Beginn der Notitia in einer mittelalterlichen Kopie von Cyriacus von Ancona für den damaligen Bischof von Padua Pietro Donato (1380–1447) von einem karolingischen Original während des Konzils von Basel 1436.

Die Notitia Galliarum (auch Notitia provinciarum et civitatum Galliae) ist eine spätantike Aufstellung der Provinzen und Orte Galliens.

Die Liste entstand in ihrer Grundform Ende des 4. oder Anfang des 5. Jahrhunderts n. Chr. Darin aufgeführt sind die 17 zu dieser Zeit bestehenden spätantiken Provinzen Galliens sowie die darin befindlichen 115 Gemeinden (civitates), außerdem sieben Militärlager (castra) und ein Hafen (portus). Neben der zivilen Provinzeinteilung dient auch die kirchliche Unterteilung des Reiches in Bistümer zur Gliederung der Notitia Galliarum.

Eine Vermutung zur Entstehung der Liste ist, dass sie als Überblick für Magnus Maximus konzipiert wurde, der 383 bis 388 als Usurpator große Teile des westlichen Römischen Reiches kontrollierte.[1] Wohl im 6. Jahrhundert erfolgte eine Überarbeitung. Möglicherweise wurden die Namen der Bistümer erst bei dieser Gelegenheit ergänzt.

Der Text ist in über 100 mittelalterlichen Handschriften überliefert, was zeigt, welche Bedeutung ihm in dieser Zeit beigemessen wurde. Viele dieser Manuskripte weisen jedoch spätere Verfälschungen (Interpolationen) auf.

Literatur

  • Jill Harries: Church and State in the Notitia Galliarum. In: The Journal of Roman Studies. Band 68, 1978, S. 26–43.
  • Klaus-Peter Johne: Notitia Galliarum. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 8, Metzler, Stuttgart 2000, ISBN 3-476-01478-9, Sp. 1013.
  • Albert L. F. Rivet: The Notitia Galliarum. In: Roger Goodburn, Philip Bartholomew (Hrsg.): Aspects of the Notitia Dignitatum. Oxford 1976, S. 119–142.

Einzelnachweise

  1. Jill Harries: Church and State in the Notitia Galliarum. In: The Journal of Roman Studies. Band 68, 1978, S. 26–43.

Die News der letzten Tage

17.06.2022
Archäologie | Kultur
Neue Zeugnisse aus der Tempelstadt Heliopolis
Ein ägyptisch-deutsches Grabungsteam hat bei gerade abgeschlossenen Ausgrabungen im Nordosten Kairos bedeutende Zeugnisse aus der Geschichte der Tempelstadt Heliopolis gefunden.
14.06.2022
Wanderungen | Archäologie | Kultur
Die Römer brachten das Maultier mit
Erst die Römer brachten auch Maultiere im ersten Jahrhundert über die Alpen nach Norden, davor wurden in Mitteleuropa ausschließlich Pferde als Reittiere genutzt.
10.06.2022
Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Hirse in der Bronzezeit: Ein Superfood erobert die Welt
Bereits vor 3500 Jahren lebten die Menschen in einer globalisierten Welt.
09.06.2022
Genetik | Wanderungen | Homo sapiens
Das prähistorische Wallacea – ein genetischer Schmelztiegel menschlicher Abstammungslinien
Die Inseln Wallaceas im heutigen Ostindonesien wurden bereits vor langer Zeit von modernen Menschen besiedelt.
18.05.2022
Sprache | Primaten
Tierisch flexibel: Wie Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht.
17.05.2022
Paläoökologie | Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Zündeln vor 9.500 Jahren
Schon vor 9500 Jahren setzten die Menschen in Europa Brandrodung ein, um Land für sich nutzbar zu machen.
17.05.2022
Nach_der_Eiszeit | Archäologie | Kunst
Spektakuläre Deckengemälde im Tempel von Esna entdeckt
Deutsche und ägyptische Forscher haben im Tempel von Esna in Oberägypten eine Serie farbenprächtiger Deckenbilder freigelegt.