht
Ein internationales Team von Forschenden aus dem Vereinigten Königreich und Spanien sowie unter Beteiligung vom Museum für Naturkunde in Berlin, unt...
25.09.2020
Vor 120.000 Jahren: Älteste sicher datierte Nachweise von Menschen auf der arabischen Halbinsel
Unter Verwendung hochauflösender paläoökologischer Informationen, die aus versteinerten Fußabdrücken gewonnen wurden, präsentiert eine neue, in ...
25.09.2020
Neandertaler haben männliches Geschlechtschromosom vom modernen Menschen übernommen
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Martin Petr und Janet Kelso vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipz...
21.09.2020
Versteinerte Bäume im Thüringer Wald: Forscherteam entschlüsselt fossile Mikrowelten
Paläontologen des Museums für Naturkunde Chemnitz und der TU Bergakademie Freiberg führen aktuell in Manebach bei Ilmenau wissenschaftliche Grabung...
21.09.2020
Auch Schimpansen leiden ein Leben lang, wenn sie im Kindesalter die Mutter verlieren
Der Tod eines Elternteils ist für ein Kind traumatisch und Waisenkinder leiden häufig für den Rest ihres Lebens unter diesem Verlust – ein verzö...
21.09.2020
Älteste Spermien der Welt
In einem Bernstein entdeckte ein internationales Team von Paläontologen im Inneren eines weiblichen Muschelkrebses 100 Millionen Jahre alte Riesenspe...
17.09.2020
Schimpansenverhalten und -kultur sind in variabler Umwelt am vielfältigsten
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und dem Deutschen Zentrum für integrat...
15.09.2020
Weinpresse aus der Eisenzeit gibt Aufschluss über Bautechnik der Phönizier
Forschungsteam der Universität Tübingen entdeckt seltenen Nachweis der frühen Weinherstellung an der Ausgrabungsstätte Tell el-Burak im Libanon.
09.09.2020
Die älteste Neandertaler-DNA Mittelosteuropas
Ein internationales Team berichtet in einer neuen Studie über das älteste mitochondriale Genom eines Neandertalers aus Mittelosteuropa. Das aus eine...
09.09.2020
Das letzte Zucken der Eiszeit
Ein internationales Team von Forschenden blickt präzise wie nie in das Ende der letzten Eiszeit. Wann und wo genau die Jüngere Dryaszeit begann und ...
03.09.2020
Milchverträglichkeit hat sich in wenigen Tausend Jahren in Mitteleuropa verbreitet
Paläogenetiker der Johannes Gutenberg-Universität Mainz finden nur in wenigen Knochen vom bronzezeitlichen Schlachfeld an der Tollense Hinweise auf ...
03.09.2020
Himmelsscheibe von Nebra wird neu datiert
Bisher galt die Himmelsscheibe von Nebra als frühbronzezeitlich und damit als älteste Himmelsdarstellung der Welt. Archäologen der Goethe-Universit...
03.09.2020
Künstliche Intelligenz hilft in der Archäologie
Künstliche Intelligenz ist besser als bisherige Softwareanwendungen in der Lage, den Ursprung archäologischer Funde aus naturwissenschaftlichen Unte...
26.08.2020
Bronzezeit: Fremde Ernährungstraditionen in Europa
Nicht nur Metalle, hierarchische Gesellschaften und befestigte Siedlungen: In der Bronzezeit beeinflusste auch ein neues Lebensmittel die ökonomische...
26.08.2020
Wie sich Neandertaler an das Klima anpassten
Klimaveränderungen kurz vor ihrem Verschwinden lösten bei den späten Neandertalern in Europa eine komplexe Verhaltensänderung aus: Sie entwickelte...
17.08.2020
Radiokarbonuhr zur C-14 Datierung neu geeicht
Die Radiokarbondatierung wird genauer als je zuvor: Als Teil eines internationales Forschungsteam trug die Universität Hohenheim dazu bei die Technik...
06.08.2020
Langer Hals half Saurier bei Unterwasserjagd
Sein Hals bestand aus dreizehn extrem verlängerten Wirbeln und war dreimal so lang wie sein Rumpf: Der Giraffenhalssaurier Tanystropheus lebte vor 24...