Gianni Careddu / CC BY-SA 4.0

Ozieri-Kultur


Kulturenfolge

Die Ozieri-Kultur, (zunächst San Michele Kultur genannt) ist die letzte der großen Kulturen der Jungsteinzeit (ca. 3300–2700 v. Chr.) auf Sardinien. Sie trug zunächst den Namen ihres ersten Fundortes, der Grotta di San Michele bei Ozieri in der Provinz Sassari. Ihre chronologische Einordnung ist durch Radiokarbondaten aus den Naturhöhlen (Grotta Gonagosula, Grotta Filiestru) belegt. Die Kulturen von Su Caroppu, Filiestru, Bono Ighinu-Kultur und die erst jüngst entdeckte Kultur von San Ciriaco gingen ihr voraus. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Kulturen Bonu Ighinu-Kultur und Ozieri zwei Stufen derselben Kultur sind. Ihnen folgten die Kulturen von Abealzu-Filigosa.

Die Inselbevölkerung bestand bereits seit mehr als 2.500 Jahren aus Ackerbauern. Sie lebten in unbefestigten Dörfern, deren Zahl und Größe (speziell im Campidano) während der Ozieri-Kultur zunahm. Im Zusammenhang mit der Kultur stehen die plastischen Darstellungen einer Muttergottheit und die Wandbilder einer Stiergottheit, in so genannten Domus de Janas (artifizielle Höhlengräber) die zu Tausenden, oft in regelrechten Nekropolen angelegt wurden, sowie die Aufrichtung von Menhiren (ital. Pérda fitta).

Funde

Die Keramik der Ozieri-Kultur entwickelt sich zu immer einfallsreicheren Formen. Das Vorbild für die Pyxiden und Dreifüße suchte man ursprünglich in der Ägäis, aber es sind auch Anklänge an die Chassey-Kultur in Südfrankreich erkennbar. Die angenommenen Beziehungen zu Kreta und zum kykladischen Archipel sind durch eine Entwicklung aus einem kulturell-religiösen Substrat, das sich ausgehend von der Levante über den mediterranen Raum ausbreitete besser erklärt. Charakteristisch für die Keramik sind die unter der Oberfläche geführten Tunnelhenkel, wie sie sich z.B bei ritzverzierte Pyxiden fanden. Die Verzierung durch diaboloförmige Menschendarstellungen ist kennzeichnend Museo Nazionale G. A. Sanna. Terrakotta- (Höhle Sa 'Ucca 'e su Tintirriolu) und Kalksteinidole (Sa Turriga und Porto Ferro) wurden in Gräbern oder an Kultplätzen gefunden. Einige Figuren zeigen rote Farbreste. Sie ähneln kretischen und kykladischen Idolen. Die sardischen Idolfiguren vermeiden ausnahmslos jede Symbolik im Bereich des Schamdreiecks.

Die Ergebnisse des Bonu-Ighinu-Projekts zeigten die Kontinuität in der Entwicklung zur Ozieri-Kultur auf und widerlegen Fremdeinflüsse, die nach der Erstbesiedlung der Insel durch Angehörige der Cardial- oder Impressokultur erfolgt sein sollen. Auf einen Ideenaustausch mit dem Festland, weisen allerdings Kontakte hin, die im Rahmen der Verbreitung des Obsidians vom Monte Arci stattgefunden haben müssen. Der archäologische Kampf zwischen den Diffusionisten und Evolutionisten findet deshalb auf Sardinien besonders heftig statt. Es zeigte sich, dass die Kulturen von Bonu Ighinu und Ozieri, eventuell verbunden über San Ciriaco, Phasen ein und derselben Kultur darstellen. Die Kultur von San Ciriaco (3400–3200 v. Chr.) unterscheidet sich durch die Produktion von exzellenten Vasen, die in Cuccuru s’Arriu (bei Cabras) und am Torre Foghe (bei Tresnuraghes) gefunden wurden.

Fundplätze

Mit der Ozieri-Kultur werden ganz unterschiedlich gestaltete Plätze verbunden:

Literatur

  • E. Campus: La cultura di Ozieri – La Sardegna e il Mediterraneo nel IV e III millennio a. C. 1997.
  • M. Patton: Islands in Time. Island Sociogeography and Mediterranean Prehistory. London 1996, ISBN 978-0-415-12659-5, S. 97f.
  • R. Pauli: Sardinien. 7. Auflage, Ostfildern 1990, S. 48.
  • V. Santoni: Neolitico medio di Cuccuru S'Arriu di Cabras (Or). 1995.

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